Neue Regeln für KI
Die Bundeswehr baut den Einsatz Künstlicher Intelligenz aus, wobei die letzte Entscheidung über Waffengewalt grundsätzlich beim Menschen bleiben soll.
Künstliche Intelligenz soll in der Bundeswehr künftig schneller und umfassender eingesetzt werden. Gleichzeitig führt das Verteidigungsministerium feste Regeln für Entwicklung, Erprobung und Kontrolle der Systeme ein, weil die letzte Entscheidung über den Einsatz von Waffengewalt grundsätzlich in menschlicher Hand bleiben soll.
Bundeswehr baut Künstliche Intelligenz aus
Wie das Bundesministerium der Verteidigung mitteilt, gewinnt Künstliche Intelligenz für militärische Aufgaben erheblich an Bedeutung. Algorithmen können Gefechtsdaten in Echtzeit analysieren, Aufklärung beschleunigen und Informationen für militärische Entscheidungen schneller auswerten.
Auch autonome Systeme können Reichweite und Geschwindigkeit militärischer Operationen erhöhen. Gleichzeitig sieht die Bundeswehr neue Risiken durch Cyberangriffe, Manipulationen und den Verlust menschlicher Kontrolle.
Das Verteidigungsministerium hat deshalb eine sogenannte KI-Governance eingeführt. Sie soll Regeln für Entwicklung, Erprobung, Nutzung und Kontrolle Künstlicher Intelligenz innerhalb der gesamten Bundeswehr festlegen.
Mensch soll über Waffengewalt entscheiden
Besonders weitreichend sind die Vorgaben für militärische Anwendungen. Deutschland verfolgt nach Angaben des Ministeriums einen menschzentrierten Ansatz.
Die letzte Entscheidung über den Einsatz von Waffengewalt und damit über Leben und Tod soll grundsätzlich bei einem Menschen verbleiben, soweit dies technisch und operativ möglich ist.
KI soll damit vor allem Entscheidungen unterstützen und Informationen schneller verarbeiten. Eine grundsätzlich autonome Entscheidung über Gewaltanwendung ist nach dem neuen Konzept nicht vorgesehen.
Raketenabwehr kann stärker automatisiert werden
Das Ministerium macht allerdings deutlich, dass nicht jede militärische Situation gleich behandelt werden kann. Bei der Abwehr ballistischer Raketen können automatisierte Systeme beispielsweise stärker eigenständig reagieren als bei einem geplanten Angriff.
Der Grund liegt in der extrem kurzen Reaktionszeit. Ein anfliegender Flugkörper kann Entscheidungen innerhalb von Sekunden erforderlich machen.
Bei offensiven Operationen soll die menschliche Kontrolle dagegen eine besonders große Rolle spielen. Damit versucht die Bundeswehr, militärische Geschwindigkeit mit rechtlichen und ethischen Grenzen zu verbinden.
Eigener KI-Chef soll Bundeswehr steuern
Die neue Struktur sieht auch zentrale Verantwortlichkeiten vor. Ein Chief Artificial Intelligence Officer soll das Thema Künstliche Intelligenz strategisch für die gesamte Bundeswehr steuern.
Unter seiner Leitung arbeitet ein eigenes KI-Gremium. Hinzu kommen spezialisierte Aufgabenteams, die sich mit konkreten Anwendungen und Fragen der Einführung befassen.
Die Regeln sollen außerdem dafür sorgen, dass Risiken früh erkannt und Verantwortlichkeiten eindeutig festgelegt werden. Die KI-Governance ist eng mit der bereits bestehenden Datensteuerung der Bundeswehr verbunden.
Bundeswehr sieht KI als entscheidenden Militärfaktor
Hinter den neuen Regeln steht eine grundlegende Veränderung moderner Kriegsführung. Das Verteidigungsministerium bezeichnet Künstliche Intelligenz inzwischen als entscheidenden Faktor für die militärische Durchsetzungsfähigkeit.
Gleichzeitig verweist die Bundeswehr auf ein strategisches Problem: Potenzielle Gegner könnten autonome Waffensysteme ohne vergleichbare rechtliche oder ethische Einschränkungen einsetzen. Deutschland müsse deshalb technologisch leistungsfähig bleiben, ohne die eigenen rechtlichen und ethischen Grundsätze aufzugeben.
Damit beginnt für die Bundeswehr eine neue Phase ihrer Digitalisierung. Künstliche Intelligenz soll schneller in Aufklärung, Verwaltung und militärische Systeme gelangen – die Verantwortung für den Einsatz tödlicher Gewalt soll jedoch grundsätzlich beim Menschen bleiben.
Quelle: Bundesministerium der Verteidigung