Die Berliner Polizei setzt erstmals im öffentlichen Raum auf eine Videoauswertung mit künstlicher Intelligenz. Nach dem Kottbusser Tor soll später auch die Warschauer Straße folgen.
Von Sebastian Krüger
3. August 2026, 14.22 Uhr · 3 Min. Lesezeit
Kameras sollen künftig nicht nur Bilder liefern, sondern die Polizei automatisch auf mögliche Schlägereien und andere ungewöhnliche Bewegungsabläufe aufmerksam machen. Die endgültige Bewertung und ein möglicher Einsatz bleiben jedoch Aufgabe menschlicher Einsatzkräfte.
Test beginnt noch im August
Nach Angaben der Berliner Innenverwaltung startet das Pilotprojekt noch im August am Kottbusser Tor. Später soll die Technik auch an der Warschauer Straße eingesetzt werden.
Beide Bereiche gelten bei der Polizei als kriminalitätsbelastete Orte. Bei einem erfolgreichen Verlauf sollen 2027 der Alexanderplatz, der Görlitzer Park und der Wrangelkiez folgen.
Keine automatische Gesichtserkennung geplant
Das System soll keine Personen biometrisch identifizieren. Nach Darstellung von Innensenatorin Iris Spranger werden auf den Kontrollbildschirmen anonymisierte Strichfiguren und deren Bewegungen dargestellt.
Die KI soll beispielsweise erkennen, wenn Bewegungen auf eine Schlägerei oder einen Angriff hindeuten. Ob tatsächlich eine Gefahr besteht und wie darauf reagiert wird, entscheidet weiterhin ein Polizeibeamter.
Kritiker warnen vor Fehlalarmen
Fachleute des Chaos Computer Clubs bezweifeln, dass eine vollständige Anonymisierung dauerhaft sichergestellt werden kann. Sie verweisen unter anderem auf mögliche Rückschlüsse durch Gangmuster und Zeitstempel.
Zudem ist bislang nicht öffentlich bekannt, wie hoch die Fehlerquote des Systems ist und mit welchen Daten die Technik trainiert wurde. Dabei spielt auch die Frage eine Rolle, ob bestimmte Personengruppen häufiger fälschlich als auffällig eingestuft werden könnten.
Mehrere Millionen Euro vorgesehen
Für die KI-Technik an kriminalitätsbelasteten Orten sind von 2026 bis 2030 rund 2,47 Millionen Euro an Investitionen und weitere 2,13 Millionen Euro für den Betrieb vorgesehen.
Auch beim Schutz des Roten Rathauses und der Innenverwaltung soll künftig künstliche Intelligenz eingesetzt werden. Grundlage ist eine Änderung des Berliner Sicherheits- und Ordnungsgesetzes aus dem Dezember 2025.
Quellen
Rundfunk Berlin-Brandenburg – Bericht zum Start der KI-unterstützten Videoüberwachung am Kottbusser Tor, veröffentlicht am 3. August 2026
Senatsverwaltung für Inneres und Sport Berlin – Angaben zum Pilotprojekt und zu den vorgesehenen Einsatzorten