Elif Eralp will Regierende Bürgermeisterin werden

Berlin vor politischer Machtprobe: Linke, Grüne und SPD starten Koalitionsverhandlungen

Wohnungsstreit und Haushaltskrise

Von Sebastian Krüger 4 Min. Lesezeit

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Steffen Krach Spitzenkandidat der SPD Berlin
Steffen Krach Spitzenkandidat der SPD Berlin Foto: Dominik Butzmann / SPD Berlin

In Berlin beginnen am Montag, 2. November 2026, die Verhandlungen über eine neue Landesregierung. Sechs Wochen nach der Abgeordnetenhauswahl wollen Linke, Grüne und SPD die Grundlagen für eine gemeinsame Koalition aushandeln. Die Linke geht als stärkste Kraft in die Gespräche und erhebt mit Elif Eralp Anspruch auf das Amt der Regierenden Bürgermeisterin. Doch bereits vor dem offiziellen Verhandlungsbeginn stehen die drei Parteien vor erheblichen Konflikten. Besonders die angespannte Haushaltslage und die geplante Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände könnten die Gespräche erschweren.

Die SPD befindet sich nach ihrem schwachen Wahlergebnis in einer ungewöhnlichen Position. Obwohl sie nur noch die kleinste Fraktion der drei möglichen Koalitionspartner stellt, könnte sie erneut Regierungsverantwortung übernehmen.

Linke stimmt am Wochenende für Verhandlungen

Den letzten Weg für offizielle Koalitionsgespräche machte die Berliner Linke am Samstag, 31. Oktober, frei.

Auf einem Landesparteitag in Lichtenberg stimmten die Delegierten für die Aufnahme von Verhandlungen mit SPD und Grünen.

Innerhalb der Partei wurde der eingeschlagene Kurs allerdings auch kritisiert.

Die Sozialdemokraten und die Grünen hatten sich bereits zuvor für Gespräche ausgesprochen.

Damit können die drei Parteien nun über einen gemeinsamen Koalitionsvertrag verhandeln.

Das Ziel ist, möglichst bis zum Jahreswechsel eine neue Landesregierung zu bilden.

Eine endgültige Einigung ist damit noch nicht erreicht.

Elif Eralp steht vor schwierigen Entscheidungen

Als Spitzenkandidatin der Linken strebt Elif Eralp das Amt der Regierenden Bürgermeisterin an.

Ihre Partei hatte die Abgeordnetenhauswahl mit 25,7 Prozent gewonnen und verfügt damit innerhalb der möglichen Koalition über das größte politische Gewicht.

Doch der Wahlsieg bringt auch Verantwortung.

Die Linke hatte im Wahlkampf unter anderem weitreichende sozialpolitische Maßnahmen und eine stärkere öffentliche Kontrolle über den Wohnungsmarkt gefordert.

Nun muss sie mit zwei Parteien verhandeln, die bei mehreren Fragen andere Vorstellungen vertreten.

Besonders schwierig dürfte die Finanzierung der politischen Vorhaben werden.

Berlin steht unter erheblichem Haushaltsdruck. Neue Ausgaben müssen mit den vorhandenen Einnahmen und gesetzlichen Vorgaben vereinbart werden.

Damit geraten manche Wahlversprechen bereits vor der Regierungsbildung unter Finanzierungsvorbehalt.

Streitpunkt Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen

Eines der umstrittensten Vorhaben betrifft die Berliner Wohnungspolitik.

Die Linke setzt sich seit Jahren dafür ein, große private Wohnungsbestände in öffentliches Eigentum zu überführen.

Hintergrund sind hohe Mieten und die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt.

Befürworter erhoffen sich dadurch größeren Einfluss auf die Mietentwicklung und eine stärkere gemeinwohlorientierte Verwaltung von Wohnungen.

Kritiker warnen dagegen vor hohen finanziellen Belastungen und rechtlichen Unsicherheiten. Sie bezweifeln außerdem, dass eine Vergesellschaftung zusätzliche Wohnungen schafft.

Die SPD steht weitreichenden Eingriffen in das Eigentum privater Wohnungsunternehmen zurückhaltender gegenüber.

Deshalb ist die Frage, welche Maßnahmen tatsächlich Bestandteil eines Koalitionsvertrags werden, noch offen.

Auch die Finanzierung eines möglichen Vergesellschaftungsmodells müsste geklärt werden.

Die Berliner SPD kämpft um ihren Einfluss

Für die Sozialdemokraten sind die Verhandlungen besonders heikel.

Nach dem historischen Stimmenverlust bei der Abgeordnetenhauswahl ist die SPD nur noch die kleinste der drei möglichen Regierungsfraktionen.

Damit verfügt sie über erheblich weniger Verhandlungsmacht als in früheren Landesregierungen.

Fraktionschef Steffen Krach steht vor der Aufgabe, sozialdemokratische Positionen sichtbar zu vertreten und zugleich eine tragfähige Zusammenarbeit mit Linken und Grünen zu ermöglichen.

Dazu gehören Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung, der öffentlichen Sicherheit und der Funktionsfähigkeit der Berliner Verwaltung.

Die SPD hat bereits beschlossen, ihre Mitglieder über einen ausgehandelten Koalitionsvertrag abstimmen zu lassen.

Damit entscheidet nicht allein die Parteiführung über einen möglichen Regierungseintritt.

Auch die Parteibasis muss am Ende zustimmen.

Antisemitismus-Debatte bleibt ein Belastungsfaktor

Schon in den Sondierungsgesprächen hatte es erhebliche Spannungen gegeben.

Im Mittelpunkt standen unter anderem Vorwürfe und unterschiedliche Positionen zum Umgang mit Antisemitismus und dem Nahostkonflikt.

SPD und Grüne hatten zeitweise Gespräche unterbrochen.

Anschließend verständigten sich die Parteien auf gemeinsame Grundsätze zum Schutz jüdischen Lebens und zur Zusammenarbeit innerhalb einer möglichen Koalition.

Damit konnten die Gespräche fortgesetzt werden.

Ob die Vereinbarungen auch in einer späteren Landesregierung tragfähig sind, wird sich erst zeigen.

Der Konflikt verdeutlicht, dass die Verhandlungen nicht nur von finanziellen und wohnungspolitischen Fragen geprägt sein werden.

Auch grundsätzliche politische Positionen müssen miteinander vereinbart werden.

Die Haushaltslage könnte zur größten Hürde werden

Bei der Aufnahme der Koalitionsgespräche liegt die entscheidende Schwierigkeit möglicherweise weniger in einzelnen Personalfragen als in der Finanzlage Berlins.

Viele politische Vorhaben kosten Geld.

Das betrifft den Wohnungsbau ebenso wie die Bildung, den öffentlichen Nahverkehr und die soziale Infrastruktur.

Gleichzeitig sind die Spielräume des Landeshaushalts begrenzt.

Die Parteien müssen deshalb entscheiden, welche Vorhaben Vorrang erhalten und welche finanziell zurückgestellt werden.

Gerade für die Linke dürfte diese Debatte schwierig werden, weil sie sich im Wahlkampf gegen soziale Kürzungen ausgesprochen hatte.

Sollten zusätzliche Einsparungen notwendig sein, könnte das bereits während der Koalitionsverhandlungen für Konflikte sorgen.

Für Berlin beginnt damit eine politisch entscheidende Phase. Ob Linke, Grüne und SPD eine gemeinsame Regierung bilden können, wird nicht allein von ihren programmatischen Gemeinsamkeiten abhängen, sondern auch von ihrer Bereitschaft, schwierige Kompromisse zu schließen.

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