Ein Insekt, das früher vor allem mit Südeuropa verbunden wurde, wird in Berlin zunehmend zum normalen Stadtbewohner. Die Europäische Gottesanbeterin ist inzwischen in allen zwölf Bezirken nachgewiesen worden. Der Naturschutzbund registriert in diesem Sommer besonders viele Beobachtungen.
Allein in der letzten Juliwoche wurden bundesweit mehr als 2.000 Sichtungen über die Plattform NABU-naturgucker gemeldet. 166 davon kamen aus Berlin.
Erste Berliner Populationen schon vor Jahrzehnten
Völlig neu ist die Art in der Hauptstadt nicht.
Bereits in den 1980er-Jahren wurden auf dem Schöneberger Südgelände Gottesanbeterinnen beobachtet. Lange blieben solche Vorkommen jedoch lokal begrenzt.
Inzwischen hat sich das Bild deutlich verändert.
Wärmere Temperaturen erleichtern Ausbreitung
Die Gottesanbeterin bevorzugt warme, trockene Lebensräume.
Steigende Durchschnittstemperaturen und längere warme Sommer schaffen deshalb auch in Berlin günstigere Bedingungen.
Damit wird die Entwicklung zugleich zu einem sichtbaren Beispiel dafür, wie sich die Tierwelt einer Stadt unter veränderten klimatischen Bedingungen verschieben kann.
Tiere sind streng geschützt
Die Gottesanbeterin darf nicht gefangen oder getötet werden.
Menschen, die ein Tier entdecken, sollen es möglichst dort lassen oder – falls es sich in ein Gebäude verirrt hat – vorsichtig ins Freie setzen.
Der NABU bittet zudem um Meldungen mit Foto und Fundort. Dadurch lässt sich die weitere Verbreitung wissenschaftlich dokumentieren.
Paarungszeit beginnt
Im Spätsommer werden die Tiere besonders aktiv.
Sie suchen Nahrung und Partner. Dadurch steigt zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass Berliner die auffälligen grünen oder braunen Insekten auf Balkonen, Hauswänden oder in Gärten entdecken.
Für Berlin ist die Gottesanbeterin damit vom exotischen Ausnahmefund zu einem bemerkenswerten neuen Bestandteil der städtischen Natur geworden.
Quellen
Naturschutzbund Deutschland: Aktuelle Beobachtungen der Europäischen Gottesanbeterin
Deutsche Presse-Agentur: Gottesanbeterin breitet sich in Berlin aus, 7. August 2026