Die Berliner Polizei hat am heutigen Sonntag mehrere gravierende Einsätze aus unterschiedlichen Teilen der Hauptstadt bekannt gegeben. In Altglienicke wurde ein 29-Jähriger nach einer Auseinandersetzung von einem Auto erfasst und schwer verletzt. In einem Hotel in Mitte setzte ein Polizist ein Distanzelektroimpulsgerät gegen einen angreifenden Gast ein. In Lichtenrade starb eine 56-jährige Frau bei einem Küchenbrand. Die Fälle stehen nach bisherigem Kenntnisstand in keinem Zusammenhang.

Die drei Ereignisse ereigneten sich innerhalb weniger Stunden zwischen Samstagabend und Sonntagmorgen. Sie zeigen unterschiedliche Einsatzlagen – von schwerer Gewalt über einen Angriff auf Polizeikräfte bis hin zu einem tödlichen Feuer.

Streit in Altglienicke eskaliert mit Hammer und Auto

Der schwerste Gewaltfall ereignete sich nach Angaben der Polizei in Altglienicke. Gegen 23.45 Uhr gerieten im Kirschweg ein 29- und ein 22-Jähriger mit einer etwa vierköpfigen Gruppe in Streit. Im weiteren Verlauf sollen mehrere Personen auf die beiden Männer eingeschlagen und eingetreten haben.

Nachdem sich die Gruppe zunächst zurückgezogen hatte, soll ein 47-Jähriger mit einem Hammer zurückgekehrt sein und erneut auf die beiden Männer eingeschlagen haben. Der 29-Jährige ging dabei zu Boden, konnte anschließend jedoch wieder aufstehen.

Damit war die Auseinandersetzung offenbar noch nicht beendet. Nach den bisherigen Ermittlungen soll sich der 47-Jährige anschließend in das Auto gesetzt haben, mit dem der 29-Jährige zuvor unterwegs gewesen war.

Der Mann soll mit dem Fahrzeug über den Gehweg direkt auf die beiden Kontrahenten zugefahren sein. Der 29-Jährige wurde frontal erfasst, prallte auf Motorhaube und Frontscheibe und wurde anschließend über einen Gartenzaun auf ein Grundstück geschleudert.

Er musste schwer verletzt stationär in einem Krankenhaus behandelt werden. Der 22-Jährige erlitt Verletzungen am Bein und kam zur ambulanten Behandlung in eine Klinik.

Drei Tatverdächtige standen laut Polizei unter Alkoholeinfluss

Die Polizei konnte durch Ermittlungen und Zeugenaussagen drei Tatverdächtige im Alter von 47, 42 und 39 Jahren identifizieren.

Bei allen drei Männern fielen freiwillige Atemalkoholtests positiv aus. Der 47-Jährige besitzt laut Polizei zudem keine gültige Fahrerlaubnis.

Die beiden jüngeren Tatverdächtigen wurden nach Blutentnahmen und erkennungsdienstlichen Maßnahmen zunächst wieder entlassen. Der 47-Jährige wurde dem Kriminalermittlungsdienst der Polizeidirektion 3 übergeben. Die Ermittlungen dauern an.

Hotelgast greift Polizisten in Mitte an

Nur wenige Stunden später kam es in Berlin-Mitte zu einer völlig anderen Einsatzlage.

Gegen 4 Uhr wurde die Polizei zu einem Hotel in der Köpenicker Straße gerufen. Ein 31-jähriger Gast soll dort missbräuchlich eine Brandmeldeanlage ausgelöst haben.

Als Einsatzkräfte den nach Polizeiangaben verhaltensauffälligen Mann zur Feststellung seiner Identität in Richtung seines Zimmers begleiteten, geriet dieser nach dem Betreten eines Fahrstuhls augenscheinlich in Panik.

Der 31-Jährige soll daraufhin die Polizisten angegriffen und Widerstand geleistet haben. Zunächst versuchten die Beamten, den Widerstand mit körperlicher Gewalt zu beenden. Als dies nicht gelang, setzte ein Polizist ein Distanzelektroimpulsgerät ein. Danach konnte der Mann festgenommen werden.

Verdacht auf Medikamente oder Betäubungsmittel

Ein Atemalkoholtest ergab bei dem Mann lediglich 0,1 Promille. Gleichzeitig bestand nach Angaben der Polizei der Verdacht, dass er unter dem Einfluss von Medikamenten oder Betäubungsmitteln stehen könnte.

Durch den DEIG-Einsatz erlitt der Mann Rötungen am unteren Rücken. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Nach ärztlicher Behandlung und einer von der Staatsanwaltschaft angeordneten Blutentnahme wurde er dort in einer psychiatrischen Fachstation aufgenommen.

Ermittelt wird wegen des Verdachts des Missbrauchs von Notrufen sowie wegen tätlichen Angriffs auf und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

56-Jährige stirbt bei Brand in Lichtenrade

Bereits gegen 22.50 Uhr hatten Anwohner in Lichtenrade Feuerwehr und Polizei alarmiert. In einer Doppelhaushälfte am Heinitzweg war ein Feuer ausgebrochen.

Die Feuerwehr lokalisierte den Brand in der Küche und löschte die Flammen. Während des Einsatzes fanden die Einsatzkräfte die 56-jährige Bewohnerin leblos im Gebäude.

Rettungskräfte versuchten noch, die Frau wiederzubeleben. Die Reanimationsmaßnahmen blieben jedoch erfolglos. Weitere Menschen wurden bei dem Brand nicht verletzt.

Während der Löscharbeiten war der Heinitzweg zwischen Buckower Chaussee und Mariendorfer Damm gesperrt. Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr gab es nach Polizeiangaben nicht.

Landeskriminalamt untersucht Brandursache

Wie das Feuer entstanden ist, steht bislang nicht fest. Ein Brandkommissariat des Berliner Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen.

Die Polizei führt das Verfahren derzeit wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung. Das bedeutet noch nicht, dass bereits feststeht, dass tatsächlich ein strafbares Verhalten den Brand verursacht hat.

Drei schwere Fälle – aber keine Grundlage für eine „Gewaltwelle“

Die drei am Sonntag veröffentlichten Fälle gehören zu den gravierenderen Berliner Einsatzmeldungen des Tages. Sie ereigneten sich jedoch an unterschiedlichen Orten, haben unterschiedliche Hintergründe und stehen nach aktuellem Kenntnisstand nicht miteinander in Verbindung.

Aus diesen einzelnen Vorfällen lässt sich deshalb keine seriöse Aussage darüber ableiten, ob Gewalt oder schwere Einsatzlagen in Berlin insgesamt zugenommen haben.

Auffällig ist dennoch die Bandbreite innerhalb weniger Stunden: Während in Altglienicke wegen einer eskalierten Auseinandersetzung mit mehreren Tatverdächtigen ermittelt wird, mussten Polizisten in Mitte einen tätlichen Angriff beenden. In Lichtenrade untersucht das Landeskriminalamt dagegen einen tödlichen Brand.

Quellen

Polizei Berlin