Berlin konzentriert die Entwicklung des Flughafengebäudes Tempelhof zunächst auf technische Sicherung, Statik und Betriebsfähigkeit. Der neue Fortschrittsbericht beschreibt einen erheblichen Investitionsstau, während Sanierung, öffentliche Nutzung und Unterbringung von Geflüchteten parallel fortgeführt werden.

Der Bericht umfasst den Zeitraum von Juni 2025 bis Mai 2026 und wird dem Abgeordnetenhaus vorgelegt. Das Land will das Baudenkmal schrittweise sanieren und langfristig wirtschaftlich tragfähig nutzen, ohne öffentliche und kulturelle Belange auszublenden.

Jahrzehnte des Provisoriums wirken nach

Das Areal umfasst 55 Hektar und rund 300.000 Quadratmeter Geschossfläche. Nach Angaben des Senats wurde das mehr als 80 Jahre alte Gebäude über lange Zeit ohne konsistente bau- und genehmigungsrechtliche Grundlage für wechselnde Zwecke genutzt.

Eine systematische Gesamtsanierung fand bislang nicht statt. Der Investitionsstau betrifft vor allem technische Infrastruktur, Brandschutz, Statik sowie Dach- und Betonkonstruktionen.

Wegen begrenzter Haushaltsmittel hat die Tempelhof Projekt GmbH ihre Vorhaben priorisiert. Zuerst sollen grundlegende technische und statische Strukturen gesichert und der laufende Betrieb erhalten werden.

Technische Infrastruktur 2030 bildet Rückgrat

Das Projekt Technische Infrastruktur 2030 ist die Voraussetzung für weitere größere Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen. Parallel laufen Arbeiten an Dächern und Betondecken, am Stahltragwerk und am Brandschutz.

Seit 2025 entwickelt die Projektgesellschaft außerdem ein umfassendes Entwicklungskonzept, ein Standortprofil und darauf aufbauende Nutzungsleitlinien. Zusätzliche Einnahmen sollen durch die Reaktivierung bislang ungenutzter Flächen entstehen, zunächst vor allem mit temporären Nutzungen und begrenztem baulichem Aufwand.

Der Standort bleibt zugleich ein wichtiger Ort für Veranstaltungen und Führungen. Mehr als 2.200 Gebäudeführungen sowie Kultur-, Kunst- und Sportformate zogen 2025 nach Senatsangaben über 125.000 Gäste an.

Seit 2015 dient Tempelhof außerdem der Unterbringung von Geflüchteten. Derzeit stehen dort bis 2028 rund 2.700 Plätze zur Verfügung, die bei Planung und Betrieb berücksichtigt werden müssen.

Der Fortschrittsbericht löst die langfristige Finanzierungsfrage nicht. Er legt aber fest, dass technische Sicherheit und Betriebsfähigkeit Vorrang haben, während Nutzungskonzepte und Kooperationen schrittweise weiterentwickelt werden.

Tempelhof bleibt deshalb auf absehbare Zeit zugleich Baustelle, Veranstaltungsort und soziale Infrastruktur. Jede größere Veränderung muss den laufenden Betrieb berücksichtigen. Die schrittweise Vorgehensweise verringert technische Risiken, verlängert aber den Zeitraum bis zu einer umfassenden Nutzung. Entscheidend wird sein, ob zusätzliche Finanzierungs- und Kooperationsmodelle dauerhaft tragfähig sind. Die zuständigen Stellen müssen Fortschritt, Kosten und Wirkung transparent dokumentieren, damit politische Entscheidungen und praktische Folgen nachvollziehbar bleiben. Dazu gehört auch eine verständliche Information der Berliner Öffentlichkeit über erreichte Schritte und weiterhin offene Fragen.

Quellen

Presse- und Informationsamt des Landes Berlin: Fortschrittsbericht zur Entwicklung des Flughafengebäudes Tempelhof, 11. August 2026