Die Czechoslovak Group hat den 57 Hektar großen Industriestandort Gnaschwitz bei Bautzen vom bisherigen Eigentümer Maxam übernommen. Der Konzern plant Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro und bis zu 125 neue Arbeitsplätze, während die AfD gegen die künftige Munitionsproduktion mobilisiert.

CSG investiert mehr als 100 Millionen Euro

Die deutsche CSG-Tochter CSG Energetic Materials Germany GmbH hat den traditionsreichen Standort übernommen. In einer ersten Entwicklungsphase will der Konzern dort mehr als 100 Millionen Euro investieren.

CSG plant neue Produktionskapazitäten für Nitroglycerin und nitroglycerinbasierte Stoffe. Parallel bereitet das Unternehmen die Herstellung von Munition und Munitionskomponenten vor. Bis zu 125 zusätzliche Arbeitsplätze sollen entstehen.

AfD bringt mehr als 100 Menschen auf die Straße

Gegen diese Pläne demonstrierten am 7. August mehr als 100 Menschen in Gnaschwitz. Die Polizei bestätigte die Teilnehmerzahl. Unter den Demonstranten befanden sich nach Angaben des MDR auch Anwohner aus der Region.

Zu der Kundgebung hatte der Bautzener AfD-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Frank Peschel aufgerufen. Auch der sächsische AfD-Landesvorsitzende Jörg Urban sprach bei der Demonstration.

Peschel warnt vor Anschlagsgefahr

Peschel begründet seinen Widerstand unter anderem mit Sicherheitsbedenken. Er befürchtet, dass ein Standort der Rüstungsindustrie die Region zu einem möglichen Anschlagsziel machen könnte. Die Munitionsproduktion im Bautzener Oberland lehnt er nach eigenen Angaben grundsätzlich ab.

Der AfD-Politiker kritisiert zudem die aus seiner Sicht zunehmende Militarisierung Deutschlands. Seine Behauptung, am Standort entstünden keine nachhaltigen Arbeitsplätze und die Produktion gefährde die Region, ist eine politische Bewertung der AfD und keine bestätigte Einschätzung des Investors oder der Sicherheitsbehörden.

Standort produziert seit mehr als 150 Jahren

Gnaschwitz verfügt bereits über eine lange Geschichte bei der Herstellung energetischer Materialien. Die industrielle Nutzung reicht nach Angaben von CSG bis ins Jahr 1874 zurück.

Der Konzern sieht den Standort deshalb als wichtigen Baustein seiner europäischen Lieferkette. Neben Nitroglycerin nennt CSG für einen späteren Ausbau unter anderem Mittelkalibermunition, Panzermunition und 120-Millimeter-Mörsermunition als mögliche Produktionsbereiche.

Damit entsteht im Landkreis Bautzen ein ungewöhnlicher wirtschaftspolitischer Konflikt: Ein internationaler Konzern verspricht eine Investition von mehr als 100 Millionen Euro und neue Industriearbeitsplätze, während die regional starke AfD ausgerechnet gegen den Ausbau der Rüstungsindustrie mobilisiert.

Quelle: Czechoslovak Group; AfD Sachsen; Polizei Sachsen; MDR Sachsen