Für den Industriestandort in der Oberlausitz zeichnet sich eine der größten Investitionen der vergangenen Jahre ab. Ein international tätiger Rüstungskonzern will die vorhandenen Anlagen modernisieren, neue Produktionskapazitäten aufbauen und langfristig weitere Projekte ansiedeln.
Die tschechische Czechoslovak Group, kurz CSG, hat über ihre deutsche Tochtergesellschaft CSG Energetic Materials Germany GmbH das Industriegelände Gnaschwitz bei Bautzen übernommen.
Verkäufer ist der bisherige Betreiber Maxam. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. In der ersten Phase der Standortentwicklung will CSG nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Euro investieren.
Bis zu 125 neue Arbeitsplätze geplant
Nach Abschluss der vorgesehenen Projekte sollen am Standort bis zu 125 neue Arbeitsplätze entstehen. Noch offen ist, in welchem Zeitraum die Stellen geschaffen und wann die neuen Anlagen vollständig in Betrieb genommen werden.
Das übernommene Areal umfasst rund 57 Hektar. Die bestehende industrielle Infrastruktur soll eine Grundlage für den schrittweisen Ausbau der Produktion bieten.
CSG bezeichnet die Übernahme als langfristiges Bekenntnis zur deutschen und europäischen Verteidigungsindustrie. Das Unternehmen will seine Lieferketten stärker kontrollieren und die Abhängigkeit von externen Zulieferern bei strategisch wichtigen Ausgangsstoffen verringern.
Nitroglycerin für verschiedene Munitionsarten
Im Mittelpunkt der ersten Investitionsphase steht der Aufbau moderner Kapazitäten zur Produktion von Nitroglycerin und weiteren Erzeugnissen auf Nitroglycerinbasis.
Diese energetischen Stoffe werden unter anderem zur Herstellung zwei- und dreibasiger Treibmittel benötigt. Sie kommen als Treibladungen für klein-, mittel- und großkalibrige Munition zum Einsatz.
Die Produkte aus Gnaschwitz sollen sowohl an Unternehmen innerhalb der CSG-Gruppe als auch an externe Kunden geliefert werden. Parallel bereitet der Konzern die Herstellung von Munition und einzelnen Munitionskomponenten vor.
Weitere Produktionserweiterungen möglich
Auch nach den zunächst geplanten Investitionen verfügt das Gelände nach Einschätzung von CSG über ausreichende Flächen und Kapazitäten für zusätzliche Vorhaben.
Als mögliche spätere Projekte nennt der Konzern die Montage mittelkalibriger Munition, Panzermunition und 120-Millimeter-Mörsermunition. Daneben könnten weitere Komponenten für die Verteidigungsindustrie hergestellt werden.
Damit könnte sich Gnaschwitz von einem traditionsreichen Sprengstoffstandort zu einem bedeutenden Baustein in der europäischen Munitionsproduktion entwickeln.
Standort blickt auf mehr als 150 Jahre Industriegeschichte zurück
Die Produktion energetischer Materialien in Gnaschwitz reicht bis ins Jahr 1874 zurück. CSG will diese mehr als 150-jährige industrielle Tradition fortführen und zugleich in moderne Anlagen investieren.
Die Übernahme ist bereits die zweite strategische Investition des Konzerns in Deutschland. Zuvor hatte CSG den Standort MSM Walsrode in Niedersachsen erworben. Dort erweitert das Unternehmen die Produktion industrieller Nitrocellulose um energetische Nitrocellulose für die Munitionsherstellung.
Beide Standorte sollen künftig das deutsche Produktionsnetz des Konzerns für energetische Materialien bilden.
Rüstungsnachfrage treibt Investitionen an
CSG begründet das Vorhaben mit der stark gestiegenen Nachfrage nach Munition und energetischen Materialien in Deutschland und Europa.
Jan Marinov, Geschäftsführer von CSG Defence Systems, erklärte, die europäische Verteidigungsindustrie benötige neben größeren Produktionskapazitäten auch eine verlässliche Versorgung mit strategischen Ausgangsstoffen. Der Standort Gnaschwitz solle dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit der europäischen Rüstungsindustrie zu stärken.
Für den Landkreis Bautzen bedeutet die Übernahme neben neuen Arbeitsplätzen auch die Aussicht auf langfristige industrielle Wertschöpfung. Zugleich dürfte die geplante Munitionsproduktion in den kommenden Jahren Gegenstand politischer, sicherheitsrechtlicher und umweltbezogener Genehmigungsverfahren bleiben.
Quellen
Czechoslovak Group: Mitteilung zur Übernahme des Industriegeländes Gnaschwitz und zur geplanten Investition, 4. August 2026.