Der traditionelle Jahresempfang der Hansestadt Anklam fällt aus. Die Stadtvertretung hat einen Zuschuss von mehr als 4.000 Euro abgelehnt. Mit dem Empfang entfallen nach dem derzeitigen Stand auch die vorgesehenen Ehrungen von Bürgern, die sich um die Stadt verdient gemacht haben.

Die Entscheidung zeigt, wie deutlich die angespannte Haushaltslage inzwischen in das öffentliche und gesellschaftliche Leben der Stadt eingreift. Betroffen ist nicht nur eine repräsentative Veranstaltung, sondern auch die öffentliche Würdigung ehrenamtlichen und bürgerschaftlichen Engagements.

Mehrheit lehnt Zuschuss ab

Nach Angaben des NDR beziehungsweise der Tagesschau stimmten die Stadtvertreter gegen die Bereitstellung von mehr als 4.000 Euro für den Jahresempfang. Ohne diesen Zuschuss kann die Veranstaltung in der bislang vorgesehenen Form nicht stattfinden.

Der Jahresempfang sollte der Stadt Gelegenheit geben, auf das vergangene Jahr zurückzublicken, aktuelle Vorhaben vorzustellen und mit Vertretern aus Vereinen, Wirtschaft, Politik und Bürgerschaft ins Gespräch zu kommen.

Bürgerehrungen fallen ebenfalls weg

Besonders bedauerlich ist für viele Beteiligte, dass damit auch die geplante Ehrung verdienter Bürger entfällt. Solche Auszeichnungen machen sichtbar, wie viel Arbeit in Vereinen, Nachbarschaften, sozialen Einrichtungen und kulturellen Initiativen häufig ehrenamtlich geleistet wird.

Ob die Ehrungen zu einem späteren Zeitpunkt oder in einem anderen Rahmen nachgeholt werden, wurde bislang nicht öffentlich bestätigt.

Einsparung mit großer Symbolwirkung

Gemessen am gesamten Stadthaushalt erscheint eine Summe von etwas mehr als 4.000 Euro überschaubar. Politisch besitzt die Entscheidung dennoch erhebliche Symbolkraft.

Befürworter der Streichung können darauf verweisen, dass eine Stadt unter finanziellem Druck auch bei repräsentativen Veranstaltungen sparen muss. Kritiker dürften dagegen fragen, ob gerade die Würdigung ehrenamtlicher Arbeit dem Rotstift zum Opfer fallen sollte.

Anklam steht unter starkem Spardruck

Die Absage reiht sich in eine breitere Debatte über die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt ein. Freiwillige Leistungen, Veranstaltungen und zusätzliche Angebote geraten besonders schnell unter Druck, weil Pflichtaufgaben weiterhin erfüllt werden müssen.

Damit wächst die Gefahr, dass Einsparungen vor allem jene Bereiche treffen, die das gesellschaftliche Leben zusammenhalten, aber rechtlich nicht zwingend vorgeschrieben sind.

Neue Form der Ehrung wäre denkbar

Auch ohne klassischen Empfang könnte die Stadt nach einer kostengünstigeren Möglichkeit suchen, verdiente Bürger öffentlich zu würdigen. Denkbar wären Ehrungen während einer Stadtvertretersitzung, beim Hansefest oder bei einer kleineren Veranstaltung im Rathaus.

Eine solche Lösung würde zwar den Jahresempfang nicht ersetzen, könnte aber verhindern, dass das Engagement der vorgesehenen Preisträger vollständig unbeachtet bleibt.

Entscheidung dürfte weiter diskutiert werden

Die Stadtvertretung hat mit ihrer Entscheidung ein deutliches Sparsignal gesetzt. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, ob der finanzielle Nutzen im Verhältnis zum gesellschaftlichen Verlust steht.

Für Anklam wird entscheidend sein, ob es gelingt, trotz knapper Kassen Anerkennung, Ehrenamt und gesellschaftlichen Zusammenhalt sichtbar zu halten.