Wer durch die malerische Altstadt von Altenburg im Osten Thüringens (Bundesland: Thüringen, Landkreis Altenburger Land) blickt, stößt auf Schritt und Tritt auf Eichel, Grün, Rot und Schellen. Die einst prächtige thüringische Residenzstadt trägt stolz den offiziellen Titel „Skatstadt“.

Hier schlug zwischen 1810 und 1815 die Geburtsstunde eines Kartenspiels, das wie kein zweites zur deutschen Spielkultur gehört. Aus einer geselligen Abendrunde lokaler Honoratioren erwuchs ein weltweiter Siegeszug, der Altenburg zum Zentrum der internationalen Spielkartenherstellung machte.

Inhaltsübersicht

  1. Die Erfindung von 1813: Wie aus „Schafkopf“ das Skatspiel wurde

  2. Buben, Damen, Könige: Das Altenburger Blatt und die Druckkunst

  3. Das Deutsche Skatgericht: Die höchste Instanz für Kartenspieler

  4. Vom VEB Altenburger Spielkarten zur globalen Marke

  5. Ortspunkt Altenburg: Wo du die Welt der Karten hautnah erlebst

  6. Leser-Aufruf: Mischest du noch selbst die Altenburger Karten?

Die Erfindung von 1813: Wie aus „Schafkopf“ das Skatspiel wurde

Die Geburtsstunde des Skats schlug in den Studierzimmern und Gaststuben Altenburgs. Der Geheimrat und Sprachforscher Hans Carl Leopold von der Gabelentz traf sich ab 1810 regelmäßig mit befreundeten Bürgern zu intellektuellen Spielabenden.

Sie kombinierten Elemente bekannter Kartenspiele wie dem thüringischen Schafkopf, dem italienischen Tarock und dem französischen Hombre. Sie reduzierten das Blatt auf 32 Karten, machten die vier Wenzel (Buben) zu den höchsten Trümpfen und erfanden das legendäre Reizen um die zwei verdeckten Karten – den Skat (abgeleitet vom italienischen scatare = ablegen). Am 4. September 1813 wurde das Wort „Skat“ erstmals offiziell im Spieljournal der Runde niedergeschrieben.

Buben, Damen, Könige: Das Altenburger Blatt und die Druckkunst

Mit dem Siegeszug des Spiels wuchs in Altenburg eine spezialisierte Druckindustrie. Drucker und Formschneider perfektionierten den Holzschnitt-, Lithografie- und Kupferdruck für Spielkarten.

So entstanden das Deutsche Bild (Eichel, Laub, Herz, Schellen) und das Französische Bild (Kreuz, Pik, Herz, Karo). Die charakteristischen Illustrationen des Altenburger Blattes mit ihren ausdrucksstarken Figuren, regionalen Trachten und historischen Rüstungen wurden zum Qualitätsstandard für Generationen von Spielern.

Das Deutsche Skatgericht: Die höchste Instanz für Kartenspieler

Da sich das Skatspiel rasch im ganzen Land verbreitete, entstanden unzählige regionale Regelvarianten. Um Ordnung im Spielgeschehen zu schaffen, wurde 1886 in Altenburg der 1. Deutsche Skatkongress abgehalten.

Seit 1927 ist Altenburg der Sitz des Deutschen Skatgerichts. Diese Schiedsstelle des Deutschen Skatverbandes (DSKV) und der International Skat Players Association (ISPA) entscheidet bis heute offiziell bei strittigen Regelfragen und kniffligen Spielsituationen von Vereinen und Meisterschaften.

Vom VEB Altenburger Spielkarten zur globalen Marke

Nach der Enteignung wurde der Betrieb als VEB Altenburger Spielkartenfabrik weitergeführt. In der DDR-Zeit war die Fabrik der alleinige Produzent von Spielkarten für den Binnenmarkt und exportierte Millionen Quartette, Rommé- und Skatdecks in den gesamten Ostblock.

Nach 1990 wandelte sich der Betrieb erfolgreich. Heute gehört die Spielkartenfabrik Altenburg GmbH zur internationalen Cartamundi-Gruppe und fertigt am Standort Altenburg nicht nur klassische Kartendecks, sondern auch moderne Gesellschaftsspiele, Sammelkarten und Brettspiele für den Weltmarkt.

Ortspunkt Altenburg: Wo du die Welt der Karten hautnah erlebst

Wer auf den Spuren der Buben und Könige in Altenburg (Bundesland: Thüringen) reisen möchte, findet einzigartige Kulturziele:

  • Deutsches Spielkartenmuseum im Residenzschloss Altenburg: Eine weltweit führende Spezialsammlung mit kostbaren historischen Spielkarten aus fünf Jahrhunderten, alten Druckmaschinen und interaktiven Spielstationen.

  • Skatbrunnen Altenburg: Das weltweit einzige Denkmal für ein Kartenspiel. Eine bronzene Brunnenskulptur zeigt die vier Buben, die um die Vorherrschaft kämpfen. Tradition besagt: Wer seine Skatkarten im Wasser des Brunnens tauft, hat beim nächsten Spiel das Glück auf seiner Seite!

Leser-Aufruf: Mischest du noch selbst die Altenburger Karten?

Spielst du regelmäßig Skat in der Runde, bevorzugst du das deutsche oder französische Blatt oder hast du das Spielkartenmuseum im Altenburger Schloss besucht?

Schickt uns eure Fotos und Geschichten per E-Mail an redaktion@ostdeutsche-zeitung.de!