Sachsens Mittelstand steht vor einem tiefgreifenden Generationswechsel. Zwischen 2026 und 2030 sollen nach aktuellen Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn rund 7.400 Unternehmen im Freistaat zur Übergabe anstehen. Gleichzeitig warnt das sächsische Wirtschaftsministerium davor, dass durch die demografische Entwicklung immer weniger potenzielle Nachfolger zur Verfügung stehen.

Rund vier Unternehmensübergaben pro Tag

Das Problem betrifft nicht nur einzelne Branchen oder Regionen.

Ein vom sächsischen Wirtschaftsministerium veröffentlichtes Gutachten geht davon aus, dass bis 2030 jährlich rund 1.500 Unternehmen vor einer Übergabe stehen. Rechnerisch entspricht das ungefähr vier Unternehmensnachfolgen an jedem Tag.

Bereits für den Zeitraum 2026 bis 2030 beziffert eine aktuelle Schätzung die Zahl der anstehenden Übergaben auf rund 7.400 Unternehmen.

Hinter diesen Zahlen stehen vielfach kleine und mittlere Betriebe, deren Eigentümer nach Jahrzehnten aus Altersgründen ausscheiden.

Die Gründergeneration der Wendezeit geht in Rente

Der Generationswechsel hat in Sachsen auch eine besondere historische Dimension.

Das Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung zahlreiche Unternehmer der Gründergeneration aus den frühen 1990er-Jahren inzwischen das Ruhestandsalter erreichen.

Viele dieser Betriebe entstanden unmittelbar nach der politischen und wirtschaftlichen Wende und haben sich seitdem zu einem festen Bestandteil der regionalen Wirtschaftsstruktur entwickelt.

Schon 2025 wies der Freistaat darauf hin, dass etwa jeder dritte Firmenchef in Sachsen älter als 60 Jahre sei und viele Unternehmen noch keine geregelte Nachfolge hätten.

Fehlende Nachfolger gefährden mehr als einzelne Firmen

Wirtschaftsminister Dirk Panter sieht die Unternehmensnachfolge deshalb als eine zentrale wirtschaftspolitische Aufgabe.

Nach seiner Einschätzung verändert die demografische Entwicklung die Unternehmerlandschaft, weil immer weniger mögliche Nachfolger zur Verfügung stehen. Erfolgreiche Übergaben sicherten dagegen Arbeitsplätze, Wohlstand und Wertschöpfung unmittelbar in den Kommunen.

Das Problem reicht damit weit über den einzelnen Firmeninhaber hinaus.

Findet ein wirtschaftlich gesunder Betrieb keinen Käufer oder familieninternen Nachfolger, können Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, Lieferbeziehungen und über Jahrzehnte aufgebautes Fachwissen verloren gehen.

Gerade in ländlichen Regionen kann die Schließung eines Handwerks- oder Familienbetriebs zusätzlich die örtliche Versorgung schwächen.

Rund 130.000 Arbeitsplätze hängen an Nachfolgen

Wie groß die Dimension ist, zeigt ein älteres Gutachten des Wirtschaftsministeriums.

Danach suchen bis 2030 insgesamt rund 10.000 wirtschaftlich gesunde Unternehmen mit etwa 130.000 Arbeitsplätzen eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger.

Die aktuell für 2026 bis 2030 genannten 7.400 Übergaben beziehen sich auf einen engeren Zeitraum und stellen deshalb keinen Widerspruch zu dieser längerfristigen Betrachtung dar.

Für den Freistaat bedeutet der bevorstehende Wechsel dennoch: Ein erheblicher Teil der mittelständischen Struktur muss innerhalb weniger Jahre neue Eigentümer finden.

Sachsen setzt auf Beratung und Anreize

Der Freistaat versucht, Unternehmer und potenzielle Nachfolger frühzeitig zusammenzubringen.

Im Juni fanden erneut die „Sächsischen Aktionstage Unternehmensnachfolge“ statt. Gemeinsam mit Wirtschaftskammern wurden Beratungen und Workshops zu Finanzierung, Recht und Übergabestrategien angeboten.

Parallel läuft der Wettbewerb „Sächsischer Meilenstein 2026“, bei dem erfolgreiche Unternehmensnachfolgen ausgezeichnet werden. Die Preise werden in den Kategorien familieninterne, unternehmensinterne und externe Nachfolge vergeben.

Der Wettbewerb ist mit Preisgeldern von insgesamt 17.000 Euro verbunden, Bewerbungen sind noch bis 21. August möglich.

Der Mittelstand steht vor einer entscheidenden Phase

Die kommenden Jahre dürften darüber entscheiden, wie viel von der nach 1990 entstandenen Unternehmenslandschaft erhalten bleibt.

Sachsens Wirtschaft ist stark von kleinen und mittleren Betrieben geprägt. Gerade diese Struktur macht die Unternehmensnachfolge nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums besonders wichtig.

Nicht jedes Unternehmen ohne familieninternen Nachfolger muss schließen. Verkäufe an Mitarbeiter, andere Unternehmer oder externe Investoren können Betriebe ebenso erhalten.

Doch die Zahl der anstehenden Übergaben trifft auf eine schrumpfende Bevölkerung und damit auch auf eine kleinere Gruppe potenzieller Unternehmer.

Aus dem persönlichen Ruhestand Tausender Firmenchefs wird deshalb eine wirtschaftliche Strukturfrage für den gesamten Freistaat: Wer übernimmt die Unternehmen, die Sachsen in den vergangenen drei Jahrzehnten geprägt haben?

Quelle:

Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz; Medienservice Sachsen; Institut für Mittelstandsforschung Bonn.