Wirtschaft wuchs 2025 deutlich stärker als im Bund

Nach Angaben des Statistischen Amtes stieg das Bruttoinlandsprodukt Mecklenburg-Vorpommerns im Jahr 2025 preisbereinigt um 1,4 Prozent. Deutschland insgesamt erreichte lediglich ein Wachstum von 0,2 Prozent. Die Wirtschaftsleistung des Landes belief sich nominal auf 63,6 Milliarden Euro.

Seit 2020 wuchs die Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns nach Berechnungen des Landes preisbereinigt um insgesamt fünf Prozent. Bundesweit betrug das Plus im gleichen Zeitraum 4,6 Prozent.

Das ist ein Erfolg. Mecklenburg-Vorpommern entwickelte sich in mehreren schwierigen Jahren etwas besser als der Durchschnitt und vermied einen stärkeren Rückgang.

Die Unterschiede sind jedoch nicht so groß, dass daraus bereits ein grundlegender wirtschaftlicher Vorsprung abgeleitet werden könnte.

Statistische Revision beeinflusst das Ergebnis

Die Wachstumszahl für 2025 muss genau betrachtet werden. Das Statistische Amt weist darauf hin, dass sie durch eine Revision der Vorjahresdaten beeinflusst wurde.

Ohne diese Überarbeitung hätte das reale Wachstum 2025 lediglich 0,3 Prozent betragen.

Das bedeutet nicht, dass die veröffentlichte Zahl falsch ist. Statistische Revisionen sind üblich und sollen frühere Schätzungen verbessern.

Politisch sollte die Regierung das Ergebnis dennoch nicht größer darstellen, als es ist. Ein erheblicher Teil des gemeldeten Wachstums beruht auf einer veränderten statistischen Grundlage und nicht allein auf einem plötzlichen wirtschaftlichen Schub.

Außenhandel erreicht neuen Höchststand

Die Landesregierung nennt den Außenhandel als weiteren Erfolg ihrer Amtszeit.

Nach vorläufigen Angaben stieg das gesamte Außenhandelsvolumen Mecklenburg-Vorpommerns 2025 um rund 14 Prozent auf fast 21 Milliarden Euro. Das Land erzielte erneut einen Exportüberschuss.

Damit übertraf der grenzüberschreitende Warenverkehr offenbar die bisherigen Werte. Besonders die Lage an der Ostsee bietet Mecklenburg-Vorpommern gute Voraussetzungen für Handel, Häfen und internationale Unternehmensbeziehungen.

Die Landesregierung verweist zu Recht darauf, dass sowohl einheimische Unternehmen als auch ausländische Investoren zu diesem Ergebnis beigetragen haben.

Exportrekord folgt auf ein schwaches Jahr

Der Rekord sollte jedoch in den längerfristigen Verlauf eingeordnet werden.

Im Jahr 2024 exportierten Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern Waren im Wert von rund 9,2 Milliarden Euro. Das waren 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Das starke Ergebnis von 2025 ist damit teilweise eine Erholung nach einem deutlichen Rückgang.

Außenhandelszahlen können außerdem stark durch einzelne Großaufträge, Schiffe, Energieträger oder größere Industriebetriebe beeinflusst werden. Ein Rekordwert bedeutet nicht automatisch, dass alle Regionen und Branchen gleichermaßen profitieren.

Entscheidend ist, ob dauerhaft mehr Unternehmen exportieren und ob zusätzliche Wertschöpfung im Land bleibt.

Arbeitsmarkt zeigt sich vergleichsweise stabil

Auch auf dem Arbeitsmarkt gibt es positive Signale.

Im Juni 2026 waren in Mecklenburg-Vorpommern 61.900 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 1.700 weniger als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote sank innerhalb eines Jahres von 7,8 auf 7,6 Prozent.

In einer bundesweit schwierigen Konjunkturlage ist dieser Rückgang bemerkenswert. Die Landesregierung kann darauf verweisen, dass Mecklenburg-Vorpommern beim Beschäftigungsabbau bislang widerstandsfähiger war als manche stärker industrialisierte Region.

Tourismus, Gesundheitswirtschaft, öffentliche Dienstleistungen und Ernährungswirtschaft stabilisieren den Arbeitsmarkt.

Arbeitslosigkeit bleibt deutlich zu hoch

Eine Quote von 7,6 Prozent ist dennoch kein zufriedenstellendes Ergebnis.

Sie liegt weiterhin deutlich über den Werten vieler westdeutscher Länder. Zudem bestehen große regionale Unterschiede. Küstenstädte, Hochschulstandorte und touristisch starke Gebiete entwickeln sich anders als ländliche Regionen im Binnenland.

Hinzu kommt die saisonale Abhängigkeit vieler Beschäftigungsverhältnisse. Im Tourismus, Gastgewerbe und Bau schwankt der Personalbedarf über das Jahr stark.

Eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik muss deshalb mehr ganzjährige, tarifgebundene und produktive Arbeitsplätze schaffen.

Neue Arbeitsplätze allein sagen wenig über Qualität

Die Landesregierung wirbt mit zusätzlichen Arbeitsplätzen. Für eine vollständige Bilanz muss aber betrachtet werden, welche Stellen entstanden sind.

Entscheidend sind Löhne, Arbeitszeit, Tarifbindung, Qualifikation und Arbeitsplatzsicherheit.

Ein gering bezahlter Saisonarbeitsplatz trägt weniger zur langfristigen wirtschaftlichen Stärke bei als eine dauerhafte Stelle in Forschung, Industrie oder einem exportorientierten Mittelstandsunternehmen.

Mecklenburg-Vorpommern benötigt deshalb nicht nur Beschäftigung, sondern mehr Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung.

Gewerbeanmeldungen legen leicht zu

Im Jahr 2025 registrierten die Gewerbeämter des Landes 10.772 Gewerbeanmeldungen. Das waren 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Zahl zeigt, dass weiterhin Menschen Unternehmen gründen oder neue Betriebe anmelden.

Eine Gewerbeanmeldung ist jedoch noch kein Beweis für dauerhaftes Wachstum. Ein Teil der Unternehmen bleibt sehr klein, wird nebenberuflich geführt oder nach kurzer Zeit wieder aufgegeben.

Wichtiger wäre, wie viele dieser Betriebe nach drei oder fünf Jahren noch bestehen, Beschäftigte einstellen und investieren.

Förderpolitik löst Milliardeninvestitionen aus

Seit 1990 wurden über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ rund 4,6 Milliarden Euro an Zuschüssen für Unternehmen bewilligt.

Damit sollen Gesamtinvestitionen von etwa 21,2 Milliarden Euro angestoßen und knapp 100.500 neue Arbeitsplätze unterstützt worden sein. Stand April 2026 waren allein in der jüngeren Förderübersicht 242 gewerbliche Investitionsvorhaben erfasst.

Diese Zahlen zeigen, dass Wirtschaftsförderung Investitionen ermöglichen kann, die ohne Zuschüsse möglicherweise nicht erfolgt wären.

Sie zeigen zugleich, wie abhängig das Land weiterhin von staatlicher Unterstützung ist.

Erfolg darf nicht nur an Fördersummen gemessen werden

Hohe Förderbeträge sind kein Selbstzweck.

Entscheidend ist, ob die geförderten Unternehmen langfristig bestehen, tarifgerechte Löhne zahlen und zusätzliche Aufträge an regionale Firmen vergeben.

Förderung sollte besonders dann gewährt werden, wenn neue Technologien, Forschung und dauerhafte Wertschöpfung entstehen.

Problematisch wäre es, wenn Unternehmen nach Ablauf von Bindungsfristen Standorte verkleinern oder schließen und anschließend an anderer Stelle neue Subventionen verlangen.

Das Land muss deshalb stärker veröffentlichen, welche langfristigen Ergebnisse die einzelnen Programme erreichen.

Öffentliche Investitionen bleiben hoch

Der Doppelhaushalt für 2026 und 2027 sieht Investitionen von insgesamt rund 3,36 Milliarden Euro vor.

Die Schwerpunkte liegen nach Angaben der Regierung auf Wirtschaftsförderung, Landesbauten, kommunalen Investitionen und Breitbandausbau.

Das kann Straßen, Schulen, digitale Netze und öffentliche Gebäude verbessern. Eine moderne Infrastruktur ist ein wichtiger Standortfaktor.

Öffentliche Investitionen können private Unternehmensinvestitionen jedoch nur vorbereiten, nicht ersetzen.

Haushalt steht zugleich unter Sparzwang

Die positive Investitionsbilanz darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land erhebliche Ausgabenkürzungen plant.

Für 2025 bis 2027 sind globale Minderausgaben und weitere Einsparungen von insgesamt mehreren Hundert Millionen Euro vorgesehen. Allein beim Personal der Landesverwaltung sollen 142 Millionen Euro gekürzt werden.

Damit entsteht ein Zielkonflikt.

Die Wirtschaft fordert schnellere Genehmigungen und leistungsfähige Verwaltungen. Werden dort Stellen oder Mittel gekürzt, können Verfahren länger dauern und Investitionen ausgebremst werden.

Sparen und Bürokratieabbau dürfen nicht mit einem Abbau staatlicher Handlungsfähigkeit verwechselt werden.

Tourismus bleibt Stärke und Abhängigkeit zugleich

Mecklenburg-Vorpommern ist eines der wichtigsten deutschen Urlaubsziele.

Tourismus schafft Arbeitsplätze in Hotels, Gastronomie, Handel, Verkehr und Freizeitwirtschaft. Er trägt auch dazu bei, Infrastruktur in ländlichen Regionen zu erhalten.

Die Branche ist jedoch wetterabhängig, saisonal und besonders empfindlich gegenüber steigenden Energie-, Lebensmittel- und Personalkosten.

Das neue Investitionsprogramm für Beherbergungsbetriebe soll Modernisierung, Energieeffizienz und klimafreundliche Angebote unterstützen.

Langfristig braucht das Land zusätzliche Branchen, damit seine wirtschaftliche Entwicklung nicht zu stark vom Urlaubsgeschäft abhängt.

Industrie bleibt vergleichsweise schwach ausgeprägt

Mecklenburg-Vorpommern verfügt über wichtige Unternehmen in Ernährungswirtschaft, Schiffbau, Medizintechnik, Energie und maritimer Industrie.

Im Vergleich zu Sachsen, Thüringen oder westdeutschen Flächenländern ist die industrielle Basis jedoch kleiner.

Das wirkt sich auf Produktivität, Löhne und Exportstärke aus. Industrielle Unternehmen investieren häufig mehr in Forschung und zahlen im Durchschnitt höhere Gehälter als viele Dienstleistungsbetriebe.

Neue Ansiedlungen müssen deshalb stärker mit regionalen Zulieferern, Hochschulen und Forschungseinrichtungen verbunden werden.

Zu wenige Unternehmenszentralen im Land

Ein strukturelles Problem besteht darin, dass viele größere Standorte von Konzernen gesteuert werden, deren Hauptsitze außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns liegen.

Dadurch befinden sich wichtige Entscheidungen über Investitionen, Forschung und Personal nicht im Land.

Auch hoch bezahlte Leitungs-, Verwaltungs- und Entwicklungsstellen entstehen häufig am Konzernsitz.

Mecklenburg-Vorpommern braucht deshalb neben Ansiedlungen mehr heimische Unternehmen, die im Land wachsen und ihre strategischen Funktionen dort behalten.

Demografie begrenzt weiteres Wachstum

Die Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns altert. In vielen Branchen fehlen bereits Fachkräfte und Auszubildende.

Das betrifft Handwerk, Pflege, Gastronomie, Verwaltung, Schulen und Industrie.

Unternehmen können nur expandieren, wenn sie ausreichend qualifiziertes Personal finden. Zuwanderung, bessere Ausbildung und höhere Erwerbsbeteiligung werden deshalb zu entscheidenden wirtschaftspolitischen Aufgaben.

Eine erfolgreiche Bilanz muss sich künftig auch daran messen lassen, ob junge Menschen im Land bleiben oder nach Ausbildung und Studium zurückkehren.

Löhne müssen stärker aufholen

Wirtschaftswachstum kommt bei den Menschen nur an, wenn Einkommen und Kaufkraft steigen.

Mecklenburg-Vorpommern gehört weiterhin zu den Ländern mit vergleichsweise niedrigen Löhnen. Niedrige Lebenshaltungskosten gleichen diesen Abstand nicht überall aus, zumal Mieten und Immobilienpreise in Küstenregionen deutlich gestiegen sind.

Höhere Produktivität, stärkere Tarifbindung und gut bezahlte Industrie- und Forschungsarbeitsplätze bleiben deshalb zentrale Aufgaben.

Ein reiner Zuwachs an Beschäftigten reicht nicht, wenn viele Menschen trotz Arbeit nur geringe finanzielle Spielräume besitzen.

Regierung kann reale Fortschritte vorweisen

Die Wirtschaftsbilanz der rot-roten Regierung ist nicht wertlos.

Das Land wuchs seit 2020 etwas stärker als Deutschland insgesamt. Der Arbeitsmarkt entwickelte sich zuletzt stabiler, der Außenhandel legte kräftig zu und öffentliche Investitionen blieben hoch.

Diese Ergebnisse wurden unter schwierigen Bedingungen erzielt: Pandemie, Energiekrise, Inflation und schwache Bundeswirtschaft belasteten die gesamte Wahlperiode.

Es wäre daher falsch, Mecklenburg-Vorpommern pauschal wirtschaftlichen Stillstand vorzuwerfen.

Bilanz ist zugleich Teil des Wahlkampfs

Die Präsentation erfolgte drei Monate vor der Landtagswahl und ist damit erkennbar Teil der politischen Auseinandersetzung.

Eine Regierung hebt naturgemäß erfolgreiche Kennzahlen hervor. Opposition und Öffentlichkeit müssen prüfen, was hinter diesen Zahlen steht.

Beim Wachstum gehört die statistische Revision zur Einordnung. Beim Außenhandel muss zwischen Gesamtvolumen und tatsächlichen Exporten unterschieden werden. Beim Arbeitsmarkt zählen neben der Zahl der Stellen auch Löhne und Qualität.

Eine belastbare Bilanz braucht deshalb mehr als einzelne Rekordmeldungen.

Entscheidend wird die nächste Wahlperiode

Mecklenburg-Vorpommern hat sich wirtschaftlich robuster gezeigt, als viele Beobachter erwartet hatten.

Der entscheidende Test liegt jedoch noch vor dem Land: weniger Arbeitskräfte, internationaler Wettbewerb, hohe Energiepreise und knappe öffentliche Haushalte.

Die nächste Landesregierung muss private Investitionen erleichtern, Genehmigungen beschleunigen und mittelständische Unternehmen stärken.

Gelingt das, können die positiven Zahlen der vergangenen Jahre zum Ausgangspunkt eines dauerhaften Aufschwungs werden. Bleiben Produktivität, Löhne und Unternehmensdichte niedrig, wird die aktuelle Bilanz vor allem eine Momentaufnahme bleiben.

Quellen

Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern, Bilanz der Landesregierung für die Wahlperiode 2021 bis 2026, veröffentlicht am 19. Juni 2026

Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern, Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025, veröffentlicht im Frühjahr 2026

Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern, Angaben zum Außenhandelsvolumen und zum Ostseetag, veröffentlicht im April 2026

Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Nord, „Der Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern: Juni 2026“, veröffentlicht am 30. Juni 2026

Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern, Übersicht der geförderten gewerblichen Investitionsprojekte, Stand April 2026

Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern, Angaben zum Doppelhaushalt 2026/2027 und zu geplanten Einsparungen, Stand 2026