Mit einer Förderung von insgesamt rund 39 Millionen Euro soll die Hochschule Anhalt ihre Stellung in der Algenbiotechnologie weiter ausbauen. Im Mittelpunkt steht der Neubau des Mitteldeutschen Algenzentrums am Technologie-Campus Köthen.
Drei Vorhaben erhalten finanzielle Unterstützung
Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann übergab am 3. August drei Förderzusagen und Mittelzuweisungen an den Präsidenten der Hochschule Anhalt, Prof. Dr. Jörg Bagdahn.
Mit dem Geld sollen der Neubau des Mitteldeutschen Algenzentrums sowie zwei Forschungsprojekte des Kompetenzzentrums Algenbiotechnologie umgesetzt werden. Die Leitung liegt bei Prof. Dr. Carola Griehl.
Bis zu 32 Millionen Euro für Neubau
Der größte Teil der Förderung entfällt auf das neue Mitteldeutsche Algenzentrum. Dafür sind bis zu 32 Millionen Euro aus dem Sondervermögen „Infrastruktur“ des Bundes vorgesehen.
Das Zentrum soll am Technologie-Campus Köthen entstehen und eine Forschungsfläche von 1.967 Quadratmetern umfassen.
Der Baubeginn ist für den Sommer 2028 geplant. Die Inbetriebnahme soll nach derzeitiger Planung im Sommer 2030 erfolgen.
Gesamte Prozesskette unter einem Dach
Das neue Zentrum soll erstmals die gesamte Prozesskette der Algenbiotechnologie abbilden. Dazu gehören die Kultivierung von Mikroalgen, die Gewinnung wertvoller Inhaltsstoffe und die Entwicklung neuer Produkte.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit Unternehmen. Neue Anwendungen sind unter anderem für die Agrar-, Lebensmittel-, Kosmetik-, Pharma- und Chemiebranche vorgesehen.
Ziel ist es, neue Wertschöpfungsketten zu schaffen und wissenschaftliche Entwicklungen schneller in die industrielle Anwendung zu überführen.
Mikroalgen sollen fossile Rohstoffe ersetzen
Mikroalgen gelten als mögliche nachhaltige Quelle für Öle, Proteine und chemische Grundstoffe. Sie könnten langfristig dazu beitragen, fossile und klimaschädliche Rohstoffe zu ersetzen.
Auch für die Ernährungswirtschaft eröffnen sich neue Möglichkeiten. Algen können Inhaltsstoffe liefern, die bislang mit hohem Energieaufwand oder aus begrenzten Rohstoffquellen gewonnen werden.
Nach Einschätzung des Landes verbindet die Technologie Klimaschutz, Innovation und wirtschaftliches Wachstum.
Weitere 6,4 Millionen Euro für Forschungsprojekt
Neben dem Neubau erhält die Hochschule Anhalt 6,4 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.
Das Geld fließt in das Projekt „FuI@Algenbiotechnologie“. Dort soll untersucht werden, wie Mikroalgen als Rohstoffquelle für Industrie und Ernährung wirtschaftlich genutzt werden können.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem Öle, Proteine und Grundstoffe für die chemische Industrie.
Patentiertes Verfahren soll verbessert werden
Ein weiteres Projekt trägt den Namen „ProAlgenöl“ und wird mit rund 653.000 Euro gefördert.
Dabei soll ein von der Hochschule entwickeltes und patentiertes Verfahren weiter verbessert werden. Es nutzt die Grünalge Botryococcus braunii, die erdölähnliche, langkettige Kohlenwasserstofföle produziert.
Diese Öle können bereits während des Wachstums der Algen kontinuierlich gewonnen werden. Dadurch sollen energie- und kostenintensive Verarbeitungsschritte entfallen.
Hochschule will Spitzenstellung ausbauen
Wissenschaftsminister Willingmann bezeichnete die Algenbiotechnologie als Zukunftstechnologie mit großem Potenzial für Klimaschutz und nachhaltiges Wachstum.
Hochschulpräsident Bagdahn sieht in dem neuen Zentrum eine Verbindung von Forschung, Technologietransfer und Unternehmenskooperationen.
Von den Investitionen sollen neben der Wirtschaft auch Studierende und der Wissenschaftsstandort Sachsen-Anhalt profitieren.
Forschung mit wirtschaftlichem Anspruch
Die Förderung zeigt, dass sich die Forschung in Köthen nicht auf Laborversuche beschränken soll. Das neue Zentrum ist ausdrücklich darauf ausgerichtet, Verfahren bis zur wirtschaftlichen Anwendung weiterzuentwickeln.
Damit soll die Hochschule Anhalt ihre internationale Position stärken und zugleich neue industrielle Perspektiven für Sachsen-Anhalt schaffen.
Quellen
• Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt: „Willingmann überreicht Förderzusage und Mittelzuweisung über insgesamt 39 Millionen Euro an Hochschule Anhalt“, 3. August 2026
• Hochschule Anhalt: Angaben zum Mitteldeutschen Algenzentrum und zu den Forschungsprojekten „FuI@Algenbiotechnologie“ und „ProAlgenöl“