Aus einem bislang häufig entsorgten Reststoff entsteht in Haldensleben ein wertvoller Rohstoff für die Landwirtschaft. Die Seraplant GmbH hält Phosphor im Wirtschaftskreislauf und reduziert damit zugleich den Bedarf an importierten Rohstoffen.

Sachsen-Anhalts Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann hat das Unternehmen am 6. August mit dem Nachhaltigkeitspreis „AURA-Award 2026“ ausgezeichnet. Seraplant erhielt für sein Geschäftsmodell eine Trophäe, eine Urkunde und einen Imagefilm.

Klärschlammaschen werden zu Phosphor-Dünger

Seraplant recycelt Aschen, die bei der getrennten Verbrennung von Klärschlämmen aus Kläranlagen entstehen. Die festen Rückstände enthalten unter anderem Phosphor.

Mithilfe eines gemeinsam mit dem Verfahrenstechnik-Unternehmen Glatt entwickelten Verfahrens wird der Rohstoff zurückgewonnen und anschließend für die Herstellung von Düngemitteln genutzt.

Das 2020 gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Haldensleben im Landkreis Börde und beschäftigt nach Angaben des Umweltministeriums zwölf Mitarbeiter.

Willingmann lobt hochwertige Nutzung

Umweltminister Willingmann bezeichnete Phosphor als lebensnotwendigen Stoff, der zu wertvoll sei, um gemeinsam mit den Rückständen entsorgt zu werden.

Die Europäische Union habe Phosphor als kritischen Rohstoff eingestuft. Das Recycling von Klärschlammaschen verbinde daher Ressourcenschutz mit einer hochwertigeren Nutzung der vorhandenen Materialien.

Das von Seraplant eingesetzte Verfahren komme nach Angaben des Ministers ohne zusätzliche Emissionen und Abfälle aus. Er fasste das Geschäftsmodell mit den Worten „Hochwertige Nutzung statt platter Entsorgung“ zusammen.

Phosphor ist ein endlicher Rohstoff

Technologie-Geschäftsführer Daniel Schubert verwies auf die begrenzte Verfügbarkeit des Rohstoffs. Phosphor sei unverzichtbar, zugleich aber endlich.

Mit dem Recycling wolle Seraplant wertvolle Nährstoffe im Kreislauf halten, natürliche Ressourcen schonen und zur Versorgungssicherheit kommender Generationen beitragen.

Das Verfahren stärkt nach Einschätzung des Umweltministeriums die nachhaltige Kreislaufwirtschaft und kann die Abhängigkeit Deutschlands von Phosphorimporten verringern.

Dünger soll frei von Schwermetallen sein

Der aus den Klärschlammaschen gewonnene Dünger ist laut Pressemitteilung frei von Schwermetallen.

Das Ministerium sieht darin einen wichtigen Vorteil für die Landwirtschaft und für die behandelten Ackerflächen. Mit der Rückgewinnung werde nicht nur ein Rohstoff gesichert, sondern zugleich ein belastungsarmer Dünger hergestellt.

Weitere Angaben zu Produktionsmengen, Abnehmern oder dem Marktpreis des Düngers enthält die Mitteilung nicht.

Deutschland ist auf Importe angewiesen

Phosphor bildet eine wesentliche Grundlage für Düngemittel und kann gegenwärtig nur aus wenigen Ländern bezogen werden.

Nach Angaben des Ministeriums verteilen sich rund 84 Prozent der weltweiten Phosphatreserven auf sechs Staaten. Etwa zwei Drittel der Reserven befinden sich in Marokko. Weitere bedeutende Vorkommen liegen in China, Ägypten, Algerien, Südafrika und Brasilien.

Deutschland muss jährlich mehrere Tausend Tonnen Phosphor importieren. Die Rückgewinnung aus heimischen Klärschlammaschen besitzt deshalb auch eine strategische Bedeutung.

Rückgewinnung wird für größere Kläranlagen verpflichtend

Ab 2029 müssen Kläranlagen mit einer Größe von mindestens 100.000 Einwohnerwerten Phosphor aus Klärschlamm zurückgewinnen.

Für kleinere Anlagen mit mehr als 50.000 Einwohnerwerten beginnt die gesetzliche Verpflichtung nach Angaben des Ministeriums im Jahr 2032.

Für Unternehmen wie Seraplant könnte dadurch die Nachfrage nach geeigneten Verfahren und Verarbeitungskapazitäten in den kommenden Jahren steigen.

Preis würdigt nachhaltiges Geschäftsmodell

Mit dem „AURA-Award“ zeichnet das Umweltministerium Unternehmen aus, die wirtschaftliches Handeln mit Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz verbinden.

Seraplant wurde für die Rückgewinnung eines kritischen Rohstoffs, die Herstellung von Dünger und den Beitrag zur regionalen Kreislaufwirtschaft geehrt.

Neben der Auszeichnung erhielt das Unternehmen einen professionell produzierten Imagefilm, mit dem das Geschäftsmodell und das entwickelte Verfahren vorgestellt werden können.

Quellen

Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt: Pressemitteilung Nr. 136/2026 „Unternehmen recycelt Klärschlamm-Aschen zu Phosphor-Dünger – Willingmann zeichnet Haldensleber Seraplant GmbH mit Nachhaltigkeitspreis ‚AURA‘ aus“, veröffentlicht am 6. August 2026.