Seit dem 31. Juli 2026 fährt ein internationaler Zug von Frankfurt am Main über Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Tschechien ohne Umstieg bis nach Krakau und Przemyśl in Ostpolen. Die mehr als 1.300 Kilometer lange Verbindung des privaten Bahnunternehmens Leo Express verkehrt einmal täglich in beiden Richtungen. In Mitteldeutschland hält der Zug unter anderem in Eisenach, Erfurt, Weimar, Apolda, Weißenfels, Naumburg, Leipzig, Dresden und Bad Schandau. Neu angeboten werden klimatisierte Liegewagen mit WLAN, Steckdosen und Frühstück.
Busumstieg an der polnischen Grenze entfällt
Leo Express hatte die Verbindung bereits am 25. Juni 2026 aufgenommen. Zunächst war sie allerdings nur auf dem Papier eine durchgehende Zugverbindung.
Zwischen Bohumín an der tschechisch-polnischen Grenze und Przemyśl mussten Fahrgäste in Busse umsteigen. Grund war nach Angaben des Unternehmens, dass der erforderliche Streckenzugang für den Zugverkehr in Polen noch nicht vorlag.
Seit dem 31. Juli fährt der Zug nun vollständig auf der Schiene. Reisende können damit erstmals ohne Fahrzeugwechsel von Mitteldeutschland über Prag, Ostrava und Krakau bis in den äußersten Südosten Polens gelangen.
Zehn Halte in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen
Die Verbindung erschließt zahlreiche Städte, die bisher keine vergleichbare direkte internationale Zugverbindung nach Südpolen hatten.
In Richtung Przemyśl hält der Zug nach dem veröffentlichten Fahrplan unter anderem zu folgenden Zeiten:
Eisenach um 18.10 Uhr, Gotha um 18.26 Uhr, Erfurt um 18.44 Uhr, Weimar um 18.59 Uhr und Apolda um 19.11 Uhr.
In Sachsen-Anhalt folgen Weißenfels um 19.45 Uhr und Naumburg um 19.56 Uhr. Leipzig wird um 20.43 Uhr erreicht, Dresden um 22.30 Uhr und Bad Schandau um 23.02 Uhr.
In der Gegenrichtung liegen viele Halte mitten in der Nacht oder am frühen Morgen. Dresden wird gegen 1.38 Uhr erreicht, Leipzig gegen 2.54 Uhr, Erfurt gegen 4.23 Uhr und Eisenach gegen 4.56 Uhr.
Die Verbindung ist damit vor allem für längere Reisen mit Schlafmöglichkeit interessant. Für Tagesreisen zwischen den mitteldeutschen Städten sind die Fahrzeiten dagegen nur eingeschränkt attraktiv.
Liegewagen mit Frühstück und WLAN
Zum erweiterten Angebot gehören nun Liegewagenabteile für bis zu vier Reisende. Nach Angaben des Betreibers können reine Frauenabteile oder gemischte Abteile gebucht werden.
Im Fahrpreis des Liegewagens ist ein Frühstück enthalten. Die Wagen verfügen laut Unternehmen über Klimaanlage, WLAN und Steckdosen. Zusätzlich werden gewöhnliche Sitzwagen und eine Business Class angeboten.
Damit reagiert Leo Express auf die sehr lange Fahrzeit. Der Zug ist zwischen den Endpunkten über Nacht unterwegs. Er startet in Przemyśl am frühen Nachmittag und erreicht den Frankfurter Flughafen am folgenden Morgen.
In der Gegenrichtung beginnt die Fahrt am Flughafen Frankfurt vormittags. Die Ankunft in Przemyśl erfolgt in der folgenden Nacht.
Direkte Verbindung zum Frankfurter Flughafen
Ein wesentlicher Vorteil ist die Durchbindung bis zum Flughafen Frankfurt. Reisende aus Thüringen und Sachsen erhalten dadurch eine zusätzliche direkte Verbindung zum größten deutschen Luftverkehrsdrehkreuz.
In westlicher Richtung soll der Zug den Flughafen planmäßig am Morgen erreichen. Damit können grundsätzlich Anschlüsse an europäische und interkontinentale Flüge erreicht werden.
Ob die Verbindung dafür dauerhaft zuverlässig genug ist, wird sich erst im laufenden Betrieb zeigen. Bei einer Strecke von mehr als 1.300 Kilometern können Verspätungen aus mehreren Ländern zusammenkommen.
Für Flugreisende bleibt deshalb ein ausreichender zeitlicher Puffer wichtig. Das gilt besonders bei nicht gemeinsam gebuchten Bahn- und Flugtickets.
Krakau und Przemyśl werden direkt erreichbar
Für den Tourismus ist vor allem die direkte Verbindung nach Krakau interessant. Die südpolnische Stadt zählt zu den wichtigsten Reise- und Kulturzielen des Landes.
Przemyśl liegt nur wenige Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Von dort bestehen Anschlüsse in Richtung Ukraine. Die Strecke erhält damit neben ihrer touristischen auch eine grenzüberschreitende und wirtschaftliche Bedeutung.
Der Betreiber bezeichnet die Verbindung als eine der längsten direkten Zugstrecken Europas. Sie verbindet Finanz- und Industriestandorte mit mehreren Kultur- und Universitätsstädten.
Neue Konkurrenz auf der Schiene
Leo Express ist ein privates tschechisches Verkehrsunternehmen. Es betreibt seit 2012 Bahn- und Busverbindungen in Mitteleuropa.
Hauptaktionär ist die spanische Staatsbahn Renfe. Das Unternehmen tritt auf der neuen Strecke eigenwirtschaftlich an und schafft damit eine Alternative zu bestehenden Fernverkehrsangeboten.
Für Reisende kann zusätzliche Konkurrenz zu mehr Auswahl und günstigeren Preisen führen. Entscheidend sind jedoch nicht allein die angekündigten Einstiegspreise, sondern die tatsächliche Verfügbarkeit günstiger Fahrkarten, Reservierungen und Schlafplätze.
Auch die Anerkennung vorhandener deutscher Tarifangebote ist wichtig. Das Deutschlandticket gilt in eigenwirtschaftlichen Fernverkehrszügen grundsätzlich nicht, sofern der Betreiber keine besondere Vereinbarung trifft.
Weitere Verbindung nach Südpolen besteht bereits
Die neue Leo-Express-Strecke ist nicht die einzige direkte Verbindung aus Mitteldeutschland nach Polen.
Seit dem Fahrplanwechsel verkehren außerdem Eurocity-Züge der Deutschen Bahn und der polnischen PKP von Leipzig über Riesa, Elsterwerda, Ruhland und Hoyerswerda nach Breslau und Krakau. Eine Verbindung wird bis Przemyśl geführt.
Diese Züge benötigen von Leipzig nach Breslau rund dreieinhalb Stunden und nach Krakau etwa sieben Stunden. Sie verkehren tagsüber und bieten damit ein anderes Reiseprofil als die nächtliche Verbindung über Prag.
Für Reisende aus Leipzig und dem östlichen Sachsen dürfte der Eurocity über Breslau häufig schneller sein. Der neue Leo Express ist dagegen besonders für Thüringen, das Saaletal und die direkte Anbindung über Dresden und Prag interessant.
Große Chance mit betrieblichen Risiken
Die neue Verbindung verbessert die internationale Erreichbarkeit mehrerer ostdeutscher Städte. Besonders Eisenach, Gotha, Weimar, Apolda, Weißenfels und Naumburg profitieren von einer direkten Verbindung nach Tschechien und Polen.
Der Nutzen hängt jedoch davon ab, ob der Betreiber einen stabilen Fahrplan gewährleisten kann. Lange internationale Laufwege reagieren empfindlich auf Baustellen, Grenzabschnitte und Verspätungen.
Bereits zum Start bestehen Einschränkungen: Wegen Bauarbeiten auf deutschem Gebiet fährt der Zug montags in Richtung Przemyśl später. Außerdem wird die Verbindung an einzelnen Wochentagen nur auf Teilstrecken angeboten. Fahrgäste sollten den aktuellen Fahrplan deshalb vor jeder Reise prüfen.
Gelingt ein zuverlässiger Betrieb, kann die Strecke eine echte Alternative zu Auto und Flugzeug werden. Sie verbindet mehrere Regionen, die wirtschaftlich, touristisch und gesellschaftlich enger zusammenrücken – ohne dass Reisende in Berlin oder an der Grenze umsteigen müssen.
Quellen
- Leo Express: „Leo Express verbindet Deutschland, Tschechien und Polen per Zug bis an die Grenze zur Ukraine“, Pressemitteilung vom 17. Dezember 2025, aktualisierte Angaben zum Betriebsstart im Juni und zur Weiterführung im Juli 2026.
- Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt und Deutsche Bahn: „Fahrplan 2026 – alle Neuerungen für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im Überblick“, veröffentlicht am 26. September 2025.
- Leo Express: Fahrplan- und Buchungsinformationen zur Verbindung Frankfurt Flughafen–Prag–Krakau–Przemyśl, abgerufen am 1. August 2026.
- Ostdeutsche Zeitung: Prüfung der bisherigen Veröffentlichungen zu internationalen Direktzügen zwischen Mitteldeutschland, Tschechien und Polen, durchgeführt am 1. August 2026.