Ostdeutschlands wirtschaftlicher Aufholprozess ist gefährdet. Der ifo-Wettbewerbsreport sieht vor allem zu geringe private Investitionen und einen schrumpfenden Arbeitskräftepool als Risiken, weil der Abstand zum Westen sonst wieder wachsen könnte.

Private Investitionen bleiben deutlich zurück

Nach Angaben des ifo Instituts erreichten die privaten Investitionen je Einwohner in Ostdeutschland zwischen 2019 und 2023 nur gut drei Viertel des westdeutschen Niveaus.

Noch deutlicher wird der Rückstand bei den Unternehmen. Ohne Wohnungsbau und öffentliche Infrastruktur kommen die privaten Investitionen im Osten nur auf etwa zwei Drittel des Westniveaus.

Auch je Erwerbstätigen investieren ostdeutsche Unternehmen rund ein Viertel weniger als Betriebe im Westen. Damit fehlt Kapital für Modernisierung, Wachstum und höhere Produktivität.

Arbeitskräftezahl könnte um sieben Prozent sinken

Der zweite große Risikofaktor ist die Demografie. Bis 2035 dürfte die Zahl der Menschen im Erwerbsalter in Ostdeutschland nach der ifo-Prognose um etwa sieben Prozent zurückgehen.

In Sachsen-Anhalt und Thüringen fällt der erwartete Rückgang noch stärker aus. Zusätzlich verlieren ostdeutsche Flächenländer junge und gut ausgebildete Menschen durch Abwanderung in andere Bundesländer.

Besonders problematisch ist diese Entwicklung bei Berufseinsteigern, Studierenden und Hochschulabsolventen. Unternehmen müssen damit künftig mit einem kleineren Arbeitskräfteangebot auskommen.

Mehr Innovation soll Produktivität erhöhen

Das ifo Institut sieht höhere Produktivitätsfortschritte als entscheidenden Ausweg. Dafür müssten Innovationen schneller in Unternehmen gelangen und der Technologietransfer gestärkt werden.

Gerade die ostdeutschen Flächenländer weisen nach Einschätzung der Forscher noch strukturelle Innovationsschwächen auf. Mehr Investitionen in neue Technologien könnten einen Teil der demografischen Verluste ausgleichen.

Der Wettbewerbsreport basiert auf dem ifo-Faktenmonitor mit rund 250 wirtschaftlichen Kennzahlen für die deutschen Bundesländer. Die Untersuchung zeigt damit nicht nur einzelne Schwächen, sondern ein breites strukturelles Problem für die kommenden Jahre.

Quelle: ifo Institut – Niederlassung Dresden, Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026