Berlin – Die Energiepreise geraten erneut in den Mittelpunkt. Der Preis für die Nordseesorte Brent liegt wieder deutlich oberhalb der Marke von 100 Dollar je Barrel. Zuletzt wurden rund 105 Dollar bezahlt.
Hauptgrund bleibt die angespannte Lage im Nahen Osten. Besonders wichtig ist dabei die Straße von Hormus. Durch die Meerenge läuft ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte.
Jede Nachricht über mögliche Einschränkungen der Lieferungen kann deshalb innerhalb kürzester Zeit deutliche Preisbewegungen auslösen.
Straße von Hormus bleibt entscheidender Risikofaktor
Die Märkte reagieren derzeit vor allem auf die Frage, ob sich der Konflikt mit Iran weiter verschärft oder eine diplomatische Lösung möglich wird.
Hoffnungen auf Gespräche drücken den Ölpreis zeitweise. Neue Drohungen oder Zweifel an einer Einigung treiben ihn dagegen wieder nach oben.
Die Schwankungen zeigen, wie nervös der Markt inzwischen ist.
Hinzu kommen Angriffe auf Energieinfrastruktur in anderen Regionen sowie Probleme bei einzelnen internationalen Lieferketten.
Benzin und Diesel reagieren schneller als Heizkosten
Für Autofahrer können steigende Rohölpreise vergleichsweise schnell an den Tankstellen sichtbar werden.
Wie stark Benzin und Diesel tatsächlich teurer werden, hängt jedoch nicht allein vom Ölpreis ab. Raffineriekapazitäten, Steuern, Wechselkurse und die Nachfrage beeinflussen ebenfalls den Endpreis.
Besonders angespannt ist international derzeit auch der Dieselmarkt.
Damit könnte ein länger anhaltend hoher Ölpreis gerade für Unternehmen mit großem Kraftstoffverbrauch und für Pendler spürbar werden.
Gas kostet Neukunden durchschnittlich 12,4 Cent
Auch beim Erdgas bleibt das Preisniveau erhöht.
Für Neukunden in Deutschland kostet eine Kilowattstunde Gas derzeit im gewichteten Durchschnitt rund 12,4 Cent beim jeweils günstigsten regionalen Anbieter.
Bei einem Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden entspräche das rechnerisch etwa 2.480 Euro pro Jahr, bevor individuelle Tarifbestandteile berücksichtigt werden.
Bestandskunden und Haushalte in der Grundversorgung können deutlich andere Preise zahlen.
Europäischer Börsengaspreis bleibt hoch
An der europäischen Gasbörse liegt der maßgebliche TTF-Preis weiterhin bei rund 70 Euro je Megawattstunde.
Die europäischen Gasmärkte reagieren besonders sensibel auf mögliche Störungen beim Flüssiggastransport.
Europa importiert inzwischen große Mengen LNG. Wird der Transport über wichtige Handelswege eingeschränkt, wächst die Konkurrenz um verfügbare Lieferungen.
Heizkosten reagieren zeitverzögert
Ein Anstieg an den Energiemärkten bedeutet nicht, dass Haushalte sofort höhere Abschläge zahlen müssen.
Viele Gasverträge haben feste Preisgarantien. Energieversorger kaufen außerdem einen Teil ihres Bedarfs langfristig ein.
Bleiben die Großhandelspreise jedoch über Monate hoch, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch Verbrauchertarife angepasst werden.
Für Haushalte, deren Vertrag ausläuft, lohnt sich deshalb ein genauer Vergleich der verfügbaren Angebote.
Inflation könnte wieder unter Druck geraten
Hohe Energiepreise wirken sich nicht nur auf Heizungen und Tankstellen aus.
Sie verteuern Transporte, industrielle Produktion und teilweise auch Lebensmittel. Unternehmen können höhere Energie- und Logistikkosten zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben.
Deshalb beobachten Ökonomen die Entwicklung mit Sorge.
Ein länger anhaltender Preisschub beim Öl könnte den Rückgang der Inflation bremsen und die wirtschaftliche Erholung belasten.
Viel hängt nun von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten ab
Ob Energie in Deutschland im Winter deutlich teurer wird, lässt sich derzeit noch nicht sicher sagen.
Die entscheidende Frage ist, ob sich der Konflikt rund um Iran und die Straße von Hormus weiter zuspitzt oder ob eine politische Entspannung gelingt.
Für Verbraucher bedeutet die aktuelle Lage vor allem eines: Die Phase vergleichsweise ruhiger Energiemärkte kann sehr schnell vorbei sein.