Studierende der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf haben mehrere Konzepte für die weitere Entwicklung der Weißenfelser Neustadt erarbeitet. Im Mittelpunkt stehen begrünte Innenhöfe, neue Begegnungsräume, eine stärkere Verbindung von Wohnen, Gewerbe und Kultur sowie Vorschläge für die viel befahrene Merseburger Straße.

Die Entwürfe wurden am 16. Juni 2026 im Weißenfelser Ratssaal vorgestellt und mit Vertretern aus Verwaltung, Politik und Gesellschaft diskutiert. Zum Stadtfest vom 27. bis 30. August sollen die Arbeiten öffentlich im ehemaligen Müller-Kaufhaus präsentiert werden.

Konzepte seit 2023 gemeinsam entwickelt

Die Stadt Weißenfels arbeitet seit 2023 im Rahmen des T!Raum-Projektes mit Lehrenden und Studierenden der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zusammen.

Professorin Sonja Hörster von der Fakultät für Landschaftsarchitektur und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Marie-Luise Schega präsentierten die Ergebnisse im Juni vor Oberbürgermeister Martin Papke und weiteren Verantwortlichen.

Dabei ging es nicht nur um eine fachliche Bewertung der Entwürfe. Die Beteiligten diskutierten auch, welche Vorschläge kurzfristig oder mittelfristig umgesetzt werden könnten.

Alle Konzepte sind zunächst studentische Entwürfe. Ob einzelne Ideen tatsächlich verwirklicht werden, soll im weiteren Stadtentwicklungsprozess entschieden werden.

Begrünte Innenhöfe als Teil einer klimaangepassten Stadt

Zustimmung erhielt unter anderem das Konzept „Klimaresiliente Stadt“. Darin schlagen die Studierenden sogenannte „Innenhof-Hölzchen“ vor.

Die Idee sieht vor, Eigentümer und Bewohner bei der Umgestaltung ihrer Höfe zu unterstützen. Gemeinsam mit professionellen Planern könnten bislang versiegelte oder wenig genutzte Flächen zu begrünten Aufenthaltsorten entwickelt werden.

Neben Pflanzen und Schattenbereichen könnten nach dem Konzept auch Kunstwerke einbezogen werden. Dadurch sollen ökologische Verbesserungen mit einer gestalterischen Aufwertung der Höfe verbunden werden.

Der Vorschlag reagiert auf sommerliche Hitze, versiegelte Flächen und fehlende wohnungsnahe Grünräume. Gleichzeitig könnten gemeinschaftlich genutzte Innenhöfe die Nachbarschaft stärken.

Bauliche Veränderungen und soziale Belebung verbinden

Mehrere Entwürfe verbinden bauliche Eingriffe mit Veranstaltungen und Beteiligungsformaten.

Im Konzept „Begegnungsstadt“ schlagen die Studierenden beispielsweise ein gestalterisches Straßenfest vor. Dabei könnten Bau-, Kunst- und Beteiligungsaktionen gemeinsam mit Bewohnern umgesetzt werden.

Der öffentliche Raum soll damit nicht nur baulich verändert, sondern auch stärker als Treffpunkt genutzt werden. Der Ansatz setzt auf kleine, sichtbare Maßnahmen, die gemeinsam mit den Menschen im Quartier entstehen.

Solche Projekte könnten zunächst zeitlich begrenzt erprobt werden. Bei positiver Resonanz wäre eine dauerhafte Gestaltung möglich.

Merseburger Straße sorgt für kontroverse Debatte

Besonders kontrovers wurde der Entwurf „Dreiklang an der Achse“ diskutiert. Er befasst sich mit der Merseburger Straße, einer wichtigen Verkehrsverbindung in der Neustadt.

Die Studierenden bewerten die Straße wegen des hohen Verkehrsaufkommens und der parkenden Fahrzeuge derzeit als Barriere innerhalb des Quartiers.

Vorgeschlagen werden unter anderem ein Tempolimit, ein Kreisverkehr und zusätzliche Grünflächen. Aus der Hauptverkehrsstraße soll nach dem Entwurf eine Entwicklungsachse für Wohnen, Gewerbe und Kultur entstehen.

Der Vorschlag stieß nicht nur auf Zustimmung. In der Diskussion wurden Sorgen vor Verkehrsstaus und Einschränkungen der bisherigen Funktion der Merseburger Straße geäußert.

Einigkeit bestand jedoch darin, dass die Gestaltung der Straße eine zentrale Rolle für die Zukunft der Neustadt spielt.

Öffentliche Präsentation beim Weißenfelser Stadtfest

Die studentischen Arbeiten sollen während des Weißenfelser Stadtfestes vom 27. bis 30. August 2026 im ehemaligen Müller-Kaufhaus öffentlich gezeigt werden.

Damit erhalten Einwohner die Möglichkeit, sich über die unterschiedlichen Konzepte zu informieren und eigene Einschätzungen einzubringen.

Eine weitere Präsentation ist beim Neustadtfest am 25. September geplant. Dort wird die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf mit einem eigenen Stand vertreten sein.

Die Studierenden und Projektverantwortlichen wollen mit Bürgern über die planerischen Ansätze sprechen und Rückmeldungen für den weiteren Prozess sammeln.

Rund 60 Studierende untersuchten das Quartier

Die konkrete Arbeit an den Entwürfen begann bereits im Mai 2025. Damals erkundeten Angehörige der Fakultäten für Stadt- und Landschaftsarchitektur mehrere Bereiche von Weißenfels.

Als Studiengebiet wurde schließlich die gründerzeitliche Neustadt ausgewählt. Ausschlaggebend waren die vielfältigen baulichen, sozialen und stadtklimatischen Herausforderungen des Quartiers.

Im Oktober 2025 folgte eine Projektwoche mit Planungswerkstatt und sogenannten Open Studios. Rund 60 Studierende untersuchten die örtlichen Bedingungen, Potenziale und Probleme.

Auf dieser Grundlage sollten sie ein freiraumplanerisches Leitbild mit Umsetzungszeitschiene und Beteiligungsprozess entwickeln.

Mehr als 800 Einladungen zur Bürgerbeteiligung

Die Stadt bezog auch die Einwohner in die vorbereitende Arbeit ein. Das Amt für Sozialraumentwicklung verschickte mehr als 800 Einladungsschreiben und warb zusätzlich über die städtischen Kanäle für die Beteiligung.

Im Kulturhaus konnten Bürger ihre Vorstellungen in drei Diskussionsrunden einbringen.

Neben der räumlichen Entwicklung ging es um klimagerechte Baukultur und die Frage, wie positive Erzählungen über die Neustadt ihre Entwicklung beeinflussen können.

Die Studierenden verbanden diese Rückmeldungen mit eigenen Analysen, Recherchen und Untersuchungen vor Ort.

Transformation und Teilhabe im Mittelpunkt

Ein gemeinsamer Schwerpunkt aller Konzepte liegt auf Transformation und Teilhabe.

Öffentliche Räume sollen besser zugänglich werden, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zusammenbringen und die Neustadt langfristig auch für neue Bewohner attraktiver machen.

Die Entwürfe betrachten das Quartier deshalb nicht allein als bauliche Aufgabe. Sie verbinden Freiraumplanung mit sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Fragen.

Für die Stadt stellt sich nun die Aufgabe, aus den zahlreichen Ideen jene Ansätze herauszufiltern, die finanzierbar, rechtlich umsetzbar und im Quartier mehrheitsfähig sind.

Sanierungsgebiet startet am 31. Juli

Parallel zum Hochschulprojekt hat die Stadt die Vorbereitungen für das Sanierungsgebiet „Neustadt Gründerzeit“ vorangetrieben.

Dafür wurden eine vorbereitende Untersuchung und ein Sanierungskonzept erarbeitet. Im Juni 2026 fasste der Weißenfelser Stadtrat dazu einen positiven Beschluss.

Nach der Bekanntmachung im Amtsblatt tritt das Sanierungsgebiet am 31. Juli 2026 in Kraft.

Die Stadt verbindet damit die Hoffnung, Eigentümer, Bewohner und weitere Beteiligte stärker in die Entwicklung des Quartiers einzubeziehen.

Bedeutung für Eigentümer und Bewohner

Ein Sanierungsgebiet ermöglicht es einer Kommune, städtebauliche Missstände systematischer zu bearbeiten und Maßnahmen über einen längeren Zeitraum aufeinander abzustimmen.

Für Eigentümer können sich daraus neue Beratungs- und Fördermöglichkeiten ergeben. Gleichzeitig können bei Umbauten, Grundstücksverkäufen oder größeren Veränderungen besondere rechtliche Vorgaben gelten.

Welche konkreten Instrumente und Förderangebote in der Weißenfelser Neustadt genutzt werden, muss im weiteren Verfahren festgelegt werden.

Die studentischen Konzepte können dabei Impulse geben, ersetzen aber keine förmlichen Planungen oder politischen Beschlüsse.

Forschung für kleinere und mittlere Städte

Das T!Raum-Projekt soll wissenschaftliche Erkenntnisse für Kommunen nutzbar machen, die keine eigene Hochschule besitzen.

Gefördert wird die Initiative vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Ziel ist es, gemeinsam mit Städten Lösungen für strukturelle Probleme zu entwickeln.

Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Folgen des demografischen Wandels und klimatische Veränderungen.

Im Burgenlandkreis ist das Projekt neben Weißenfels auch in Naumburg und Zeitz aktiv. Die dort entwickelten Methoden sollen möglichst auf andere kleinere und mittlere Städte übertragbar sein.

Wie es weitergeht

Am 31. Juli beginnt formal das Sanierungsgebiet „Neustadt Gründerzeit“.

Vom 27. bis 30. August werden die studentischen Entwürfe beim Stadtfest im ehemaligen Müller-Kaufhaus gezeigt. Am 25. September folgt die Präsentation beim Neustadtfest.

Anschließend muss die Stadt prüfen, welche Vorschläge weiterverfolgt, vertieft oder in konkrete Projekte überführt werden können.

Besondere Aufmerksamkeit dürfte dabei der künftigen Gestaltung der Merseburger Straße, der Aufwertung von Innenhöfen und der Schaffung neuer Begegnungsräume gelten.

Die Entwürfe der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf liefern Weißenfels eine breite Auswahl an Ideen für die Neustadt. Sie reichen von kleinen, gemeinschaftlich umsetzbaren Projekten bis zu weitreichenden Eingriffen in den Verkehrsraum.

Mit dem Start des Sanierungsgebietes erhält die Quartiersentwicklung zugleich einen verbindlicheren kommunalen Rahmen. Entscheidend wird sein, welche Vorschläge finanzierbar sind und von Eigentümern, Bewohnern, Verwaltung und Stadtrat getragen werden.

Quelle:
Stadt Weißenfels: Mitteilung „Studierende entwickeln Zukunftskonzepte für Weißenfelser Neustadt“, veröffentlicht am 23. Juli 2026.