Mehr von häuslicher oder geschlechtsspezifischer Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder sollen künftig kurzfristig Schutz in Weißenfels finden. Die dortige Einrichtung erweitert ihre Aufnahmekapazität und erhält dafür zusätzliches Personal sowie eine höhere Landesförderung.
Ab September 2026 steigt die Zahl der Schutzplätze für Frauen von sieben auf acht. Gleichzeitig stehen künftig zwölf statt bisher zehn Plätze für Kinder zur Verfügung. Das Frauenhaus Weißenfels ist nach Angaben des Landes die einzige vollständig barrierefreie Schutzeinrichtung für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder in Sachsen-Anhalt.
Angebot richtet sich auch an Frauen mit Behinderungen
Die vollständige Barrierefreiheit ist für Frauen mit körperlichen Einschränkungen von besonderer Bedeutung. Viele ältere oder nur teilweise umgebaute Einrichtungen können Menschen mit Rollstuhl oder anderen Mobilitätshilfen nicht ohne Weiteres aufnehmen.
Die Landesbeauftragte für Frauen und Gleichstellung, Sarah Schulze, sieht in der Erweiterung deshalb einen wichtigen Schritt zur Weiterentwicklung des Hilfesystems. Jede von Gewalt betroffene Frau müsse unabhängig von einer Behinderung schnell Schutz und Unterstützung erhalten können.
Mit dem zusätzlichen Platz soll insbesondere das Angebot für Frauen mit Behinderungen gestärkt werden. Die Erweiterung ist zugleich Teil der Umsetzung des Gewalthilfegesetzes und der bedarfsgerechten Entwicklung der Hilfsangebote im Land.
Hohe Nachfrage nach sicheren Unterkünften
Die Nachfrage nach Schutzplätzen bleibt nach Angaben des Sozialministeriums hoch. Das Frauenhaus Weißenfels war im Jahr 2025 zu 74 Prozent ausgelastet.
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der aufgenommenen Frauen und Kinder betrug 73 Tage. Diese Zahl zeigt, dass es bei einem Aufenthalt häufig nicht nur um eine kurzfristige Übernachtungsmöglichkeit geht.
Betroffene benötigen Zeit, um ihre persönliche Situation zu ordnen, Behördenangelegenheiten zu klären, rechtliche Hilfe zu erhalten und eine sichere Wohnperspektive zu entwickeln. Sind Plätze über längere Zeit belegt, kann die Einrichtung neue Hilfesuchende nur eingeschränkt aufnehmen.
Notzimmer wurde regelmäßig benötigt
Einrichtungsleiterin Birgit Peterz begründet die Erweiterung mit der steigenden Zahl an Anfragen und Aufnahmen. Das bislang vorhandene Notzimmer sei regelmäßig genutzt worden.
Der zusätzliche Frauenplatz und die beiden neuen Kinderplätze kämen deshalb zum richtigen Zeitpunkt. Die Einrichtung könne künftig mehr Frauen aufnehmen, die von häuslicher Gewalt bedroht oder bereits betroffen seien.
Ein Notzimmer dient üblicherweise dazu, in akuten Situationen kurzfristig eine Unterbringung zu ermöglichen. Wird es dauerhaft oder regelmäßig benötigt, deutet dies darauf hin, dass die regulären Kapazitäten häufig an ihre Grenzen kommen.
Neuer Standort bietet rund 700 Quadratmeter
Das Frauenhaus war im vergangenen Jahr an einen neuen Standort umgezogen. Das Gebäude wurde im Rahmen des Bundesprogramms „Gemeinsam gegen Gewalt“ aus- und umgebaut.
Unterstützt wurde das Vorhaben durch die Kommune und den Träger der Einrichtung. Insgesamt stehen am neuen Standort rund 700 Quadratmeter zur Verfügung.
Der größere und barrierefreie Standort schafft die baulichen Voraussetzungen dafür, Frauen mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufzunehmen. Dazu gehören neben geeigneten Wohn- und Gemeinschaftsräumen auch Bereiche für Kinder, Beratungsgespräche und die tägliche Betreuung.
Die genaue Adresse eines Frauenhauses wird aus Sicherheitsgründen in der Regel nicht öffentlich genannt. Auch die Pressemitteilung enthält keine Standortangabe.
Personal wird ebenfalls aufgestockt
Mit zusätzlichen Betten allein ist eine Erweiterung des Schutzangebots nicht abgeschlossen. Frauenhäuser benötigen ausreichend qualifizierte Beschäftigte für Beratung, Begleitung, Krisenintervention und organisatorische Aufgaben.
Die neue Kapazität wird deshalb durch eine Aufstockung des Personals begleitet. Zugleich steigt die Förderung für das Frauenhaus Weißenfels im Jahr 2026 auf rund 200.000 Euro.
Das zusätzliche Geld soll dazu beitragen, die erweiterten Aufgaben dauerhaft abzusichern. Wie viele neue Personalstellen konkret geschaffen werden und wie sich die Fördersumme gegenüber dem Vorjahr verändert, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Sachsen-Anhalt verfügt über 19 Frauenhäuser
Im gesamten Land gibt es nach Angaben der Landesbeauftragten derzeit 19 Frauenhäuser mit zusammen 118 Schutzplätzen für Frauen.
Mit der Erweiterung in Weißenfels erhöht sich die Kapazität um einen weiteren Frauenplatz. Für die praktische Versorgung ist jedoch nicht nur die Gesamtzahl entscheidend.
Schutzsuchende benötigen Einrichtungen, die erreichbar sind, freie Plätze haben und auf besondere Anforderungen vorbereitet sind. Dazu gehören etwa körperliche Behinderungen, die Begleitung mehrerer Kinder oder ein erhöhter Unterstützungsbedarf.
Gerade deshalb besitzt das vollständig barrierefreie Angebot in Weißenfels eine besondere landesweite Funktion.
Schutz und Beratung gehen miteinander einher
Frauenhäuser bieten nicht nur eine sichere Unterkunft. Sie unterstützen Betroffene auch dabei, weitere Entscheidungen zu treffen und eine eigenständige Perspektive zu entwickeln.
Dazu können Gespräche mit Beratungsstellen, Kontakte zu Polizei und Justiz sowie Unterstützung bei Anträgen oder bei der Wohnungssuche gehören. Auch Kinder, die Gewalt in der Familie erlebt oder miterlebt haben, benötigen häufig besondere Begleitung.
Die Erweiterung in Weißenfels schafft damit nicht nur zusätzliche Schlafplätze. Sie erhöht zugleich die Möglichkeit, Frauen und Kinder in akuten Krisensituationen aufzunehmen und während der folgenden Wochen umfassend zu unterstützen.
Quellen
• Landesbeauftragte für Frauen- und Gleichstellungspolitik Sachsen-Anhalt: Pressemitteilung Nr. 142/26 „Einziges vollständig barrierefreies Frauenhaus in Sachsen-Anhalt erhält zusätzlichen Schutzplatz“, veröffentlicht am 7. August 2026.
• Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt: Angaben zur Förderung und Kapazitätserweiterung des Frauenhauses Weißenfels.