Der Regionalexpress RE3 zwischen Berlin und Stralsund stößt an stark nachgefragten Tagen an seine Kapazitätsgrenzen. Neue Doppelstockzüge sollen mehr Platz schaffen, doch ihre Auslieferung verzögert sich.
RE3 zwischen Berlin und Stralsund erreicht Kapazitätsgrenze
Besonders an Wochenenden nutzen viele Fahrgäste den RE3 für Reisen aus Berlin und Brandenburg an die Ostsee. Fahrräder, Kinderwagen und größeres Gepäck verschärfen die Platzprobleme. Auf den nördlichen Streckenabschnitten werden die Mehrzweckbereiche schnell knapp.
Eine aktuelle Fahrt zwischen Eberswalde und Angermünde zeigte die hohe Auslastung erneut. Für Reisende mit Fahrrädern ist eine Mitnahme nicht immer gesichert. Rollstühle und Kinderwagen besitzen in den Mehrzweckbereichen Vorrang.
Die Verbindung ist für Pendler, Urlauber und Tagesgäste gleichermaßen wichtig. Sie verknüpft Berlin mit Eberswalde, Angermünde, Prenzlau, Pasewalk, Greifswald und Stralsund. Dadurch bündelt die Linie sehr unterschiedliche Verkehrsbedürfnisse.
Stundentakt nach Stralsund startet im Dezember
Mit dem neuen Verkehrsvertrag Nord-Süd 2 soll das Angebot ab dem 12. Dezember 2026 ausgebaut werden. Der RE3 fährt dann stündlich und durchgehend zwischen Stralsund, Angermünde, Berlin, Luckenwalde und Lutherstadt Wittenberg. Bisher wechseln sich verschiedene Verbindungen und Linienangebote ab.
Der neue Takt soll vor allem die Reiseplanung vereinfachen. Mecklenburg-Vorpommern und die Metropolregion Berlin-Brandenburg erhalten eine engere Verbindung. Auch der Tourismus an der Ostseeküste soll profitieren.
Die Deutsche Bahn begründet den Ausbau mit der hohen Nachfrage. Das Deutschlandticket hat den Regionalverkehr zusätzlich gestärkt. Viele Fahrgäste nutzen den RE3 deshalb auch für längere Freizeitreisen.
Neue KISS-Züge für den RE3 verspäten sich
DB Regio hat zwölf neue Doppelstockzüge des Typs KISS beim Hersteller Stadler bestellt. Die Fahrzeuge sollten zum Start des neuen Verkehrsvertrags bereitstehen. Die Auslieferung verzögert sich jedoch.
Die Bahn hat deshalb ein Ersatzkonzept entwickelt. Zunächst sollen fünfteilige Doppelstockzüge mit elektrischen Lokomotiven eingesetzt werden. Der neue Stundentakt soll trotz der fehlenden Neufahrzeuge beginnen.
Ein Termin für den vollständigen Einsatz aller bestellten KISS-Züge wurde nicht genannt. Fahrgäste müssen daher zunächst mit älteren Fahrzeugen rechnen. Die geplanten Verbesserungen beim Komfort stehen erst später vollständig zur Verfügung.
RE3 erhält 575 Sitze und 84 Fahrradplätze
Jeder neue KISS-Zug besitzt fünf Wagen und 575 Sitzplätze. Damit steigt die Kapazität gegenüber dem bisherigen Angebot. Die Fahrzeuge bieten außerdem 84 Stellplätze für Fahrräder.
Für Rollstuhlnutzer sind zwei Plätze vorgesehen. Hinzu kommen drei Kinderwagenplätze und vier Toiletten. Unterschiedliche Einstiegshöhen sollen den Zugang an verschiedenen Bahnsteigen erleichtern.
Mobilfunkdurchlässige Scheiben sollen die Verbindung während der Fahrt verbessern. An jedem Sitzplatz sind Steckdosen geplant. Größere Bildschirme informieren über den Reiseverlauf und mögliche Anschlussverbindungen.
Die 84 Fahrradplätze bieten mehr Raum. Sie garantieren jedoch auch künftig keine Mitnahme bei sehr hoher Nachfrage. Sicherheitsregeln und der Vorrang mobilitätseingeschränkter Fahrgäste bleiben bestehen.
Fahrgäste brauchen bis zum Ausbau Geduld
Die aktuelle Lage zeigt die wachsende Nachfrage nach direkten Bahnverbindungen zur Ostsee. Mehr Fahrgäste sind grundsätzlich ein Erfolg für den öffentlichen Verkehr. Ohne ausreichende Kapazität sinkt jedoch die Zuverlässigkeit des Angebots.
Der geplante Stundentakt kann die Reisenden besser auf mehrere Verbindungen verteilen. Entscheidend ist eine stabile Durchführung ohne häufige Ausfälle oder verkürzte Züge. Das Ersatzkonzept muss diesen Anspruch ab Dezember erfüllen.
Bis zum Fahrplanwechsel bleibt die Situation angespannt. Reisende mit Fahrrädern sollten besonders stark nachgefragte Verbindungen meiden oder mit einer abgelehnten Mitnahme rechnen. Dauerhafte Entlastung entsteht erst durch häufigere Fahrten und größere Fahrzeuge.
Quellen
Quelle: Deutsche Bahn AG, DB Regio Nordost; Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg; Rundfunk Berlin-Brandenburg