Sechs speziell ausgewählte Lehrkräfte aus Usbekistan haben an der Universitätsmedizin Rostock ihre fachlichen und didaktischen Kenntnisse vertieft. Sie sollen nun in ihrem Heimatland weitere Ausbilder qualifizieren und damit die Pflegeausbildung nach deutschen Standards weiterentwickeln.

Das Präsenzseminar „Train the Trainer“ fand an der Höheren Berufsfachschule der Universitätsmedizin Rostock statt. Es endete am 31. Juli mit einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung.

Begleitet wurden die sechs Trainerinnen und Trainer von Vertretern der usbekischen Berufsbildungs- und Migrationsbehörden. Ein interprofessionelles Dozententeam aus Medizinpädagogik, Praxisanleitung, Betriebswirtschaft und Management führte durch das Programm.

Lehrkräfte geben ihr Wissen in Usbekistan weiter

Die in Rostock geschulten Teilnehmer sollen künftig weitere Lehrkräfte in Usbekistan ausbilden. Über diese sollen die vermittelten Standards schließlich Hunderte angehende Pflegefachkräfte erreichen.

Das Seminar steht unter der Schirmherrschaft von Annett Laban, Pflegevorstand der Universitätsmedizin Rostock. Das Programm wird fortlaufend ausgewertet und weiterentwickelt.

Ziel ist es, die Ausbildung usbekischer Pflegefachkräfte konsequent an deutschen Anforderungen auszurichten.

Kapazität wächst auf 1.500 Ausbildungsplätze

Das Seminar ist Teil eines staatlich geförderten Ausbildungsprogramms der German Medical Academy in Usbekistan. Betrieben wird es von Globogate gemeinsam mit der usbekischen Agentur für Berufsbildung und der Migrationsagentur des Landes.

Der erste Jahrgang mit 700 Studierenden an 15 medizinischen Fachschulen begann Ende Oktober 2025 seine dreijährige Ausbildung. Der Abschluss ist für Juni 2028 vorgesehen.

Für das Studienjahr 2026/2027 wurde die Kapazität auf 1.500 Plätze an 20 Fachschulen erweitert. Alle Studierenden erhalten nach Angaben der Projektpartner ein staatlich finanziertes Vollstipendium.

Ausbildung erfolgt zunächst im Heimatland

Das Programm orientiert sich am Modell der sogenannten Global Skills Partnership. Dabei werden Fachkräfte zunächst in ihrem Heimatland ausgebildet.

Sie erwerben dort einen vollwertigen Berufsabschluss. Gleichzeitig wird ihre Qualifikation so gestaltet, dass sie später in Deutschland anerkannt werden kann.

Die Studierenden absolvieren dafür ein eigens entwickeltes deutsches Ergänzungscurriculum. Konzept und Lehrplan entstanden gemeinsam mit der Uniklinik RWTH Aachen.

Nachqualifizierung in Deutschland soll entfallen

Das Ausbildungsmodell soll verhindern, dass internationale Pflegefachkräfte nach ihrer Einreise langwierige Nachqualifizierungen absolvieren müssen.

Statt einzelne fertig ausgebildete Kräfte anzuwerben, sollen bereits Lehrkräfte und Ausbildungseinrichtungen im Herkunftsland nach deutschen Standards qualifiziert werden.

Caren Erdmann, Referentin des Pflegevorstandes der Universitätsmedizin Rostock, bezeichnete Ausbildung als eine Verantwortung, die nicht an Ländergrenzen ende. Die Weiterbildung der usbekischen Lehrkräfte wirke weit über Rostock hinaus und stärke langfristig den Pflegeberuf.

Globogate-Geschäftsführer Alexander Rhode erklärte, das Programm unterscheide sich von einer reinen Anwerbung. Es würden nicht nur einzelne Fachkräfte vermittelt, sondern ein fachlicher Standard weitergegeben.

Anerkennung beeinflusst Verbleib und Einkommen

Welche Bedeutung die berufliche Anerkennung für internationale Pflegekräfte hat, untersucht Globogate seit 2020 mit einem Integrationsbarometer.

Die Langzeitbefragung soll zeigen, wie Anerkennungsverfahren den Verbleib in Deutschland und die Gehaltsentwicklung internationaler Beschäftigter beeinflussen. Zugleich sollen Schwachstellen im deutschen System sichtbar gemacht werden.

Quellen

Universitätsmedizin Rostock und Globogate – Pressemitteilung „Usbekische Lehrkräfte an der Universitätsmedizin Rostock: Auftakt für eine Pflegeausbildung nach deutschem Standard“, veröffentlicht im August 2026.