Die Welterbestadt Quedlinburg bekommt eine neue kommunale Stadtbibliothek. Im denkmalgeschützten Carl-Ritter-Bildungshaus soll ein moderner Lern-, Kultur- und Begegnungsort für Einwohner der Stadt und des Umlandes entstehen.

Staats- und Kulturminister Rainer Robra überreichte dafür einen Fördermittelbescheid des Landes Sachsen-Anhalt über 55.500 Euro. Das Geld fließt in die bauliche Instandsetzung der Räume und in die Erstausstattung der neuen Einrichtung.

Die Gesamtkosten des Vorhabens werden derzeit auf rund 111.000 Euro geschätzt. Damit übernimmt das Land voraussichtlich die Hälfte der Aufwendungen.

Ersatz für geschlossene Kreisbibliothek

Die neue Stadtbibliothek soll das Angebot der früheren Kreisbibliothek Harz ersetzen. Diese befand sich ebenfalls im Carl-Ritter-Bildungshaus und wurde Ende Dezember 2025 geschlossen.

Nach Angaben der Stadt hatte sich der Landkreis Harz in den vorangegangenen Jahren schrittweise aus der Finanzierung der Einrichtung zurückgezogen.

Mit der neuen kommunalen Bibliothek übernimmt Quedlinburg nun selbst Verantwortung dafür, dass Einwohner weiterhin vor Ort Zugang zu Büchern, Medien, Bildungsangeboten und Veranstaltungen erhalten.

Räume werden modernisiert und neu ausgestattet

Die Landesmittel sollen sowohl für bauliche Arbeiten als auch für die technische und funktionale Ausstattung verwendet werden.

Die Räume müssen an heutige bibliothekarische Anforderungen angepasst werden. Dazu gehören voraussichtlich geeignete Regalsysteme, Arbeits- und Leseplätze, zeitgemäße Technik sowie Bereiche für Veranstaltungen, Bildungsangebote und Begegnungen.

Konkrete Angaben zum Umfang des künftigen Medienbestandes, zu Öffnungszeiten oder zu einem geplanten Eröffnungstermin enthält die Mitteilung noch nicht.

Bibliothek soll mehr als Bücher anbieten

Kulturminister Robra betonte bei der Übergabe die Bedeutung kommunaler Bibliotheken für die kulturelle Grundversorgung.

Bibliotheken seien nicht nur Orte der Literatur und des Lesens, sondern auch Räume für Debatte, Vermittlung und gesellschaftliche Begegnung. Menschen unterschiedlicher Altersgruppen könnten dort zusammenkommen, lernen und sich austauschen.

Mit der Förderung investiere die Landesregierung in die Kultur- und Bildungsinfrastruktur Sachsen-Anhalts.

Lern- und Begegnungsort für alle Generationen

Auch Quedlinburgs Oberbürgermeister Frank Ruch sieht in der neuen Stadtbibliothek mehr als eine klassische Ausleihstelle.

Die Einrichtung solle ein lebendiger Lern- und Begegnungsraum für die Welterbestadt werden. Bildung, Kultur und gesellschaftlicher Zusammenhalt sollen dort miteinander verbunden werden.

Ruch bezeichnete das Projekt als wichtigen Schritt für die Zukunft Quedlinburgs. Die Landesförderung ermögliche es, die Stadtbibliothek als modernen Wissens- und Kulturort für alle Generationen aufzubauen.

Bedeutung für das Umland

Die Schließung der Kreisbibliothek betraf nicht nur Einwohner Quedlinburgs. Auch Menschen aus umliegenden Gemeinden nutzten die Einrichtung.

Die neue Stadtbibliothek dürfte deshalb weiterhin eine überörtliche Bedeutung besitzen. Gerade in ländlicheren Regionen sind Bibliotheken häufig wichtige Anlaufstellen für Schüler, Familien, ältere Menschen und Bürger ohne eigenen Zugang zu umfangreichen digitalen oder gedruckten Medienangeboten.

Ob und in welchem Umfang Kooperationen mit dem Landkreis oder benachbarten Gemeinden vorgesehen sind, wurde noch nicht mitgeteilt.

Denkmalgeschütztes Gebäude erhält neue Nutzung

Das Carl-Ritter-Bildungshaus ist ein denkmalgeschütztes Gebäude. Die Einrichtung der Bibliothek verbindet deshalb Kulturförderung mit dem Erhalt und der Nutzung historischer Bausubstanz.

Bei den Arbeiten müssen moderne technische und funktionale Anforderungen mit den Vorgaben des Denkmalschutzes in Einklang gebracht werden.

Die weitere Nutzung des Gebäudes als Bildungsstandort kann dazu beitragen, es dauerhaft zu erhalten und öffentlich zugänglich zu machen.

Kommunen übernehmen zunehmend kulturelle Aufgaben

Der Fall Quedlinburg zeigt zugleich, wie sich Zuständigkeiten bei Kultur- und Bildungseinrichtungen verschieben können.

Nachdem sich der Landkreis aus der Finanzierung der früheren Kreisbibliothek zurückgezogen hatte, musste die Stadt entscheiden, ob und wie ein Bibliotheksangebot erhalten werden kann.

Solche Aufgaben stellen Kommunen vor finanzielle Herausforderungen. Bibliotheken verursachen nicht nur einmalige Kosten für Umbau und Ausstattung, sondern auch laufende Ausgaben für Personal, Medienanschaffungen, Energie, Technik und Veranstaltungen.

Die Landesförderung erleichtert den Start. Für den dauerhaften Betrieb bleibt jedoch eine verlässliche kommunale Finanzierung notwendig.

Bibliotheken als Teil der Daseinsvorsorge

Bibliotheken zählen in der Regel zu den freiwilligen kommunalen Leistungen. Sie sind also nicht in gleicher Weise gesetzlich vorgeschrieben wie bestimmte Verwaltungs- oder Sicherheitsaufgaben.

Dennoch besitzen sie für Bildung und gesellschaftliches Leben eine große Bedeutung.

Sie ermöglichen den Zugang zu Literatur, Zeitungen, digitalen Medien und Informationen. Darüber hinaus bieten viele Bibliotheken Lesungen, Kurse, Schülerangebote und Unterstützung beim Umgang mit digitalen Anwendungen an.

Gerade für Kinder und Jugendliche können Bibliotheken einen niedrigschwelligen Zugang zu Bildung und Kultur schaffen.

Noch offene Fragen zum neuen Angebot

Bis zur Eröffnung müssen mehrere Einzelheiten geklärt werden.

Dazu gehören unter anderem:

  • der genaue Eröffnungstermin,
  • die künftigen Öffnungszeiten,
  • die Größe des Medienbestandes,
  • digitale Ausleihangebote,
  • die personelle Besetzung,
  • Veranstaltungen und Bildungsprogramme,
  • mögliche Kooperationen mit Schulen und Kitas,
  • die Nutzung durch Einwohner des Umlandes.

Auch die Frage, welche Bestände der früheren Kreisbibliothek übernommen werden können, bleibt nach der vorliegenden Mitteilung offen.

Förderung deckt Hälfte der Kosten

Die Gesamtkosten für Instandsetzung und Erstausstattung werden auf etwa 111.000 Euro geschätzt.

Mit 55.500 Euro übernimmt das Land genau die Hälfte dieser Summe. Die übrigen Kosten müssen durch die Stadt oder weitere Finanzierungsquellen getragen werden.

Ob es zusätzliche Fördermittel, Spenden oder andere Beiträge gibt, wurde bislang nicht mitgeteilt.

Fazit

Quedlinburg richtet im Carl-Ritter-Bildungshaus eine neue Stadtbibliothek ein und reagiert damit auf die Schließung der früheren Kreisbibliothek Harz.

Das Land Sachsen-Anhalt beteiligt sich mit 55.500 Euro an der baulichen Instandsetzung und Erstausstattung. Insgesamt soll das Projekt rund 111.000 Euro kosten.

Die neue Bibliothek soll ein moderner Ort für Literatur, Bildung, Begegnung und gesellschaftlichen Austausch werden. Entscheidend wird sein, dass neben dem Umbau auch der dauerhafte Betrieb personell und finanziell gesichert wird.

Quelle

– Staatskanzlei und Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt: Presseinformation zur Förderung der neuen Stadtbibliothek in Quedlinburg, Juli 2026.