Günstigere Bus- und Bahnpreise, mehr Bäume, bessere Radwege – aber auch höhere Hundesteuern, teureres Parken und weniger Rathauspersonal: Der Potsdamer Bürgerhaushalt für 2027 und 2028 geht mit 40 sehr unterschiedlichen Vorschlägen in die nächste Runde. Sie wurden aus insgesamt 707 eingereichten Ideen ausgewählt. Ab dem 7. September dürfen die Einwohner entscheiden, welche Forderungen politisch weiterverfolgt werden sollen.
Rund 2.200 Menschen beteiligten sich an erster Runde
Der Dialog zum Doppelhaushalt begann am 18. Mai.
Bis zum 3. Juli gingen insgesamt 707 Vorschläge bei der Stadt ein.
Die Ideen wurden während der Vorauswahl 560-mal kommentiert und zusammen 25.764-mal unterstützt.
Nach Angaben der Stadt beteiligten sich rund 2.200 Menschen an dieser ersten Phase.
Ein Redaktionsteam aus Einwohnern, Stadtverordneten und Verwaltungsmitarbeitern sichtete anschließend die Vorschläge.
20 Forderungen wollen zusätzliche Ausgaben
Die jetzt veröffentlichte Auswahl ist bewusst in zwei Gruppen geteilt.
Die ersten 20 Vorschläge betreffen Ausgaben und konkrete Projekte.
Dazu gehört die Forderung, die Sportförderung zu sichern und vorhandene Sportstätten besser auszulasten.
Weitere Vorschläge verlangen eine verlässliche Finanzierung von Begegnungsstätten und Ehrenamt sowie den Erhalt und Ausbau der Kinder- und Jugendarbeit.
Auch die Modernisierung des Bürgertreffs und der Zweigbibliothek Waldstadt steht auf der Liste.
Rechenzentrum steht erneut auf der Bürgerliste
Ein besonders politisch sensibles Thema hat es ebenfalls in die Top 40 geschafft.
Bürger fordern den Erhalt und die Sanierung des Rechenzentrums.
Das ehemalige DDR-Gebäude wird von zahlreichen Künstlern und Kreativen genutzt und gehört seit Jahren zu den am stärksten diskutierten Orten der Potsdamer Mitte.
Daneben verlangen Teilnehmer niedrigere Preise für Busse und Bahnen.
Auch mehr Bäume, zusätzliche Wildblumenwiesen, sichere Geh- und Radwege, öffentliche Toiletten sowie mehr Trinkwasserbrunnen und sogenannte Cooling-Points gehören zu den Vorschlägen.
Auch Forderungen nach höheren Steuern stehen zur Wahl
Die zweite Hälfte der Liste beschäftigt sich mit der Frage, wie Potsdam Geld sparen oder zusätzliche Einnahmen erzielen könnte.
Dort werden teilweise deutlich unpopulärere Maßnahmen vorgeschlagen.
Eine Idee sieht vor, die Zweitwohnungssteuer zu erhöhen.
Auch höhere Einnahmen aus Parkgebühren werden genannt.
Weitere Vorschläge fordern eine höhere Vergnügungssteuer für Spielhallen und eine Erhöhung der Hundesteuer.
Sogar eine Abgabe für unbebaute Baugrundstücke findet sich unter den 40 Ideen.
Bürger schlagen Personalabbau im Rathaus vor
Mehrere Vorschläge betreffen direkt die Stadtverwaltung.
Gefordert wird unter anderem, Verwaltungskosten zu senken und den städtischen Fuhrpark zu verkleinern.
Ein Vorschlag verlangt, das Rathauspersonal schrittweise zu reduzieren.
Ein anderer sieht vor, die Verwaltung zwischen Weihnachten und Neujahr zu schließen.
Auch ein Wechsel von Softwarelösungen zur Verringerung von Lizenzkosten steht auf der Liste.
Damit müssen die Bürger nicht nur über attraktive Investitionen entscheiden, sondern auch über mögliche Sparmaßnahmen.
Touristen sollen sich stärker an Kosten beteiligen
Eine weitere Idee betrifft den Tourismus.
Potsdam zählt zu den meistbesuchten Städten Brandenburgs und trägt gleichzeitig hohe Kosten für Infrastruktur, Reinigung und öffentliche Räume.
Ein Vorschlag fordert deshalb, Besucher beziehungsweise die Tourismuswirtschaft stärker an städtischen Kosten zu beteiligen.
Wie eine solche Regelung konkret aussehen könnte, ist noch offen.
Zunächst erstellt die Verwaltung für alle 40 Vorschläge fachliche Einschätzungen.
Darin sollen Umsetzbarkeit, Kosten und zeitlicher Rahmen bewertet werden.
Abstimmung beginnt am 7. September
Die zweite Beteiligungsrunde läuft vom 7. September bis zum 8. November.
Teilnehmen dürfen Einwohner mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in Potsdam.
In den beiden Kategorien können jeweils bis zu fünf Stimmen vergeben werden.
Damit lassen sich sowohl bevorzugte Ausgabenprojekte als auch favorisierte Finanzierungs- oder Sparvorschläge auswählen.
Die 20 Ideen mit der größten Unterstützung sollen Anfang Dezember gemeinsam mit dem Entwurf des Doppelhaushalts 2027/28 an die Stadtverordnetenversammlung gehen.
Bürger bestimmen Prioritäten – entscheiden aber nicht allein
Der Bürgerhaushalt ist kein verbindliches Referendum.
Auch ein stark unterstützter Vorschlag wird nicht automatisch umgesetzt.
Die endgültigen Haushaltsentscheidungen treffen die Stadtverordneten.
Dennoch zeigt das Verfahren sehr konkret, welche Themen die Potsdamer beschäftigen.
Die Liste reicht von klassischen Forderungen nach besseren öffentlichen Leistungen bis zu Einschnitten und höheren Abgaben.
Gerade deshalb dürfte die Abstimmung im Herbst auch zu einem Stimmungsbild darüber werden, wo Potsdams Einwohner in finanziell schwierigen Zeiten ihre Prioritäten setzen.
Quellen
Landeshauptstadt Potsdam – Pressemitteilung Nr. 342 vom 31. Juli 2026 „Dialog zum Haushalt 2027/28: Aus 707 Ideen werden 40 Vorschläge“