Filmplakate, Kostüme und bekannte Szenen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Mit seiner neuen Sonderausstellung zum 80. Geburtstag der DEFA richtet das Filmmuseum Potsdam den Blick auf das Leben, das hinter den Filmen sichtbar wird: auf Arbeit und Familie, Liebe und Aufbruch, Anpassung und Widerspruch.
Mehr als eine Schau berühmter Filme
Die Ausstellung trägt den Titel „Ohne Frühstück. Ohne Diskussion – 80 Jahre DEFA-Filme“ und wurde am 23. Juli im Filmmuseum Potsdam eröffnet. Sie beschäftigt sich mit unterschiedlichen Lebensbereichen in der DDR und mit der Frage, wie diese auf der Leinwand dargestellt wurden.
Damit geht die Schau über eine reine Jubiläumsausstellung hinaus. Sie erinnert nicht nur an Schauspieler, Regisseure und große Publikumserfolge, sondern zeigt auch, wie eng Film und gesellschaftlicher Alltag miteinander verbunden waren.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem:
- Arbeit, Wohnen und Familienleben in der DDR,
- persönliche Wünsche und gesellschaftliche Erwartungen,
- Liebe, Freundschaft und individuelle Freiheit,
- Konflikte zwischen Alltagserfahrung und staatlichem Anspruch,
- die Wirkung der Filme bis in die Gegenwart.
Die Ausstellung setzt damit dort an, wo viele DEFA-Produktionen besonders stark waren: bei Figuren, deren Leben nicht reibungslos verlief. Ihre Geschichten handelten von Nähe und Verlust, von Anpassung, Widerstand und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben.
Filme als Spiegel ihrer Zeit
Die DEFA wurde 1946 gegründet und prägte die Filmproduktion in der DDR über Jahrzehnte. Potsdam und Babelsberg waren dabei nicht nur Produktionsorte. Die Geschichte des Unternehmens gehört bis heute zur Identität der Stadt als Filmstandort.
„Die DEFA ist ein unverzichtbarer Teil der Potsdamer Identität als Filmstadt“, erklärte Oberbürgermeisterin Noosha Aubel zur Eröffnung.
Nach ihren Worten soll die Ausstellung nicht allein das filmische Erbe würdigen, sondern auch neue Perspektiven auf Geschichte und Wirkung der Produktionen eröffnen. Film sei mehr als Unterhaltung: Er schaffe Identität, stärke den Wirtschaftsstandort und mache Potsdam überregional sichtbar.
Gerade darin liegt die Spannung der Ausstellung. DEFA-Filme waren Teil eines staatlich kontrollierten Kulturbetriebs. Zugleich entstanden Werke, die gesellschaftliche Widersprüche erstaunlich genau beobachteten. Manche Produktionen fanden ein großes Publikum, andere wurden verändert, verzögert oder verboten.
Die Ausstellung lädt deshalb auch dazu ein, genauer hinzusehen: Welche Lebenswirklichkeit durfte auf die Leinwand? Wo zeigten Filmschaffende Risse im offiziellen Bild der DDR? Und warum wirken einzelne Figuren und Konflikte noch Jahrzehnte später vertraut?
Potsdam stellt 2026 seine Filmgeschichte heraus
Die neue Schau ist Teil des Potsdamer Filmjahres 2026. Die Landeshauptstadt unterstützt die Ausstellung und verbindet sie mit weiteren Veranstaltungen, Führungen und Projekten zur Geschichte des Filmstandorts. Potsdam trägt seit 2019 den Titel UNESCO Creative City of Film.
Auch außerhalb des Museums soll die Filmgeschichte sichtbarer werden. Auf dem Boulevard des Films in der Brandenburger Straße entsteht ein weiterer Abschnitt. Dort soll künftig auch eine Platte an den DEFA-Film „Ich war neunzehn“ von 1968 erinnern, der in einer Potsdamer Abstimmung zum Lieblingsfilm gewählt wurde.
Weitere Angebote des Filmjahres sind:
- eine Filmrallye für Kinder durch Potsdam,
- Führungen zu bekannten Drehorten,
- Rundgänge durch die Medienstadt Babelsberg,
- eine begleitende Film- und Veranstaltungsreihe,
- ein DEFA-Galakonzert am 3. Oktober im Nikolaisaal.
Die Sonderausstellung und das begleitende Programm sollen bis zum 2. Mai 2027 laufen. Damit bleibt genügend Zeit, die DEFA nicht nur als historisches Filmstudio zu betrachten, sondern als Teil einer Kulturgeschichte, die in Potsdam und Ostdeutschland bis heute nachwirkt.
Quellen & Datenbasis
- Landeshauptstadt Potsdam: Pressemitteilung „Potsdam als Filmstadt: Landeshauptstadt unterstützt neue Sonderausstellung im Filmmuseum“, 23. Juli 2026
- Landeshauptstadt Potsdam: Informationen zum Potsdamer Filmjahr und zum 80. Jubiläum der DEFA
- Filmmuseum Potsdam: Sonderausstellung „Ohne Frühstück. Ohne Diskussion – 80 Jahre DEFA-Filme“