Die Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern haben im ersten Halbjahr 2026 rund 150.000 Bußgeldverfahren wegen Verkehrsverstößen bearbeitet. In vier von sechs Kreisen lagen die Einnahmen unter dem Niveau des Vorjahres. Besonders deutlich fiel der Rückgang in Ludwigslust-Parchim aus: Dort sanken die Einnahmen von rund vier Millionen auf etwa 2,3 Millionen Euro.

Ludwigslust-Parchim meldet stärksten Rückgang

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim wurden von Januar bis Ende Juni rund 17.500 Bußgeldverfahren registriert. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch etwa 26.000 Verfahren.

Die Einnahmen gingen damit nahezu um die Hälfte zurück. Rund 90 Prozent der geahndeten Verstöße betrafen nach Angaben des Landkreises überhöhte Geschwindigkeit. Die Verkehrsüberwachung des Kreises kontrolliert dabei nicht nur Kreis- und Landesstraßen, sondern auch Bundesstraßen und Autobahnabschnitte.

Auch Rostock und Vorpommern-Rügen nehmen weniger ein

Der Landkreis Rostock bearbeitete im ersten Halbjahr knapp 41.000 Verfahren. Das waren etwa 13,7 Prozent weniger als zwischen Januar und Juni 2025. Die Einnahmen sanken von rund zwei Millionen auf etwa 1,9 Millionen Euro.

In Vorpommern-Rügen gingen die Einnahmen von rund 1,6 Millionen auf etwa 1,5 Millionen Euro zurück. Die Zahl der Verfahren verringerte sich dort von knapp 16.000 auf rund 13.800.

Auch Nordwestmecklenburg meldete ein Minus. Dort sanken die Einnahmen von rund 1,2 Millionen auf etwa 1,1 Millionen Euro. Gleichzeitig ging die Zahl der Verfahren von ungefähr 30.000 auf 26.000 zurück.

Vorpommern-Greifswald verzeichnet deutliches Plus

Ganz anders entwickelte sich die Lage im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Dort stiegen die Einnahmen aus Bußgeldverfahren um rund 30 Prozent – von etwa 1,8 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025 auf rund 2,6 Millionen Euro im laufenden Jahr.

Auch die Zahl der bearbeiteten Verfahren nahm erheblich zu. Sie stieg von ungefähr 35.000 auf rund 55.000. Warum der Anstieg dort so stark ausfiel, geht aus den veröffentlichten Zahlen nicht eindeutig hervor.

Für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte lagen Anfang August noch keine aktuellen Halbjahreszahlen vor. Diese sollen erst in den kommenden Wochen veröffentlicht werden.

Sinkende Einnahmen bedeuten nicht automatisch weniger Kontrollen

Aus den Einnahmen allein lässt sich nicht ablesen, wie intensiv die Landkreise kontrolliert haben. Denkbar ist, dass weniger Verstöße festgestellt wurden, Messstellen zeitweise nicht eingesetzt werden konnten oder die Überschreitungen im Durchschnitt geringer ausfielen.

Auch die Höhe eines Bußgeldes richtet sich nach Art und Schwere des Verstoßes. Einnahmen und Verfahrenszahlen können sich deshalb unterschiedlich entwickeln.

Kontrollen verursachen selbst hohe Kosten

Bußgeldeinnahmen dürfen nicht mit einem kommunalen Reingewinn gleichgesetzt werden. Nordwestmecklenburg bezifferte die jährlichen Ausgaben für Messtechnik und Personal auf rund zwei Millionen Euro.

Hinzu kommen Kosten für Wartung, Auswertung, Verwaltung, Zustellung und mögliche Rechtsverfahren. Der Landkreis betont deshalb, dass die Kontrollen nicht dazu dienten, möglichst hohe Einnahmen zu erzielen. Im Mittelpunkt stehe die Verkehrssicherheit.

Auch Ludwigslust-Parchim erklärt, dass Einnahmen aus der Verkehrsüberwachung unter anderem für Projekte und Aktivitäten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit eingesetzt werden.

Kommunen sollten Kosten und Einnahmen transparenter darstellen

Die unterschiedlichen Entwicklungen zeigen, dass reine Einnahmensummen nur einen begrenzten Aussagewert besitzen. Für eine sachliche Bewertung wären zusätzlich die Zahl der Messstunden, die Zahl der eingesetzten Anlagen, Personal- und Betriebskosten sowie die Schwere der festgestellten Verstöße erforderlich.

Eine solche Gesamtdarstellung könnte auch den häufigen Vorwurf entkräften, Geschwindigkeitskontrollen dienten vor allem der Finanzierung kommunaler Haushalte. Zugleich ließe sich nachvollziehen, ob Kontrollen tatsächlich an Unfallschwerpunkten und gefährlichen Straßenabschnitten stattfinden.

Quellen

Landkreis Ludwigslust-Parchim, Informationen des Fachdienstes Verkehrsüberwachung, abgerufen am 1. August 2026

Landkreis Vorpommern-Rügen, Informationen zu Strafen und Bußgeldern im Straßenverkehr, abgerufen am 1. August 2026