Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juli 2026 wieder über die Marke von drei Millionen gestiegen. Bundesweit waren 3.007.203 Menschen ohne Arbeit. Auch in allen ostdeutschen Flächenländern nahm die Arbeitslosigkeit gegenüber Juni zu. Im Vergleich zum Vorjahr zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Juli rund 71.000 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als einen Monat zuvor. Gegenüber Juli 2025 stieg die Zahl um rund 28.000. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 6,2 auf 6,4 Prozent.
Der monatliche Anstieg ist zum Teil jahreszeitlich bedingt. Nach dem Ende von Schule und Ausbildung melden sich viele junge Menschen vorübergehend arbeitslos. Gleichzeitig stellen Unternehmen während der Ferienzeit häufig weniger Personal ein.
Doch die Bundesagentur verweist auch auf eine anhaltend schwache Grundentwicklung. Die Chancen, eine bestehende Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Beschäftigung zu beenden, seien historisch niedrig. Zudem bleibe die gemeldete Nachfrage nach Arbeitskräften verhalten.
Sachsen verzeichnet stärksten Anstieg zum Vorjahr
In Sachsen waren im Juli 155.078 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 5.108 mehr als im Juni und 2.967 mehr als im Juli des vergangenen Jahres.
Die Arbeitslosenquote stieg von 7,0 auf 7,2 Prozent. Nach Angaben der Regionaldirektion war dies der höchste Juli-Wert seit 2016. Besonders hoch fiel die Quote in Chemnitz mit 10,1 Prozent aus. In Leipzig lag sie bei 9,1 Prozent, in Dresden bei 7,2 Prozent.
Damit entwickelte sich Sachsen im Vorjahresvergleich schwächer als die übrigen ostdeutschen Flächenländer. Während in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern weniger Menschen arbeitslos waren als vor einem Jahr, stieg die Zahl im Freistaat um zwei Prozent.
Sachsen-Anhalt nahezu auf Vorjahresniveau
In Sachsen-Anhalt waren 89.916 Frauen und Männer arbeitslos. Gegenüber Juni stieg die Zahl um 2.585 beziehungsweise drei Prozent.
Im Vergleich zum Juli 2025 blieb die Entwicklung dagegen nahezu unverändert: Es waren lediglich zwölf Menschen mehr arbeitslos gemeldet. Die Quote stieg innerhalb eines Monats von 7,9 auf 8,1 Prozent und entsprach damit dem Wert des Vorjahres.
Regional bleibt die Lage unterschiedlich. In Halle lag die Arbeitslosenquote im Juli bei 10,2 Prozent. Dort waren 12.809 Menschen ohne Arbeit, 117 mehr als vor einem Jahr. Im Burgenlandkreis stieg die Quote auf 7,5 Prozent.
Thüringen unter dem Vorjahreswert
Thüringen verzeichnete gegenüber Juni zwar einen deutlichen saisonalen Anstieg, schnitt im Jahresvergleich aber besser ab.
Im Juli waren 71.152 Menschen arbeitslos. Das waren 2.767 beziehungsweise vier Prozent mehr als im Vormonat. Gegenüber Juli 2025 sank die Zahl jedoch um 811 Personen oder 1,1 Prozent.
Die Arbeitslosenquote lag bei 6,5 Prozent und damit genauso hoch wie vor einem Jahr. Saisonbereinigt erhöhte sich die Arbeitslosigkeit lediglich um rund 200 Personen.
Ein positives Signal kam von den Stellenmeldungen: Thüringer Unternehmen meldeten im Juli 3.503 neue Arbeitsstellen. Das waren 10,4 Prozent mehr als im Juni und 6,9 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Seit Jahresbeginn wurden rund 23.920 neue Stellen gemeldet – ein Plus von 11,5 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Mecklenburg-Vorpommern mit weniger Arbeitslosen als 2025
Auch Mecklenburg-Vorpommern lag im Juli unter seinem Vorjahreswert.
Im Land waren rund 63.500 Menschen arbeitslos gemeldet. Gegenüber Juli 2025 sank die Zahl um rund 900 beziehungsweise 1,4 Prozent.
Die Arbeitslosenquote betrug 7,8 Prozent. Im Juli des vergangenen Jahres hatte sie noch bei 7,9 Prozent gelegen. Gegenüber Juni 2026 erhöhte sich die Quote allerdings um 0,2 Prozentpunkte.
Der monatliche Anstieg konzentrierte sich unter anderem auf junge Menschen. Nach dem Ende von Schule und Ausbildung waren rund 500 unter 25-Jährige mehr arbeitslos als im Juni.
Brandenburg bei 87.546 Arbeitslosen
In Brandenburg waren im Juli 87.546 Menschen ohne Arbeit. Gegenüber dem Vormonat bedeutete das einen Anstieg um 2.105 Personen.
Die Arbeitslosenquote stieg von 6,3 auf 6,4 Prozent. Auch gegenüber Juli 2025 erhöhte sie sich um 0,1 Prozentpunkte. Als eine Ursache nennt die Arbeitsagentur den 30. Juni als häufiges Kündigungs- und Vertragsende.
Damit liegt Brandenburg bei der Arbeitslosenquote unter Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, aber knapp über Thüringen.
Berlin bleibt deutlich über zehn Prozent
Auch in Berlin nahm die Arbeitslosigkeit zu. Zum Monatsende waren 223.863 Menschen arbeitslos gemeldet – rund 3.400 mehr als im Juni.
Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 10,2 auf 10,4 Prozent. Damit verzeichnet Berlin weiterhin die mit Abstand höchste Quote unter den ostdeutschen Bundesländern.
Der Osten im Vergleich
Die Arbeitslosenquoten im Juli 2026:
- Berlin: 10,4 Prozent
- Sachsen-Anhalt: 8,1 Prozent
- Mecklenburg-Vorpommern: 7,8 Prozent
- Sachsen: 7,2 Prozent
- Thüringen: 6,5 Prozent
- Brandenburg: 6,4 Prozent
Der monatliche Anstieg erfasste damit den gesamten Osten. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Bild jedoch nicht einheitlich: Sachsen und Brandenburg verzeichneten eine Verschlechterung, Sachsen-Anhalt stagnierte weitgehend. Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern meldeten dagegen weniger Arbeitslose als im Juli 2025.
Wirtschaftliche Unsicherheit bremst Neueinstellungen
Die saisonalen Gründe erklären nur einen Teil der Entwicklung. Die Bundesagentur sieht weiterhin strukturelle Probleme. Unternehmen seien bei Neueinstellungen zurückhaltend, während die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zuletzt rückläufig gewesen sei.
Im Juli waren bundesweit rund 653.000 offene Arbeitsstellen bei der Bundesagentur gemeldet. Trotz eines Anstiegs gegenüber dem Vorjahr bleibt die Nachfrage nach Arbeitskräften nach Einschätzung der Behörde schwach.
Zugleich zeigt Thüringen, dass sich einzelne Bereiche gegen den allgemeinen Trend entwickeln können. Dort wurden zuletzt deutlich mehr neue Stellen gemeldet. Für eine echte Entwarnung reicht dies jedoch nicht: Langzeitarbeitslose und Menschen ohne Berufsabschluss haben weiterhin besonders geringe Chancen auf eine schnelle Rückkehr in Beschäftigung.
Quellen
- Bundesagentur für Arbeit: Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt, Juli 2026.
- Regionaldirektionen und Statistik der Bundesagentur für Arbeit für Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.
- Regionaldaten für Brandenburg und Berlin.