Kurz vor dem neuen Schuljahr richtet Brandenburg den Blick über die eigenen Landesgrenzen. Bildungsminister Gordon Hoffmann hofft, dass höhere Bezüge verbeamtete Lehrkräfte und Absolventen aus anderen Bundesländern nach Brandenburg locken. Der Vorstoß zeigt jedoch vor allem, wie angespannt die Personallage an den Schulen inzwischen ist.

Höhere Besoldung soll Brandenburg attraktiver machen

Bildungsminister Gordon Hoffmann sieht in der angehobenen Besoldung eine Chance, zusätzliche Pädagogen für Brandenburg zu gewinnen. Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts seien die Bezüge verbeamteter Lehrkräfte teilweise deutlich gestiegen.

Hoffmann hofft nun insbesondere auf Bewerber aus Ländern, in denen die Schülerzahlen sinken oder nicht mehr alle Absolventen unmittelbar in den Schuldienst übernommen werden können.

„Ich habe die Hoffnung, dass sich mit der verbesserten Besoldung auch die Attraktivität des Lehrerberufes in Brandenburg steigern wird.“

Der Minister setzt darauf, dass Lehrkräfte Gehälter, berufliche Perspektiven und mögliche Verbeamtungen zwischen den Ländern vergleichen und sich anschließend für Brandenburg entscheiden. Das Land wirbt bereits ausdrücklich um Pädagogen, die zuvor in einem anderen Bundesland unterrichtet haben.

Ob die höheren Bezüge tatsächlich eine größere Zahl von Bewerbern anziehen, bleibt allerdings offen. Brandenburg steht im Wettbewerb mit nahezu allen anderen Bundesländern, die ebenfalls nach Lehrern suchen – besonders für Mathematik, Naturwissenschaften, Grundschulen und Standorte außerhalb der größeren Städte.

Unterricht ist noch nicht überall abgesichert

Der Personalbedarf ist keine abstrakte Prognose. Hoffmann hatte bereits Anfang Juli eingeräumt, dass im kommenden Schuljahr voraussichtlich nicht alle Lehrerstellen besetzt werden können.

An einzelnen Schulen könnten deshalb Klassen zusammengelegt oder Lehrkräfte anders verteilt werden. Auch die vollständige Absicherung der vorgesehenen Unterrichtsstunden ist nach bisherigen Angaben noch nicht überall gewährleistet.

Zu den möglichen Folgen des Personalmangels gehören:

  • größere Klassen und zusammengelegte Lerngruppen,
  • mehr fachfremd erteilter Unterricht,
  • Kürzungen bei Förderstunden und Arbeitsgemeinschaften,
  • stärkere Belastungen für die vorhandenen Lehrer,
  • häufigerer Einsatz von Seiteneinsteigern,
  • mögliche Versetzungen an besonders unterbesetzte Schulen.

Gerade im ländlichen Raum ist die Situation angespannt. Schulen in Berlin-nahen Gemeinden oder in Potsdam können Stellen häufig leichter besetzen als Einrichtungen in der Uckermark, der Prignitz, in der Lausitz oder im äußeren Süden Brandenburgs.

Die Landesregierung stellt zwar zusätzlich 250 Lehrerstellen in Aussicht. Dem steht jedoch gegenüber, dass unter der vorherigen Landesregierung aus Spargründen 345 Vollzeitstellen abgebaut worden waren.

Mehr Arbeit für die vorhandenen Lehrer

Bereits seit dem zweiten Schulhalbjahr 2025/2026 müssen viele Lehrkräfte in Brandenburg eine zusätzliche Unterrichtsstunde pro Woche übernehmen. Das Bildungsministerium rechnete dadurch mit rund 11.500 zusätzlichen Lehrerwochenstunden.

Ausgenommen von den direkten Auswirkungen sind unter anderem Lehrkräfte an Schulen mit besonderen pädagogischen Herausforderungen sowie bestimmte Förder- und berufliche Schulen. Insgesamt betrifft die Sonderregelung nach Ministeriumsangaben rund 40 Prozent der Lehrkräfte nicht.

Die Maßnahme schafft kurzfristig zusätzliche Unterrichtskapazitäten, löst aber nicht das strukturelle Problem. Zusätzliche Stunden erhöhen die Belastung der vorhandenen Lehrkräfte und können langfristig dazu führen, dass mehr Pädagogen ihre Arbeitszeit reduzieren oder den Schuldienst verlassen.

Der Versuch, Lehrer aus anderen Bundesländern zu gewinnen, ist daher nur ein Teil der notwendigen Personalstrategie. Brandenburg muss gleichzeitig mehr eigene Lehrkräfte ausbilden, Referendare im Land halten und Arbeitsbedingungen an weniger gefragten Schulstandorten verbessern.

Auch Seiteneinsteiger bleiben ein wichtiger Bestandteil der Personalplanung. Das Bildungsministerium stellt ausdrücklich Bewerber ohne klassisches Lehramtsstudium ein, wenn für eine konkrete Stelle keine grundständig ausgebildete Lehrkraft gefunden wird.

Für Eltern und Schüler zählt am Ende weniger, aus welchem Bundesland eine Lehrkraft kommt. Entscheidend ist, ob zum Schuljahresbeginn ausreichend qualifiziertes Personal vor den Klassen steht. Genau das kann Brandenburg derzeit noch nicht für jede Schule garantieren.

Quellen & Datenbasis

  • Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg: Informationen zur Einstellung von Lehrkräften, zum Seiteneinstieg und zur Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung.
  • Bildungsminister Gordon Hoffmann: Aussagen zur Gewinnung von Lehrkräften aus anderen Bundesländern und zur verbesserten Besoldung.