Der Internationale Orgelsommer 2026 lädt im Juli und August zu einer musikalischen Reise durch sechs Jahrhunderte in die Stadtkirche St. Wenzel in Naumburg ein. Unter dem Motto „Echos aus sechs Jahrhunderten – 600 Jahre St. Wenzel, 280 davon mit der Stimme Bachs“ treten Künstlerinnen und Künstler aus acht europäischen Ländern an der historischen Hildebrandt-Orgel auf.

Die Konzertreihe verbindet das Jubiläum der Grundsteinlegung der Stadtkirche mit der Geschichte eines der bedeutendsten historischen Musikinstrumente Europas. Die Orgel wurde 1746 von Zacharias Hildebrandt vollendet und von Johann Sebastian Bach sowie Gottfried Silbermann geprüft und abgenommen.

600 Jahre St. Wenzel

Die Geschichte der Bürgerkirche St. Wenzel reicht bis ins Jahr 1426 zurück. In diesem Jahr wurde der Grundstein für das spätgotische Gotteshaus gelegt.

Die Kirche prägt bis heute das Stadtbild von Naumburg. Ihr Turm erreicht einschließlich der barocken Haube eine Höhe von 72,5 Metern. Eine Aussichtsplattform befindet sich in 53 Metern Höhe, die historische Türmerwohnung liegt auf 45 Metern.

Zum 600. Jahrestag der Grundsteinlegung wird die Kirche nicht nur als historisches Bauwerk, sondern auch als besonderer Klangraum gewürdigt. Ihre Architektur und Akustik tragen wesentlich dazu bei, dass die Hildebrandt-Orgel ihren charakteristischen Klang entfalten kann.

Die einzige authentisch erhaltene Orgel mit Bachs Mitwirkung

Die Hildebrandt-Orgel gehört nach Angaben der Veranstalter zu den bedeutendsten historischen Orgeln der Welt. Sie gilt als größte Bach-Orgel und als einziges authentisch erhaltenes Instrument, das Johann Sebastian Bach selbst mitkonzipiert und abgenommen hat.

Am 26. September 1746 saß Bach am originalen Spielschrank mit seinen 60 Registerzügen. Gemeinsam mit dem Orgelbauer Gottfried Silbermann prüfte er das Instrument über mehrere Tage.

Die Prüfer stellten der Orgel anschließend ein positives Zeugnis aus. Ihre zahlreichen Register ermöglichen eine außergewöhnliche Vielfalt an Klangfarben – von hellen Flötentönen über sanfte Streicherklänge bis hin zu kräftigen Trompeten und Posaunen.

Wenzelsorganist Nicolas Berndt bezeichnet die Orgel als ein Instrument, dessen Klang niemanden unberührt lasse. St. Wenzel sei der einzige Ort, an dem Bachs Vorstellungen vom Klang seiner Orgelmusik noch heute authentisch erlebt werden könnten.

Musiker aus acht Ländern zu Gast

Der Internationale Orgelsommer bringt in dieser Saison Künstler aus Finnland, Polen, Frankreich, den Niederlanden, Spanien, der Schweiz, Tschechien und Deutschland nach Naumburg.

Die Musiker vertreten bedeutende Kathedralen, Hochschulen und musikalische Institutionen Europas. Neben reinen Orgelkonzerten stehen auch Aufführungen mit Violine, Viola da Gamba und Gesang auf dem Programm.

Die Konzertprogramme reichen von den Anfängen der Orgelmusik im 15. Jahrhundert bis zu zeitgenössischen Werken. Damit soll die historische Orgel immer wieder aus unterschiedlichen musikalischen Perspektiven erlebbar werden.

Thomas Ospital eröffnet die nächste Konzertfolge

Am Freitag, dem 24. Juli, spielt Thomas Ospital aus Paris das Programm „Klangspiegel: Bach im Dialog mit Vergangenheit und Gegenwart“.

Ospital ist Professor für Orgel an der Pariser Musikhochschule und Titularorganist an der Kirche Saint-Eustache. Sein Konzert verbindet Werke Johann Sebastian Bachs mit Musik aus anderen Epochen.

Eine Woche später, am 31. Juli, folgt ein Wandelkonzert mit Johanna Soller aus Utrecht und der Violinistin Sophia Stiehler aus München. Unter dem Titel „Musik für Violine und Orgel: Zwischen Frühbarock und Romantik“ erklingen Werke aus unterschiedlichen Jahrhunderten.

Konzerte im August

Am 7. August tritt Carlos J. Fernandez Bollo aus León auf. Der Domorganist der Kathedrale von León verbindet in seinem Programm Interpretation und Improvisation.

Am 14. August gestalten der Basler Münsterorganist Andreas Liebig und die Sopranistin Gudrun Sidonie Otto das Konzert „Magnificat – eine Hand voll Sternenstaub“.

Eine musikalische Reise durch das barocke Europa bietet am 21. August Ondřej Valenta. Er ist Domorganist am Veitsdom in Prag.

Das Abschlusskonzert am 28. August steht unter dem Titel „Französische Virtuosen“. Johann Vexo aus Nancy und Jean-Baptiste Monnot aus Rouen bringen dabei die Tradition der französischen Orgelmusik nach Naumburg.

„Orgel punkt Zwölf“ auch für Einsteiger

Neben den großen Abendkonzerten wird die Hildebrandt-Orgel mehrmals in der Woche bei halbstündigen Mittagskonzerten vorgestellt.

Die Reihe „Orgel punkt Zwölf“ findet bis zum 30. Oktober jeweils mittwochs, samstags, sonntags und an Feiertagen um 12 Uhr statt.

Wenzelsorganist Nicolas Berndt, Assistenzorganistin Mirjam Laetitia Haag und junge internationale Talente spielen Werke von Bach und weiteren Komponisten. Dabei werden einzelne Stücke und Besonderheiten der Orgel erläutert.

Das Format richtet sich ausdrücklich auch an Besucher ohne musikalische Vorkenntnisse. Die kurzen Konzerte bieten die Möglichkeit, die Orgel und ihre Klangvielfalt in einem kompakten Rahmen kennenzulernen.

Naumburg als wichtiger Bach-Ort

Die Orgel macht Naumburg zu einem besonderen Ort der europäischen Musikgeschichte.

Bachs Verbindung zu Leipzig, Köthen und Weimar ist weithin bekannt. Die Hildebrandt-Orgel in Naumburg dokumentiert jedoch unmittelbar, welche Vorstellungen der Komponist vom Bau und vom Klang einer Orgel hatte.

Das Instrument ist deshalb nicht nur für Konzerte von Bedeutung. Es ist zugleich ein historisches Zeugnis der Orgelbaukunst des 18. Jahrhunderts.

Jährlich reisen zahlreiche Besucher nach Naumburg, um die Orgel zu sehen und zu hören. Der Internationale Orgelsommer verbindet dieses Interesse mit dem touristischen und kulturellen Angebot der UNESCO-Welterbe-Stadt.

Konzerttermine im Überblick

24. Juli, 19.30 Uhr
„Klangspiegel: Bach im Dialog mit Vergangenheit und Gegenwart“
Thomas Ospital, Paris

31. Juli, 19.30 Uhr
„Musik für Violine und Orgel: Zwischen Frühbarock und Romantik“
Johanna Soller und Sophia Stiehler

7. August, 19.30 Uhr
„Zwischen Improvisation und Interpretation“
Carlos J. Fernandez Bollo, León

14. August, 19.30 Uhr
„Magnificat – eine Hand voll Sternenstaub“
Andreas Liebig und Gudrun Sidonie Otto, Basel

21. August, 19.30 Uhr
„Eine musikalische Reise durch das barocke Europa“
Ondřej Valenta, Prag

28. August, 19.30 Uhr
„Französische Virtuosen“
Johann Vexo und Jean-Baptiste Monnot

Karten und Veranstaltungsort

Die Konzerte finden in der Stadtkirche St. Wenzel am Topfmarkt 8 in Naumburg statt.

Eintrittskarten sind bei der Tourist-Information erhältlich. Bestellungen sind telefonisch unter 03445 273-125 und per E-Mail an tourismus@naumburg-stadt.de möglich.

Die Veranstalter bieten außerdem einen Onlineverkauf über den Naumburger Shop an.

Der Internationale Orgelsommer 2026 verbindet drei bedeutende Jubiläen und Themen: 600 Jahre St. Wenzel, 280 Jahre Hildebrandt-Orgel und die bis heute lebendige Klangvorstellung Johann Sebastian Bachs.

Mit Künstlern aus acht Ländern und Programmen aus sechs Jahrhunderten wird Naumburg im Juli und August erneut zu einem europäischen Treffpunkt der Orgelmusik.

Die großen Abendkonzerte und die Reihe „Orgel punkt Zwölf“ ermöglichen sowohl Kennern als auch Einsteigern, eines der bedeutendsten historischen Instrumente Deutschlands unmittelbar zu erleben.

Quelle

– Pressetext „Naumburg – Orgelsommer 2026: Echos aus sechs Jahrhunderten“, bereitgestellt durch die Veranstalter.