Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg will Bäckereien im Kampf gegen Fachkräftemangel, fehlende Nachfolger und steigende technische Anforderungen unterstützen. Dafür entwickeln Berufsbildungsforscher ein Weiterbildungsprogramm, das später bundesweit eingesetzt werden soll.
Bis Ende 2028 sollen mindestens 30 Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren qualifiziert werden. Sie sollen direkt in Bäckereien, Akademien, Innungen und Verbänden tätig sein und Weiterbildung stärker in den Arbeitsalltag integrieren.
Zahl der Handwerksbäckereien stark gesunken
Das Projekt reagiert auf einen tiefgreifenden Strukturwandel. Nach Angaben der Universität sank die Zahl der Handwerksbäckereien in Deutschland innerhalb von 60 Jahren von rund 55.000 auf 8.659 Betriebe.
Die Branche beschäftigt derzeit etwa 232.000 Menschen und erzielt einen Jahresumsatz von rund 18,14 Milliarden Euro. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte, Auszubildende und geeignete Betriebsnachfolger.
Im Jahr 2025 bot das Bäckerhandwerk rund 11.400 jungen Menschen einen Ausbildungsplatz. Damit lag die Zahl deutlich unter dem Stand von 2015.
Mentoren sollen Beschäftigte direkt im Betrieb erreichen
Das Projekt trägt den Titel „Beraten – Bilden – Backen. Weiterbildungsmentor*innen im Bäckerhandwerk BackWeiter“. Geleitet wird es von Prof. Dr. Frank Bünning von der Professur für Ingenieurpädagogik und Didaktik der technischen Bildung.
Partner sind die Bundesakademie Deutsches Bäckerhandwerk Weinheim und der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.
Die künftigen Mentoren sollen:
- Beschäftigte für Weiterbildung gewinnen,
- Stärken und Qualifizierungsbedarf erkennen,
- berufliche Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen,
- Quereinsteiger beim Einstieg unterstützen,
- Lernprozesse im Arbeitsalltag begleiten,
- Betriebe bei Personalentwicklung und Organisation beraten.
Besonders angesprochen werden sollen an- und ungelernte Beschäftigte sowie Menschen, die bislang wenig positive Erfahrung mit klassischen Bildungsangeboten gemacht haben.
Mindestens 64 Stunden Qualifizierung
Das Weiterbildungsprogramm umfasst mindestens 64 Qualifizierungsstunden. Hinzu kommen eine Praxisbegleitung und die Umsetzung konkreter Maßnahmen in den Betrieben.
Die Weiterbildung soll so flexibel gestaltet werden, dass sie mit Schichtarbeit, Familienaufgaben und den Abläufen kleiner Bäckereien vereinbar bleibt.
Zu den geplanten Inhalten gehören:
- Kommunikation und Beratung,
- Lernbegleitung,
- Personal- und Organisationsentwicklung,
- Fördermöglichkeiten,
- Digitalisierung,
- technische Bildung,
- nachhaltige Entwicklung,
- unternehmerisches Denken,
- Demokratiebildung.
Projektleiter Bünning betont, Weiterbildung scheitere häufig nicht an fehlenden Angeboten. Vielmehr würden Beschäftigte im Arbeitsalltag nicht erreicht, begleitet oder ausreichend motiviert.
Quereinsteiger und vorhandene Beschäftigte im Mittelpunkt
Viele Betriebe benötigen nach Einschätzung der Wissenschaftler nicht nur neue Auszubildende. Ebenso wichtig sei es, vorhandene Beschäftigte gezielt zu fördern und Menschen aus anderen Berufen erfolgreich einzuarbeiten.
Neue digitale Technik, veränderte Produktionsverfahren und höhere Anforderungen an Organisation und Nachhaltigkeit erhöhen den Qualifizierungsbedarf zusätzlich.
Die Mentoren sollen dabei helfen, Weiterbildung nicht als getrennte Schulung, sondern als festen Teil der betrieblichen Entwicklung zu etablieren.
Ergebnisse sollen auf andere Branchen übertragen werden
Das Magdeburger Team entwickelt, erprobt und bewertet das Programm gemeinsam mit Betrieben und Branchenverbänden. Dadurch sollen Lösungen entstehen, die besonders zu kleinen und mittleren Handwerksbäckereien passen.
Bis zum Projektende wird außerdem ein Übertragungskonzept erarbeitet. Die Ergebnisse könnten später auch im übrigen Lebensmittelhandwerk und in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden.
Das Projekt läuft vom 1. Dezember 2025 bis zum 30. November 2028. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Bundesinstitut für Berufsbildung begleitet das Vorhaben wissenschaftlich und administrativ.
Quelle
Pressemitteilung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg vom 30. Juli 2026 zum Projekt „BackWeiter“.