Magdeburg. Auf Tausenden Zeugnissen in Sachsen-Anhalt stand am Ende des vergangenen Schuljahres statt einer Fachnote die Abkürzung „n. e.“. Sie bedeutet, dass Unterricht in dem betreffenden Fach nicht oder nicht ausreichend erteilt wurde. Rund 20.400 Schülerinnen und Schüler waren im Schuljahr 2025/26 davon betroffen. Grundlage der Zahlen ist eine Ad-hoc-Erhebung des Bildungsministeriums.
Die Daten zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Schulformen. Besonders häufig fehlten Fachnoten an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen. Dort waren mehr als 14.800 Schülerinnen und Schüler betroffen. An Grundschulen waren es knapp 3.000, an Förderschulen mehr als 1.700. An Gymnasien wurden bei rund 800 Schülerinnen und Schülern entsprechende Fälle registriert.
Musik mit Abstand am häufigsten betroffen
Besonders auffällig ist die Situation im Musikunterricht. Mehr als 5.700 Schülerinnen und Schüler erhielten in diesem Fach keine Zeugnisnote. Darunter waren gut 1.600 Grundschüler.
Auch weitere Fächer sind deutlich betroffen. Im Bereich Hauswirtschaft, Technik und Wirtschaft wurde bei rund 4.250 Schülerinnen und Schülern keine Note vergeben. Im wertebildenden Unterricht, zu dem beispielsweise Ethik gehört, waren es fast 3.100 Fälle. Im Fach Informatik fehlte bei rund 2.760 Schülerinnen und Schülern eine Bewertung.
Die Erhebung macht zugleich deutlich, dass es bei einzelnen Klassen nicht bei einer fehlenden Fachnote blieb. Bei 109 Klassen oder Lerngruppen konnten zwei Fachnoten nicht erteilt werden. In weiteren 87 Klassen oder Lerngruppen fehlten sogar mehr als zwei Bewertungen.
152 Schulen meldeten entsprechende Fälle
Die Zahlen gehen auf eine Anfrage des Linken-Bildungspolitikers Thomas Lippmann zurück. Das Bildungsministerium stützte seine Antwort auf Selbstauskünfte der Schulen im Rahmen einer kurzfristigen Erhebung. Von insgesamt 739 öffentlichen allgemeinbildenden Schulen meldeten demnach 152 Schulen entsprechende Fälle.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen fehlendem Unterricht und Lehrkräftemangel. Das Bildungsministerium weist darauf hin, dass die Kennzeichnung „nicht erteilt“ nicht automatisch bedeutet, dass eine Lehrkraft gefehlt hat. Auch schulorganisatorische Gründe können dazu führen, dass auf einem Zeugnis keine Fachnote erscheint. Versetzungsrelevante Fächer können beispielsweise nur in einem der beiden Schulhalbjahre unterrichtet werden.
Dennoch bleibt die Unterrichtsversorgung eine zentrale Herausforderung. Schon bei den Halbjahreszeugnissen 2025/26 waren 27.842 einzelne Fachnoten nicht vergeben worden. Damals waren insbesondere die Sekundarschulen betroffen. Dort lag die Unterrichtsversorgung nach Angaben des Bildungsministeriums bei 87 Prozent.
Bildungsministerium will zusätzliche Lehrkräfte gewinnen
Das Land versucht, die Unterrichtsversorgung unter anderem durch zusätzliche Einstellungen zu verbessern. Zum Beginn des laufenden Schuljahres 2026/27 waren an den öffentlichen allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen Sachsen-Anhalts 16.274 Lehrkräfte beschäftigt, darunter 2.739 Seiteneinsteiger. Insgesamt besuchen rund 259.000 Schülerinnen und Schüler die allgemein- und berufsbildenden Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft.
Darüber hinaus wirbt das Bildungsministerium bei Lehrkräften um freiwillige Abordnungen an Schulen mit besonders großem Bedarf. Dabei sollen nach Angaben des Ministeriums auch Fachgrenzen und Schulformen berücksichtigt werden. Ein besonderes Augenmerk liege auf Unterrichtsfächern in den Abschlussjahrgängen.
Noch Ende Juni hatte Bildungsminister Jan Riedel erklärt, die Unterrichtsversorgung habe im Verlauf des Schuljahres stabilisiert werden können. Zugleich bezeichnete das Ministerium das Schuljahr 2025/26 als herausfordernd. Die jetzt veröffentlichten Zahlen zeigen, dass es zugleich an einem Teil der Schulen erhebliche Lücken bei einzelnen Unterrichtsfächern gab.