Wann bleibt ein historisches Gerät ein Original – und ab welchem Punkt verändert eine Reparatur seine Geschichte? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die 17. Jahrestagung für Universitätssammlungen vom 10. bis 12. September an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Historische Geräte als wissenschaftliche Quellen

Universitätssammlungen bewahren weit mehr als ausgediente Geräte und alte Anschauungsobjekte. Zu ihren Beständen gehören unter anderem medizinische Instrumente, Rechenmaschinen, Pflanzen, Gesteine, Münzen, Kunstwerke, Fotografien und audiovisuelle Medien.

Diese Objekte dokumentieren, wie Wissenschaft in früheren Zeiten arbeitete. Gebrauchsspuren, Umbauten und Reparaturen können dabei ebenso aufschlussreich sein wie der ursprüngliche Zustand.

Nach Angaben der Universität soll die Tagung deshalb untersuchen, wie historische Geräte erhalten und gleichzeitig für Forschung und Lehre nutzbar gemacht werden können.

Jeder Eingriff kann Spuren beseitigen

Eine Reparatur kann ein historisches Gerät wieder funktionsfähig machen und neue Erkenntnisse ermöglichen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass originale Bauteile, frühere Veränderungen oder sichtbare Gebrauchsspuren verloren gehen.

Fachleute aus Technik, Restaurierung, Lehre sowie Kunst- und Technikgeschichte wollen gemeinsam diskutieren, wann eine Instandsetzung sinnvoll ist und wann sie die Geschichte eines Objekts verdeckt.

Auch die Frage, wie analoges Wissen im digitalen Zeitalter bewahrt werden kann, gehört zu den Schwerpunkten der Veranstaltung.

Von Laborgeräten bis zu Spielkonsolen

Das Programm umfasst sehr unterschiedliche Objektgruppen. Thematisiert werden chemische Laborgeräte, historische Rechenanlagen, technische Großobjekte, Fotografien, Kunstwerke und Spielkonsolen.

Diese Vielfalt zeigt, dass nicht nur besonders alte oder kostbare Stücke als wissenschaftlich relevant gelten. Auch vergleichsweise junge Technik kann dokumentieren, wie Forschung, Kommunikation und Alltag in einer bestimmten Zeit funktionierten.

Sensible Bestände aus Buchenwald und kolonialen Zusammenhängen

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf politisch und ethisch sensiblen Sammlungsbeständen. Dazu gehören fotografische Zeugnisse aus dem ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald sowie Objekte aus kolonialen Zusammenhängen.

Bei solchen Beständen geht es nicht allein um den materiellen Erhalt. Die Fachleute wollen auch darüber sprechen, unter welchen Macht- und Gewaltverhältnissen Wissen entstand und wie Institutionen mit problematischen Herkunftsgeschichten umgehen sollen.

Dabei stellt sich unter anderem die Frage, ob frühere Funktionen bestimmter Objekte überhaupt wiederhergestellt werden können oder sollten.

Zahlreiche Sammlungen bereits verloren

Eine bundesweite Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2010 erfasste insgesamt 756 bestehende Universitätssammlungen. Weitere 295 Sammlungen waren zu diesem Zeitpunkt bereits aufgelöst, verloren gegangen, nicht mehr an ihrer ursprünglichen Universität vorhanden oder in ihrem Verbleib ungeklärt.

Mit einer verschwundenen Sammlung gehen nach Einschätzung der Veranstalter nicht nur alte Gegenstände verloren. Betroffen sind auch wissenschaftliche Quellen, an denen künftige Generationen möglicherweise neue Fragestellungen untersuchen könnten.

Magdeburger Sammlung umfasst rund 300 medizinische Geräte

Die Kustodie der Otto-von-Guericke-Universität betreut seit 2018 das wissenschaftliche und materielle Erbe der Hochschule.

Zur Historischen Medizintechnischen Sammlung gehören rund 300 Objekte. Darunter befinden sich EKG- und EEG-Geräte sowie weitere medizinische Mess- und Überwachungsanlagen.

Viele dieser Geräte stammen aus DDR-Krankenhäusern und wurden nach der deutschen Wiedervereinigung ausgesondert. Der Magdeburger Ingenieur Horst Lehmann begann Anfang der 1990er-Jahre damit, solche Geräte vor dem Verlust zu bewahren.

Auf der dritten Seite der Pressemitteilung ist als Beispiel das EEG-Gerät BIOSCRIPT BST1 aus dem Jahr 1975 genannt. Studierende setzten dieses historische Gerät in einem temporären Objektlabor der Universität instand.

Tagung ist auch für interessierte Besucher offen

Die Veranstaltung richtet sich sowohl an Fachleute als auch an die interessierte Öffentlichkeit. Sie findet vom 10. bis 12. September auf dem Campus am Universitätsplatz 2 im Gebäude 05 statt.

Anmeldeschluss ist der 16. August 2026. Die Tagungsgebühr beträgt 20 Euro. Studierende können kostenlos teilnehmen.

Die Tagung trägt den Titel „(Wieder)instandsetzung: Modifizierendes Bewahren als Sammlungspraxis“.

Quellen

• Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg: „Wie viel Veränderung verträgt ein historisches Original?“, Pressemitteilung Nr. 60/2026 vom 5. August 2026