Stadtverordnete geben grünes Licht

Lübben. Die ambulante medizinische Versorgung in Lübben steht vor einer grundlegenden Neuordnung. Die Stadtverordnetenversammlung hat am 24. September einer strategischen Kooperation mit der MVZ-Poliklinik Lübben des Klinikums Dahme-Spreewald (Sana) zugestimmt.

Ziel ist es, das kommunale Medizinische Versorgungszentrum „Spreewald“ langfristig in bereits bestehende medizinische Strukturen zu überführen.

Die Kooperation soll bereits zum 1. Oktober 2026 beginnen. Der eigentliche Übergang ist schrittweise bis zum ersten Quartal 2027 vorgesehen. 26.09.24_Presseinformation_091_…

MVZ arbeitet bislang nicht kostendeckend

Hinter dem Beschluss steht auch die wirtschaftliche Situation des kommunalen Versorgungszentrums.

Das MVZ „Spreewald“ ist erst seit dem 1. Januar 2025 operativ tätig. Die Patientenzahlen und das medizinische Angebot haben sich nach Angaben der Stadt positiv entwickelt.

Kostendeckende Erträge werden bislang jedoch nicht erzielt.

Die Stadt sieht deshalb Handlungsbedarf und will die medizinische Versorgung künftig in einer größeren Trägerstruktur absichern. 26.09.24_Presseinformation_091_…

Fast 2,84 Millionen Euro investiert

In das Projekt ist bereits erhebliches Geld geflossen.

Die Stadt Lübben ist alleinige Gesellschafterin der MVZ Spreewald GmbH und hat nach eigenen Angaben bislang rund 240.000 Euro in das Gründungsprojekt investiert.

Deutlich größer fällt die Investition der Lübbener Wohnungsbaugesellschaft aus. Sie hat rund 2,6 Millionen Euro für das Gebäude aufgewendet.

Zusammengenommen entsprechen die genannten Investitionen rund 2,84 Millionen Euro. 26.09.24_Presseinformation_091_…

Sana soll Ärzte und Fachpersonal übernehmen

Für die Beschäftigten gibt es bereits eine konkrete Perspektive.

Sana beabsichtigt nach Angaben der Stadt, sowohl die Ärztinnen und Ärzte als auch die Medizinischen Fachangestellten des kommunalen MVZ zu übernehmen.

Damit sollen Fachkräfte am Standort gehalten und bestehende medizinische Angebote gesichert werden. 26.09.24_Presseinformation_091_…

Gerade die Personalgewinnung gehört zu den Gründen, warum sich die Stadt von einer größeren Trägerstruktur Vorteile verspricht.

Neben der Personalgewinnung nennt die Stadt mögliche Synergien bei Verwaltung, Qualitätsmanagement und medizinischer Weiterentwicklung.

Patienten sollen ihre Ärzte behalten können

Für Patienten soll sich zunächst nichts ändern.

Der laufende Betrieb des kommunalen MVZ wird fortgesetzt. Ein unmittelbarer Handlungsbedarf für Patienten besteht nach Angaben der Stadt nicht.

Ziel der geplanten Integration ist zudem, bestehende Arzt-Patienten-Beziehungen möglichst zu erhalten.

Menschen, die während des Aufbaus des kommunalen MVZ dorthin gewechselt sind, sollen auch nach der Integration möglichst weiterhin von ihren vertrauten Ärzten behandelt werden können. 26.09.24_Presseinformation_091_…

Was passiert mit dem Gebäude?

Eine offene Frage betrifft allerdings den bisherigen Standort in der Schillerstraße 6A.

Nach dem aktuellen Stand der Gespräche ist nicht vorgesehen, dass Sana das bestehende MVZ-Gebäude übernimmt.

Die Lübbener Wohnungsbaugesellschaft führt deshalb bereits Gespräche mit Interessenten über eine zukünftige Nutzung der Immobilie.

Dabei soll ausdrücklich auch geprüft werden, ob das Gebäude weiterhin medizinisch genutzt werden kann. 26.09.24_Presseinformation_091_…

Damit ist die Zukunft der medizinischen Einrichtung derzeit konkreter als die Zukunft des Gebäudes, in das zuvor rund 2,6 Millionen Euro investiert wurden.

Kommunales MVZ entstand nach jahrelanger Vorbereitung

Die Idee eines eigenen Medizinischen Versorgungszentrums reicht in Lübben mehrere Jahre zurück.

Erste Überlegungen gab es bereits 2016. Im Jahr 2021 folgte eine Marktanalyse der Lübbener Wohnungsbaugesellschaft zur ambulanten Versorgung in der Stadt.

Daraufhin wurde die Gründung eines kommunalen MVZ beschlossen.

Das Ziel war von Beginn an, eine wohnortnahe medizinische Versorgung zu sichern und auf Schwierigkeiten bei der Gewinnung medizinischer Fachkräfte zu reagieren. 26.09.24_Presseinformation_091_…

Endgültige Entscheidung fällt 2027

Noch ist die Integration nicht endgültig abgeschlossen.

Die konkrete rechtliche und organisatorische Ausgestaltung muss erst zwischen Stadt, kommunalem MVZ und Sana ausgehandelt werden.

Die Geschäftsführung der MVZ Spreewald GmbH wurde beauftragt, die Gespräche fortzuführen und zu intensivieren.

Spätestens bis zum 31. März 2027 sollen der Stadtverordnetenversammlung die Ergebnisse und eine Beschlussempfehlung vorgelegt werden. Erst danach folgt die weitere politische Entscheidung. 26.09.24_Presseinformation_091_…

Von der kommunalen Gründung zur größeren Struktur

Damit verändert sich die Strategie der Stadt innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit.

Lübben hatte das MVZ gegründet, um selbst Verantwortung für die ambulante medizinische Versorgung zu übernehmen.

Nun soll die Einrichtung nach gut zwei Jahren Betriebszeit in eine größere Struktur integriert werden.

Die Gründe dafür liegen vor allem in der wirtschaftlichen Tragfähigkeit, der Personalgewinnung und dem Ziel, die vorhandenen Ärzte und medizinischen Angebote dauerhaft in der Region zu halten.

Für Patienten dürfte deshalb weniger entscheidend sein, welcher Träger künftig hinter dem MVZ steht. Wichtiger wird sein, ob Ärzte, Praxen und bestehende Behandlungsangebote tatsächlich erhalten bleiben.