Der Fund einer mit Sprengstoff ausgestatteten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle wird zum Fall für die höchste deutsche Anklagebehörde. Die Bundesanwaltschaft hat das Verfahren wegen der besonderen Bedeutung des Vorfalls übernommen.

Nach Angaben der Karlsruher Behörde besteht der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Es gebe ausreichende Anhaltspunkte dafür, dass mit der Drohne eine Explosion auf dem Flughafengelände ausgelöst werden sollte.

Die Ermittlungen werden nun vom Bundeskriminalamt geführt. Zuvor waren die Zentralstelle Extremismus Sachsen bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum des Landeskriminalamtes Sachsen zuständig.

Drohne im Sicherheitsbereich des Flughafens entdeckt

Ein Flughafenmitarbeiter hatte das Fluggerät in der Nacht vom 4. auf den 5. August im Sicherheitsbereich des Frachtflugbetriebs entdeckt. Die Drohne befand sich in der Nähe der südlichen Start- und Landebahn.

An dem Fluggerät war eine unbekannte Sprengvorrichtung angebracht. Spezialisten der Bundespolizei untersuchten die Konstruktion mithilfe eines Sprengstoffroboters und entfernten den Zünder.

Der Flugbetrieb wurde nach dem Fund zunächst vollständig eingestellt. Nach einer umfangreichen Kontrolle konnte die Nordpiste noch in derselben Nacht wieder freigegeben werden. Nach Angaben der sächsischen Behörden bestand keine unmittelbare Gefahr mehr für Passagiere oder Beschäftigte.

Zweites Flugobjekt soll Frachtmaschine getroffen haben

Die Ermittler prüfen außerdem einen zweiten Vorfall. Ein weiteres unbekanntes Flugobjekt soll mit einem Frachtflugzeug zusammengestoßen sein.

Die Maschine hatte wegen der zuvor gesperrten Landebahn ihren Anflug abbrechen und durchstarten müssen. Nach der späteren Landung in Hannover wurden leichte Beschädigungen an dem Flugzeug festgestellt. Ob es sich bei dem zweiten Objekt ebenfalls um eine Drohne handelte und ob beide Vorfälle zusammenhängen, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Keine Munition in ukrainischen Antonow-Maschinen

In unmittelbarer Nähe des Fundortes standen ukrainische Frachtmaschinen des Typs Antonow AN-124. Berichte, wonach sich Munition an Bord eines der Flugzeuge befunden haben soll, wurden von Sachsens Innenminister Armin Schuster zurückgewiesen.

Nach seinen Angaben befand sich keine Munition in den Maschinen. Welche Fracht tatsächlich transportiert oder am Flughafen verladen wurde, ist wegen der sicherheitsrelevanten Abläufe nicht vollständig öffentlich bekannt.

Die Antonow-Flugzeuge werden unter anderem für internationale Schwerlast- und Logistiktransporte eingesetzt. Über den Flughafen Leipzig/Halle werden zudem Transporte im Zusammenhang mit der NATO und der Unterstützung der Ukraine abgewickelt.

Dobrindt spricht von hybrider Bedrohung

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sieht in dem Vorfall eine neue Gefahrenqualität. Er sprach von einem hybriden Anschlagsszenario und einer hohen Bedrohungslage.

Die verwendete Technik deute nach seiner Einschätzung auf ein professionelles Vorgehen hin. Wer hinter dem mutmaßlichen Angriff steckt, ist bislang jedoch nicht bekannt. Gesicherte Hinweise auf einen bestimmten Staat oder eine konkrete Organisation wurden nicht veröffentlicht.

Dobrindt warnte deshalb vor vorschnellen Schuldzuweisungen. Sämtliche Spuren müssten ausgewertet werden – darunter die Konstruktion der Drohne, die verwendete Sprengvorrichtung, mögliche Steuerungssysteme und die Herkunft einzelner Bauteile.

Flughafen ist wichtiger Logistikstandort

Der Flughafen Leipzig/Halle gehört zu den bedeutendsten Frachtflughäfen Europas. Neben zivilen Waren werden dort auch sicherheits- und verteidigungsrelevante Transporte abgewickelt.

Gerade diese Bedeutung dürfte ein wesentlicher Grund dafür sein, dass die Bundesanwaltschaft das Verfahren übernommen hat. Die Behörde spricht von einem schwerwiegenden Angriff auf die deutsche Transport- und Logistikinfrastruktur.

Der Vorfall verschärft zugleich die Diskussion über den Schutz von Flughäfen, Energieanlagen, Häfen und militärisch genutzten Logistikstandorten vor unbemannten Fluggeräten.

Ermittler bitten um Hinweise

Das Landeskriminalamt Sachsen hatte bereits ein Hinweistelefon und ein Onlineportal eingerichtet. Gesucht werden Beobachtungen zu verdächtigen Personen, Fahrzeugen oder Fahrzeugbewegungen im Umfeld des Flughafens zwischen dem Nachmittag des 4. August und dem Morgen des 5. August.

Auch Fotos, Videos sowie Beiträge aus sozialen Netzwerken können für die Ermittler von Bedeutung sein. Über mögliche Tatverdächtige oder eine konkrete politische Motivation machten die Behörden bislang keine Angaben.

Quellen

Bundesanwaltschaft: Angaben zur Übernahme der Ermittlungen und zu den geprüften Straftatbeständen, veröffentlicht am 6. August 2026

Generalstaatsanwaltschaft Dresden und Landeskriminalamt Sachsen: Ermittlungen nach dem Sprengstofffund am Flughafen Leipzig/Halle, veröffentlicht am 5. August 2026

Bundesministerium des Innern: Aussagen von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt zur hybriden Bedrohungslage, veröffentlicht am 5. und 6. August 2026