Das Highfield Festival am Störmthaler See findet vom 13. bis 16. August 2026 vorerst zum letzten Mal statt. Die Veranstalter FKP Scorpio und Semmel Concerts kündigten für 2027 eine „kreative Pause“ an. Nach ihren Angaben sind die Ausgaben für Personal, Material, Künstlergagen und Energie gegenüber der Zeit vor der Corona-Pandemie um rund 45 Prozent gestiegen. Gleichzeitig geht die Nachfrage zurück. Ob und in welcher Form das Festival später zurückkehrt, ist bislang offen.
Festival ist in der bisherigen Form nicht mehr wirtschaftlich
Die Veranstalter begründen ihre Entscheidung mit grundlegend veränderten Bedingungen in der Festivalbranche. Veranstaltungen dieser Größenordnung seien erheblich teurer geworden, während viele Besucher wegen gestiegener Lebenshaltungskosten vorsichtiger beim Ticketkauf seien.
Damit gerät ein Geschäftsmodell unter Druck, das hohe Ausgaben lange vor dem eigentlichen Veranstaltungswochenende erfordert. Bühnen, Technik, Sicherheit, Sanitätsdienste, Personal, Infrastruktur und Künstler müssen geplant und teilweise bezahlt werden, bevor feststeht, wie viele Eintrittskarten tatsächlich verkauft werden.
Nach Angaben der Organisatoren ist das Highfield in der bekannten Größe und Qualität unter diesen Bedingungen nicht mehr tragfähig. Die Pause soll genutzt werden, um ein verändertes Konzept zu entwickeln.
Fast 30 Jahre Festivalgeschichte enden vorerst
Das Highfield wurde 1998 erstmals am Stausee Hohenfelden bei Erfurt veranstaltet. Seit 2010 findet es auf der Magdeborner Halbinsel am Störmthaler See in Großpösna statt.
Über die Jahre entwickelte es sich zu einem der größten Rock-, Pop- und Indie-Festivals Ostdeutschlands. Zeitweise kamen bis zu 35.000 Besucher. Beim Festival 2025 wurden rund 28.000 Gäste gezählt.
Zu den früheren Hauptkünstlern gehörten unter anderem Die Ärzte, Die Toten Hosen, Placebo, Foo Fighters und Arctic Monkeys. Das Festival wurde dadurch weit über Sachsen hinaus bekannt und zog regelmäßig Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet an.
Kraftklub, SDP und Beatsteaks beim vorerst letzten Highfield
Die Abschiedsausgabe steht unter dem Motto „One Last Dance“. Bereits am Donnerstag, dem 13. August, beginnt das Programm mit einer Warm-up-Party.
Am Freitag treten unter anderem SDP, BHZ, Giant Rooks und Sondaschule auf. Für Samstag sind Kraftklub, 01099, Dropkick Murphys, Zartmann und Querbeat angekündigt. Am Sonntag stehen unter anderem die Beatsteaks, Marteria, Feine Sahne Fischfilet und Nura auf dem Programm.
Neu ist 2026 der sogenannte Electric Beach mit elektronischer Musik. Daneben gehören Campingbereiche, Sportangebote und die Lage unmittelbar am See weiterhin zum Veranstaltungskonzept.
Sinkende Besucherzahlen verschärfen den Kostendruck
Hohe Kosten wären für Veranstalter leichter zu bewältigen, wenn die Nachfrage gleichzeitig steigen würde. Beim Highfield zeigt die Entwicklung jedoch in die andere Richtung.
Während in früheren Jahren bis zu 35.000 Menschen kamen, waren es 2025 etwa 28.000. Die Veranstaltung blieb damit weiterhin groß, erreichte aber nicht mehr frühere Spitzenwerte.
Schon wenige Tausend fehlende Besucher können bei einem Festival erhebliche finanzielle Folgen haben. Neben geringeren Ticketeinnahmen sinken häufig auch Einnahmen aus Campingangeboten, Gastronomie, Zusatzleistungen und Partnerschaften.
Eine einfache Erhöhung der Eintrittspreise löst das Problem nicht zwangsläufig. Werden Tickets deutlich teurer, könnte die Nachfrage weiter zurückgehen. Besonders jüngere Besucher müssen bereits Anreise, Verpflegung und Campingausrüstung finanzieren.
Großpösna verliert einen wichtigen Wirtschaftsfaktor
Die angekündigte Pause trifft nicht nur Musikfans. Während des Festivalwochenendes profitieren auch Hotels, Ferienwohnungen, Campinganbieter, Gastronomie, Einzelhandel, Taxiunternehmen und weitere Dienstleister in Großpösna und der Region Leipzig.
Zusätzlich entstehen zeitweise Arbeitsplätze bei Sicherheitsdiensten, Veranstaltungsfirmen, Reinigungsunternehmen, im Bühnenbau und in der Gastronomie. Auch lokale Vereine und Hilfsorganisationen werden teilweise in die Durchführung eingebunden.
Großpösnas Bürgermeister Daniel Strobel bezeichnete den Abschied als großen Verlust für die Gemeinde. Zugleich äußerte er Verständnis dafür, dass die Veranstalter bei fehlender Wirtschaftlichkeit Konsequenzen ziehen.
Belastbare aktuelle Angaben zum gesamten regionalen Umsatz oder zu den kommunalen Einnahmen und Kosten wurden bislang nicht veröffentlicht. Eine solche Bilanz wäre sinnvoll, um die wirtschaftliche Bedeutung des Festivals genauer zu beziffern.
Auch die Zukunft des Geländes ist nicht abschließend geklärt
Neben den wirtschaftlichen Problemen spielt die langfristige Nutzung der Flächen am Störmthaler See eine Rolle. Nach regionalen Berichten erwägt die Gemeinde, Teile des Areals perspektivisch anders zu entwickeln.
Eine kurzfristige Räumung des Festivalgeländes steht danach nicht unmittelbar bevor. Dennoch erhöht eine unklare langfristige Flächenperspektive das Risiko für Veranstalter, die mehrere Jahre im Voraus planen müssen.
Für eine mögliche Rückkehr wird deshalb nicht nur ein wirtschaftlich tragfähiges Veranstaltungskonzept benötigt. Auch die Verfügbarkeit geeigneter Flächen, die Verkehrsanbindung sowie Vereinbarungen zu Lärm, Naturschutz und Infrastruktur müssen gesichert sein.
Thüringen bringt bereits eine Rückkehr ins Gespräch
Nach der Ankündigung der Pause wurden in Thüringen erste Forderungen laut, das Festival an seinen früheren Standort am Stausee Hohenfelden zurückzuholen.
Eine solche Rückkehr ist derzeit jedoch lediglich eine politische Idee. Die Veranstalter haben weder einen neuen Standort noch einen konkreten Termin für eine Fortsetzung bekannt gegeben.
Ein Ortswechsel würde zudem neue Genehmigungen, Flächenplanungen und Sicherheitskonzepte erfordern. Auch die Erfahrungen aus der Zeit vor dem Umzug nach Sachsen müssten berücksichtigt werden. Damals hatte es unter anderem Auseinandersetzungen über Müll und Schäden am Gelände gegeben.
Festivalbranche kämpft mit steigenden Ausgaben
Die Probleme des Highfield stehen stellvertretend für eine angespannte Lage vieler Musikfestivals. Künstlergagen, Energie, Technik, Transport, Versicherungen, Sicherheit und Personal sind deutlich teurer geworden.
Gleichzeitig konkurrieren zahlreiche Veranstaltungen um dieselben Besucher. Diese müssen angesichts höherer Mieten, Lebensmittel- und Reisekosten stärker auswählen, welche Konzerte und Festivals sie sich leisten können.
Große Festivals benötigen zudem umfangreiche Sicherheits- und Rettungskonzepte. Beim Highfield 2025 waren rund 210 Einsatzkräfte und drei Ärzte vor Ort. Mehr als 1.000 Menschen wurden während des heißen Wochenendes medizinisch behandelt, überwiegend wegen Kreislaufproblemen, Wespenstichen oder anderer leichterer Beschwerden.
Solche Leistungen sind notwendig, erhöhen aber ebenfalls die Gesamtkosten.
Riesenradbrand von 2024 wirkt bis heute nach
Das Festival war 2024 von einem schweren Brand an einem Riesenrad überschattet worden. Zwei Gondeln gerieten in Brand, 16 Menschen wurden teilweise schwer verletzt.
Die Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und fahrlässigen Brandstiftung waren zuletzt noch nicht abgeschlossen. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem damaligen Unglück und der angekündigten Festivalpause wurde von den Veranstaltern nicht genannt.
Im Jahr 2025 verlief die Veranstaltung nach Angaben von Rettungskräften und Organisatoren dagegen besonders ruhig und friedlich. Damit dürfte der wirtschaftliche Druck und nicht die Sicherheitslage den Ausschlag für die aktuelle Entscheidung gegeben haben.
Die Pause darf kein stilles Ende werden
Die Veranstalter sprechen ausdrücklich von einer kreativen Pause. Eine Garantie für eine Rückkehr ist das jedoch nicht.
Entscheidend wird sein, ob ein kleineres, günstigeres oder anders aufgebautes Festival genügend Besucher anzieht, ohne seinen bisherigen Charakter zu verlieren. Denkbar wären weniger Bühnen, eine geringere Kapazität, ein verkürztes Programm oder eine stärkere Konzentration auf bestimmte Musikrichtungen.
Auch Land, Landkreis und Gemeinde sollten prüfen, ob sie zur Sicherung eines bedeutenden ostdeutschen Kulturereignisses beitragen können. Öffentliche Unterstützung darf wirtschaftliche Risiken privater Veranstalter nicht unbegrenzt übernehmen. Sie kann aber bei Infrastruktur, Nahverkehr, Genehmigungen und Standortentwicklung helfen.
Für Großpösna und die Region Leipzig wäre ein endgültiges Ende ein kultureller und wirtschaftlicher Verlust. Ob aus dem „One Last Dance“ tatsächlich nur eine Pause oder der Abschied nach fast 30 Jahren wird, entscheidet sich frühestens nach 2027.
Quellen
- Highfield Festival sowie die Veranstalter FKP Scorpio und Semmel Concerts: „Highfield. One Last Dance“, Mitteilung zur kreativen Pause und zur Zukunft des Festivals, veröffentlicht am 16. Juli 2026.
- Highfield Festival: Offizielles Programm, Termine, Tagesaufteilung und Veranstaltungsinformationen für 2026, abgerufen am 1. August 2026.
- Gemeinde Großpösna: Stellungnahme zur angekündigten Pause des Highfield Festivals, veröffentlicht im Juli 2026.