Das internationale Theaternetzwerk POLYPHONY hat bei seinem ersten Netzwerktreffen in Norwegen die nächsten Schritte seiner Zusammenarbeit beraten. Vertreter aus zehn Ländern kamen vier Tage lang in Kristiansand zusammen, nachdem die Vereinigung erst im Februar in Bautzen gegründet worden war.

Vom 11. bis 14. September trafen sich 20 Vertreter von Theatern und Kulturinstitutionen an der University of Agder. Im Mittelpunkt stand die erste Mitgliederversammlung der internationalen Vereinigung „Polyphony – International Association of Theatre and Performing Arts in and for Indigenous, Regional and Minoritized Languages“.

Dabei ging es um die Frage, welche Ziele das Netzwerk in den kommenden Jahren verfolgen und welchen Beitrag die einzelnen Mitglieder dazu leisten sollen.

EU-Förderung für vierjährigen Arbeitsplan geplant

Ein zentraler Punkt des Treffens war die Vorbereitung eines gemeinsamen Antrags auf EU-Förderung.

Damit soll ein vierjähriger Arbeitsplan finanziert werden, der neue Kooperationen und gemeinsame Projekte ermöglichen soll.

POLYPHONY will die Zusammenarbeit zwischen bereits beteiligten Theatern und neuen Mitgliedern ausbauen. Im Mittelpunkt stehen Bühnen und Kulturinstitutionen, die in indigenen, regionalen oder minorisierten Sprachen arbeiten.

Theater aus zehn Ländern vertreten

Die Zusammensetzung des Treffens zeigte die sprachliche und kulturelle Vielfalt des Netzwerks.

Vertreten waren unter anderem friesische Kulturschaffende aus den Niederlanden, irische Theatervertreter, das Centro Dramático Galego aus Galicien, das Jüdische Theater aus Bukarest und das norwegische Kvääniteatteri.

Gastgeber war die University of Agder in Kristiansand. Die Universität stellte die Räume zur Verfügung und unterstützte das Treffen finanziell.

Bautzen bringt sorbische Theaterarbeit ein

Für das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen nahm Julia Klingner teil. Sie ist Stellvertreterin des Intendanten für das sorbische Theater.

Das Bautzener Haus bringt seine Erfahrungen mit Theaterproduktionen in ober- und niedersorbischer Sprache in das Netzwerk ein.

Auch die Erfahrungen aus den bisherigen phōnē-Festivals spielen dabei eine wichtige Rolle.

Aus europäischem Projekt wird dauerhafte Organisation

POLYPHONY wurde am 6. Februar 2026 in Bautzen gegründet.

Die Vereinigung entstand aus dem europäischen Projekt „phōnē – Minderheitensprachen eine Stimme geben“. Zwischen 2022 und 2025 arbeiteten darin acht Minderheitentheater aus mehreren europäischen Ländern zusammen.

Aus dem zeitlich begrenzten Projekt wurde anschließend eine dauerhafte internationale Organisation mit Sitz in Bautzen.

Sprache soll durch Theater lebendig bleiben

Das Netzwerk verfolgt dabei einen Ansatz, der über reine Sprachpflege hinausgeht.

POLYPHONY will regionalen und minorisierten Sprachen mehr internationale Sichtbarkeit verschaffen, den Austausch zwischen Theatern stärken und gemeinsame künstlerische Projekte ermöglichen.

Die beteiligten Theater wollen Sprachen nicht nur bewahren, sondern sie auf der Bühne aktiv nutzen und weiterentwickeln.

Nach dem ersten Netzwerktreffen in Kristiansand sollen nun konkrete Kooperationen zwischen den Mitgliedern vorbereitet werden.

Quelle: Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen, Presseinformation zum ersten POLYPHONY-Netzwerktreffen in Kristiansand vom 11. bis 14. September 2026.