Hinter Fassaden, Toren und Bauzäunen verbergen sich Orte, die viele Berliner nur von außen kennen. Am 12. und 13. September werden mehr als 300 Denkmale in allen Bezirken zugänglich – darunter Filmtheater, Villen, Industrieanlagen, Sportbauten und private Wohnhäuser.
Rund 700 Veranstaltungen geplant
Der Tag des offenen Denkmals steht 2026 unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“. Das Landesdenkmalamt kündigt mehr als 700 Einzelveranstaltungen an.
Zum Programm gehören Ausstellungen, Führungen, Radtouren, Gespräche, Performances, Kunst, Musik und interaktive Angebote. Das laufend ergänzte Programm ist ab sofort verfügbar.
Kino International wird zum Titelmotiv
Das Kino International an der Karl-Marx-Allee steht im Mittelpunkt der diesjährigen Kampagne. Das 1963 nach Plänen von Josef Kaiser eröffnete Filmtheater gilt als bedeutendes Beispiel sozialistischer Moderne.
Zu DDR-Zeiten diente das Haus als Premierenkino für nationale und internationale Produktionen. Nach einer 18-monatigen Sanierung verbindet es heute wieder historische Gestaltung mit moderner Kinotechnik.
Mehrere Führungen am Sonnabend sollen Einblicke in die Baugeschichte und die besondere Rolle des Hauses für die Berliner Filmkultur geben.
Seltene Einblicke ins Bauhaus-Archiv
Auch das Bauhaus-Archiv gehört zu den besonderen Programmpunkten. Der nach Entwürfen von Walter Gropius realisierte Bau steht seit 1997 unter Denkmalschutz.
Das Gebäude wird derzeit umfassend saniert und durch einen Neubau ergänzt. Baustellenführungen an beiden Veranstaltungstagen zeigen, wie weit die Arbeiten inzwischen fortgeschritten sind.
Sportgeschichte auf dem Olympiagelände
Im Haus des deutschen Sports können Besucher den besonderen Kuppelbau erkunden. Das Gebäude gehört zum denkmalgeschützten Deutschen Sportforum, dessen Entwicklung 1927 als Sporthochschule begann.
Zur Olympiade 1936 wurde das Ensemble durch den Architekten Werner March fertiggestellt. Seit 2018 erfolgten energetische und bauliche Sanierungen in mehreren Abschnitten.
Mittelmeerhaus öffnet vor langer Sanierung
Das Mittelmeerhaus im Botanischen Garten wurde 1904 als erstes Gewächshaus der Anlage fertiggestellt. Jugendstil-Elemente machen es zu einem besonderen Beispiel früher Gartenbauarchitektur.
Anfang 2027 soll das Gebäude für mehrere Jahre geschlossen und saniert werden. Eine Führung am Sonnabend erzählt deshalb noch einmal seine Geschichte als Ort der Wissenschaft.
Private Villen und Gärten werden zugänglich
Neu im Programm ist die Bankiersvilla Haus Behaim-Schwarzbach im Westend. Sie entstand 1907 und 1908 für den Bankdirektor Carl Behaim-Schwarzbach und gehört zu einem Villenensemble der späten Kaiserzeit.
Das Landhaus Am Rupenhorn steht dagegen für die Neue Sachlichkeit. Es wurde 1929 und 1930 von Hans und Wassili Luckhardt sowie Alfons Anker errichtet.
Auch der Garten des Hauses Langenscheidt am Wannsee kann besichtigt werden. Historische Wege, alter Baumbestand und der Blick auf den See prägen das frühere private Sommerrefugium.
Neues Welterbe in Zehlendorf
Die sechs Siedlungen der Berliner Moderne wurden vor wenigen Tagen um die Waldsiedlung Zehlendorf erweitert. Beim Denkmalwochenende öffnen private Eigentümer ihre Häuser.
Führungen und Ausstellungen geben Einblicke in Architektur und Alltag des neuen Welterbes. Auch in den anderen Siedlungen der Berliner Moderne sind verschiedene Themenführungen geplant.
Industriekultur wird zum Festival
Der Tag des offenen Denkmals ist zugleich Auftakt für das Festival der Berliner Industriekultur. Dieses läuft vom 12. September bis zum 4. Oktober.
In Schöneweide entsteht entlang der Wilhelminenhofstraße ein „Walk of Fame“, der Erfindungen, Physiker und Start-ups mit den dortigen Industriebauten verbindet. Eine Ausstellung im Industriesalon ergänzt das Angebot.
Weitere Programmpunkte führen in das Straßenbahndepot Wendenschloßstraße, zum Großen Windkanal in Adlershof und in den Natur Park Südgelände, wo zwischen Industriearchitektur und Natur getanzt werden kann.
Viele Veranstaltungen sind kostenlos
Der Tag des offenen Denkmals wird von öffentlichen Einrichtungen, Vereinen, Initiativen, Kirchengemeinden, Stiftungen, Unternehmen, Wohnungsbaugesellschaften und privaten Denkmaleigentümern getragen.
Die meisten Veranstaltungen sind kostenlos. Wegen der erwarteten Nachfrage ist für zahlreiche Führungen jedoch eine rechtzeitige Anmeldung erforderlich.
Ein gedrucktes Programmheft liegt kostenlos im Alten Stadthaus an der Klosterstraße 47 aus.
Quellen
• Landesdenkmalamt Berlin: „Programmstart Tag des offenen Denkmals 2026“, 3. August 2026
• Landesdenkmalamt Berlin: Angaben zu Veranstaltungsorten, Führungen und dem Festival der Berliner Industriekultur, 3. August 2026