Kalkar – Wer Satelliten ausschaltet, kann moderne Streitkräfte an empfindlichen Stellen treffen.
Kommunikation, Navigation, Aufklärung und die Führung militärischer Verbände funktionieren heute zu einem erheblichen Teil mithilfe von Technik im Weltraum.
Die Bundeswehr beschäftigt sich deshalb zunehmend mit der Frage, wie eigene Systeme im Orbit geschützt werden können.
Bei der Konferenz „Mission-K“ am 29. und 30. September in Kalkar treffen Vertreter der Bundeswehr auf Raumfahrtunternehmen, Rüstungskonzerne und spezialisierte Technologieunternehmen.
Mehr als 100 Unternehmen beteiligt
An dem Treffen beteiligen sich mehr als 100 Unternehmen und hochrangige Vertreter aus Militär und Industrie.
Dabei geht es nicht um ferne Science-Fiction-Szenarien.
Satelliten sind längst Bestandteil des militärischen Alltags. Ohne sie wären globale Kommunikation, präzise Positionsbestimmung und schnelle Aufklärung erheblich schwieriger.
Gleichzeitig können Satelliten selbst Ziel von Angriffen werden.
Cyberangriffe können Satelliten treffen
Eine Gefahr sind Cyberattacken.
Gelingt es einem Angreifer, Kontrollsysteme oder Datenverbindungen zu manipulieren, muss ein Satellit nicht einmal physisch zerstört werden, um seinen militärischen Nutzen zu verlieren.
Auch elektronische Störmaßnahmen können Kommunikation oder Navigationssignale beeinträchtigen.
Hinzu kommen Laser, Strahlung und Weltraumschrott.
Die Bundeswehr betrachtet den Weltraum deshalb inzwischen als eigenständigen militärischen Operationsraum.
Drei Aufgaben stehen in Kalkar im Mittelpunkt
Bei „Mission-K“ arbeiten Militär und Industrie an drei konkreten Themen.
Erstens geht es um Möglichkeiten, Bedrohungen für deutsche Satelliten frühzeitig zu erkennen und abzuwehren. Dabei werden ausdrücklich auch Lösungen untersucht, die ohne klassische Waffen funktionieren.
Zweitens suchen die Teilnehmer nach Materialien und Technologien, die Satelliten widerstandsfähiger gegen Laser, Strahlung und physische Einwirkungen machen.
Der dritte Schwerpunkt betrifft die Steuerung der Systeme.
Satelliten sollen auch ohne feste Bodenstation funktionieren
Ein Gegner könnte versuchen, nicht den Satelliten selbst, sondern seine Bodenstation anzugreifen.
Fällt diese aus, kann selbst ein technisch intakter Satellit möglicherweise nur eingeschränkt genutzt werden.
Deshalb wird an mobilen Kontrollsystemen gearbeitet.
Die Bundeswehr möchte Satelliten auch dann kontrollieren können, wenn stationäre Einrichtungen zerstört, sabotiert oder elektronisch gestört wurden.
Weltraumkommando überwacht den Orbit rund um die Uhr
Für diese Aufgaben besitzt die Bundeswehr seit mehreren Jahren ein eigenes Weltraumkommando.
Es überwacht gemeinsam mit weiteren Einrichtungen den erdnahen Weltraum im 24-Stunden-Betrieb.
Dabei werden mögliche Bedrohungen für Satelliten verfolgt, Flugbahnen analysiert und auch Auswirkungen des Weltraumwetters berücksichtigt.
Eine weitere Abteilung soll bei Bedarf militärische Gegenmaßnahmen planen und koordinieren.
Deutschland baut eigene Aufklärung aus
Von besonderer Bedeutung ist das Satellitensystem SARah.
Die Bundeswehr nutzt es zur radargestützten Aufklärung aus dem Weltraum.
Der erste Satellit liefert bereits seit Ende 2023 Daten. Bis Ende 2026 soll das System mit zwei weiteren Satelliten seine volle Leistungsfähigkeit erreichen.
Damit will Deutschland bei der strategischen Aufklärung unabhängiger werden.
Industrie wird für Bundeswehr immer wichtiger
Die Entwicklung eigener Weltraumfähigkeiten kann die Bundeswehr nicht allein bewältigen.
Satelliten, Sensoren, Software, Materialien, Kommunikationstechnik und Raketen entstehen überwiegend in spezialisierten Unternehmen.
Deshalb sucht die Bundeswehr bewusst eine engere Zusammenarbeit mit der Industrie.
Dabei stellt sich zugleich die Frage, wie eng die Verbindung zwischen Auftraggeber und möglichen Auftragnehmern sein sollte.
Transparente Vergabeverfahren und Wettbewerb bleiben deshalb wichtig.
Krieg in der Ukraine zeigt Bedeutung des Weltraums
Der Ukraine-Krieg hat die militärische Bedeutung kommerzieller und staatlicher Satellitentechnik besonders sichtbar gemacht.
Satellitenbilder liefern Informationen über Truppenbewegungen. Satellitenkommunikation ermöglicht Datenübertragung auch dort, wo terrestrische Netze zerstört sind.
Navigationssysteme unterstützen wiederum Drohnen, Fahrzeuge und Präzisionswaffen.
Wer solche Fähigkeiten verliert, verliert im modernen Krieg schnell einen Teil seines Lagebildes.
Sicherheit Deutschlands entscheidet sich auch oberhalb der Erde
Der Ausbau deutscher Weltraumfähigkeiten bedeutet nicht, dass Deutschland unmittelbar einen Krieg im All erwartet.
Die Bundeswehr bereitet sich vielmehr darauf vor, bereits vorhandene kritische Systeme besser zu schützen.
Denn ein moderner Konflikt würde sich nicht mehr ausschließlich auf Land, See und Luft beschränken.
Auch Cyberraum und Weltraum sind längst Teil militärischer Planung geworden.