Ilmenau – Thüringen will beim autonomen Fahren den nächsten Schritt machen. Statt einzelner Testprojekte sollen automatisierte Fahrzeuge künftig stärker in den regulären öffentlichen Nahverkehr integriert werden.
Beim 8. Thüringer Forum Mobilität in Ilmenau machte Staatssekretär Dr. Tobias J. Knoblich deutlich, dass das Land vor allem im ländlichen Raum großes Potenzial sieht.
Autonome Fahrzeuge könnten dort zusätzliche Verbindungen ermöglichen, längere Bedienzeiten schaffen und die sogenannte letzte Meile besser abdecken.
Autonomer Kleinbus und Level-4-Fahrzeug vorgestellt
Beim Forum am Thüringer Innovationszentrum Mobilität wurde die Technik bereits praktisch gezeigt.
Präsentiert wurden ein autonom fahrender Kleinbus sowie ein Fahrzeug des Automatisierungsgrades Level 4.
Bei diesem Automatisierungsgrad kann ein Fahrzeug unter definierten Bedingungen vollständig selbstständig fahren.
Entscheidend ist nun nach Auffassung des Landes, aus der vorhandenen Technik alltagstaugliche Angebote zu entwickeln.
Vom Pilotprojekt zum dauerhaften Angebot
Thüringen verfügt bereits über Erfahrungen aus verschiedenen Pilotprojekten und Forschungseinrichtungen.
Künftig sollen daraus Angebote entstehen, die dauerhaft betrieben und auf weitere Regionen übertragen werden können.
Dafür reicht die Fahrzeugtechnik allein nicht aus.
Benötigt werden auch tragfähige Betriebskonzepte, eine verlässliche Finanzierung und eine sinnvolle Einbindung in bestehende Bus- und Bahnverbindungen.
Modellregion für autonomes Fahren geplant
Ein wichtiger nächster Schritt soll eine Modellregion für automatisiertes und vernetztes Fahren werden.
Erste Gespräche laufen bereits.
Eine Rolle spielt dabei das Reallabor MOVEwell im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Dort soll untersucht werden, wie autonome Fahrzeuge unter realen Alltagsbedingungen eingesetzt werden können.
Ziel ist ein Betrieb, der nicht mit dem Ende eines Förderprojekts wieder eingestellt werden muss.
Thüringen fordert Geld vom Bund
Das Land sieht den Bund in der Pflicht.
Thüringen fordert ein konkretes Konzept für Modellregionen sowie eine belastbare Finanzierung.
Kommunen, Verkehrsunternehmen und Länder bräuchten Planungssicherheit, wenn autonome Angebote dauerhaft aufgebaut werden sollen.
Fachkräftemangel als zusätzlicher Treiber
Autonomes Fahren soll nicht nur neue Verbindungen schaffen.
Das Land sieht darin auch eine Antwort auf den zunehmenden Fachkräftemangel im Verkehrsbereich.
Gerade in ländlichen Regionen ist es schwierig, zusätzliche Busangebote wirtschaftlich und personell abzusichern.
Autonome Fahrzeuge könnten künftig helfen, bestehende Lücken zu schließen.
Verkehrssicherheit bleibt zentrale Voraussetzung
Neben Technik und Finanzierung spielt die Sicherheit eine zentrale Rolle.
Thüringen orientiert sich dabei weiterhin an der sogenannten Vision Zero.
Das langfristige Ziel lautet, Verkehrstote und Schwerverletzte möglichst vollständig zu vermeiden.
Automatisiertes und vernetztes Fahren soll auch dazu beitragen, menschliche Fehler zu reduzieren und den Straßenverkehr sicherer zu machen.
Mehr Mobilität außerhalb der Städte
Der Freistaat verbindet mit der Technologie vor allem die Hoffnung auf bessere Mobilität im ländlichen Raum.
Menschen außerhalb größerer Städte sollen sich künftig stärker darauf verlassen können, auch ohne eigenes Auto ihre Ziele zu erreichen.
Autonome Fahrzeuge könnten dabei zu einem wichtigen Baustein werden – vorausgesetzt, aus den bisherigen Testprojekten entstehen tatsächlich verlässliche Angebote im Alltag.