Immer mehr Menschen verbringen ihre letzte Lebensphase in einer stationären Pflegeeinrichtung. Das stellt das Betreuungspersonal vor hohe emotionale und fachliche Herausforderungen. Eine neue Untersuchung des Instituts für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald belegt nun eindrücklich: Gezielte Palliativ-Schulungen für Pflegekräfte verbessern die Versorgungsqualität von Heimbewohnern messbar und sorgen für spürbare Entlastung am Lebensende.

40 Stunden Schulung machen den Unterschied

Die vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit des Landes Mecklenburg-Vorpommern geförderte Untersuchung nahm die Auswirkungen des 40-stündigen Basis-Kurses „Palliativkompetenz – Multiprofessionell“ unter die Lupe. Die Ergebnisse, die kürzlich in der Fachzeitschrift BMC Palliative Care veröffentlicht wurden, zeigen klare Fortschritte in der alltäglichen Pflegepraxis.

„Die Studie verdeutlicht, dass eine Palliativ-Qualifizierung dazu beitragen kann, Symptome genauer zu identifizieren, den Versorgungsbedarf präziser zu ermitteln und geeignete Maßnahmen zu treffen“, erklärt Erstautorin Franziska Radicke. Dazu gehören beispielsweise das schnellere Anpassen von Schmerzmedikamenten oder das frühzeitige Hinzuziehen von Teams der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV).

Die Ergebnisse der Greifswalder Studie im Überblick

Für die wissenschaftliche Erhebung wurden im Rahmen einer sogenannten cluster-randomisierten Interventionsstudie zehn Pflegeheime miteinander verglichen. Dabei wurden die Daten von 119 verstorbenen Bewohnerinnen und Bewohnern ausgewertet – aufgeteilt in Heime mit geschultem Personal und eine ungeschulte Kontrollgruppe:

  • Spezialisierte Palliativversorgung: In Einrichtungen mit qualifiziertem Personal wurden 19,0 Prozent der Bewohner von spezialisierten ambulanten Palliativteams betreut – in der Kontrollgruppe waren es lediglich 9,1 Prozent.

  • Bessere Symptomerfassung: Schmerzen wurden bei 57,1 Prozent der Bewohner in den geschulten Teams detailliert in der Pflegedokumentation festgehalten (Kontrollgruppe: 49,4 Prozent).

  • Gezieltere Reaktionen: Wurden Schmerzen dokumentiert, folgten in der geschulten Gruppe in 73,6 Prozent der Fälle konkrete Pflegemaßnahmen oder Medikationsanpassungen (Kontrollgruppe: 61,9 Prozent).

Bessere Lebensqualität trotz schwieriger Voraussetzungen

Trotz methodischer Herausforderungen durch die Komplexität der Daten aus der realen Versorgungssituation zieht die Wissenschaft ein eindeutiges Fazit: Palliativschulungen wirken direkt im Alltag der Pflegeheime.

„Die Ergebnisse spiegeln die Herausforderungen der realen Pflegepraxis wider“, betont Studienleiterin Prof. Neeltje van den Berg. „Die Qualifizierung des Personals ist wirksam und ermöglicht eine angemessene palliative Versorgung, die die Lebensqualität von Bewohnern in ihrer letzten Lebensphase sichert.“ Die Forscherinnen hoffen nun, dass die Befunde als Impuls dienen, Palliativschulungen flächendeckend in Pflegeeinrichtungen zu etablieren.

Quellen & Datenbasis

  • Universitätsmedizin Greifswald / Institut für Community Medicine: Ergebnisse der Palliativ-Interventionsstudie in der Fachzeitschrift BMC Palliative Care (Gefördert durch das Gesundheitsministerium Mecklenburg-Vorpommern).