Görlitz. Einen geeigneten Landeplatz auf einem unbekannten Planeten finden, wissenschaftliche Daten auswerten und einen Rover sicher durch schwieriges Gelände steuern: Beim Ferienprojekt „Mission Exoplanet“ übernahmen Jugendliche in Görlitz die Rolle eines Forschungsteams.
Die Projektwoche fand vom 20. bis 24. Juli 2026 im ENERGY Business & Event Space statt. Das Angebot richtete sich an Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren und verband Wissenschaft, Informatik und technische Aufgaben mit Bewegung und Sport. Das Projekt ging nach seinem Auftakt im vergangenen Jahr in die zweite Runde.
Forschungsmission führt durch die Projektwoche
Der Ablauf orientierte sich an einer fiktiven Forschungsreise zu einem Exoplaneten. Die Jugendlichen mussten sich vorstellen, dass ein bislang unbekannter Himmelskörper untersucht werden soll.
Dafür galt es, Informationen auszuwerten, einen geeigneten Landeplatz zu bestimmen und eine sichere Erkundungsmission vorzubereiten. Anschließend sollten technische Lösungen entwickelt werden, mit denen ein Modellfahrzeug Hindernisse erkennt und sich durch unbekanntes Gelände bewegt.
Die Rahmengeschichte machte komplexe wissenschaftliche und technische Themen greifbarer. Statt lediglich Vorträge zu hören, mussten die Teilnehmer selbst ausprobieren, programmieren, Fehler erkennen und ihre Lösungen schrittweise verbessern.
Programmieren mit dem Calliope-Bausatz
Einen Schwerpunkt bildete die praktische Informatik. Die Jugendlichen arbeiteten unter anderem mit dem Calliope-Bausatz, einem kleinen programmierbaren Mikrocontroller für Bildungsprojekte.
Damit konnten sie einfache Programme entwickeln und unmittelbar testen, wie ihre Befehle technische Bauteile und Abläufe beeinflussen. Ergänzend waren erste Einblicke in die Webentwicklung mit JavaScript, HTML und CSS vorgesehen.
Vorkenntnisse waren für die Teilnahme nicht erforderlich. Entscheidend waren Interesse an Naturwissenschaften und Technik sowie die Bereitschaft, gemeinsam an Aufgaben zu arbeiten.
Künstliche Intelligenz wird praktisch angewendet
Auch künstliche Intelligenz gehörte zum Programm. Die Jugendlichen beschäftigten sich damit, wie Daten ausgewertet und technische Systeme bei Entscheidungen unterstützt werden können.
Im Zusammenhang mit der Exoplanetenmission ließ sich dies beispielsweise auf die Frage übertragen, wie ein Rover mögliche Hindernisse erkennt oder aus unterschiedlichen Informationen einen geeigneten Weg bestimmt.
Das Projekt vermittelte künstliche Intelligenz damit nicht als abstraktes Schlagwort, sondern als Werkzeug innerhalb einer klaren Aufgabe.
Gemeinsame Lösungen statt Einzelarbeit
Die Forschungsmission war auf Teamarbeit ausgerichtet. Einzelne Gruppen bearbeiteten unterschiedliche Aufgaben und mussten ihre Ergebnisse anschließend zusammenführen.
Dabei waren neben technischen Fähigkeiten auch Kommunikation, Kreativität und gemeinsames Problemlösen gefragt. Funktionierte ein Programm nicht wie vorgesehen, mussten die Jugendlichen die Ursache suchen und gemeinsam eine neue Lösung entwickeln.
Diese Form des Lernens entspricht auch der Arbeit in realen Forschungsprojekten. Wissenschaftliche Fragen werden häufig von Teams bearbeitet, in denen unterschiedliche Fachrichtungen und Erfahrungen zusammenkommen.
Sport sorgt für Ausgleich
Die Ferienwoche bestand nicht ausschließlich aus Programmier- und Forschungsaufgaben. Die technischen Angebote wurden mit Sport und Bewegung verbunden.
Nach Angaben der Veranstalter gehörten dazu unterschiedliche Aktivitäten, die Konzentration, Geschicklichkeit und Teamgeist fördern sollten. Das Projekt wurde deshalb auch als eine Woche mit „Bits und Bewegung“ angekündigt.
Durch den Wechsel zwischen geistigen und körperlichen Aufgaben sollte verhindert werden, dass die Jugendlichen den gesamten Tag am Bildschirm verbringen. Gleichzeitig griff das Sportprogramm den Gedanken auf, dass reale Raumfahrtmissionen neben technischem Wissen auch körperliche Belastbarkeit verlangen.
Mehrere Partner tragen das Projekt
„Mission Exoplanet“ wurde von mehreren Einrichtungen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Bildung und Sport gemeinsam umgesetzt.
Zu den beteiligten Partnern gehörten das Deutsche Zentrum für Astrophysik, ZEISS Digital Innovation, FEV etamax, die Hochschule Zittau/Görlitz und der Oberlausitzer Kreissportbund. Der Veranstaltungsort war der ENERGY Business & Event Space in Görlitz.
Die Zusammenarbeit zeigt, wie unterschiedliche regionale Akteure gemeinsam Bildungsangebote entwickeln können. Jugendliche erhalten dadurch frühzeitig Einblicke in Forschung, Softwareentwicklung, technische Berufe und Studienmöglichkeiten.
Bereits der Auftakt brachte 20 Jugendliche zusammen
Die erste Ferienwoche unter dem Namen „Mission Exoplanet“ fand im Juli 2025 statt. Damals nahmen nach Angaben des Deutschen Zentrums für Astrophysik 20 Jugendliche teil.
Sie arbeiteten vormittags an einer simulierten Exoplanetenmission und bereiteten unter anderem die Landung eines Mini-Rovers vor. Am Nachmittag standen sportliche Aktivitäten auf dem Programm.
Der erneute Termin im Sommer 2026 zeigt, dass das Konzept fortgesetzt und als regelmäßiges Ferienangebot etabliert werden soll.
DZA bringt Astrophysik auch in Schulen
Das Deutsche Zentrum für Astrophysik arbeitet außerdem direkt mit Schulen in Görlitz zusammen. Im März 2026 nahmen drei neunte Klassen des Joliot-Curie-Gymnasiums an einem Projekt zur Erforschung von Exoplaneten teil.
Die Schülerinnen und Schüler bauten ein Modell eines Sonnensystems mit einer zentralen Lichtquelle und einem umlaufenden Planeten. Mithilfe eines Modellfahrzeugs und von Sensoren erfassten sie eine Lichtkurve und machten damit die sogenannte Transitmethode praktisch nachvollziehbar.
Bei dieser Methode lässt sich ein Planet nachweisen, wenn er von der Erde aus gesehen vor seinem Stern vorbeizieht und dessen Licht vorübergehend abschwächt.
Forschung soll in der Region sichtbar werden
Das Ferienprojekt ist Teil einer größeren Entwicklung in Görlitz. Mit dem Deutschen Zentrum für Astrophysik entsteht in der Stadt eine neue Forschungseinrichtung mit den Schwerpunkten Astrophysik, Datenwissenschaft und Technologieentwicklung.
Bildungsangebote wie „Mission Exoplanet“ sollen dazu beitragen, diese Forschung frühzeitig in der Region sichtbar und für junge Menschen zugänglich zu machen. Das DZA betont, dass solche Projekte neben fachlichem Interesse auch analytisches Denken und Problemlösungsfähigkeit fördern.
Für Görlitz ist das auch mit Blick auf die langfristige Fachkräfteentwicklung von Bedeutung. Junge Menschen sollen erleben, dass moderne Forschung und technische Berufsmöglichkeiten nicht nur in großen westdeutschen Metropolen, sondern auch in der Oberlausitz entstehen.
Ferienbildung kann Interesse an Berufen wecken
Eine einzelne Projektwoche entscheidet noch nicht über eine spätere Berufswahl. Sie kann aber Berührungsängste abbauen und zeigen, dass Programmieren, Datenanalyse oder Astrophysik keine unerreichbaren Spezialgebiete sind.
Gerade praktische Aufgaben können Jugendlichen helfen, eigene Stärken zu entdecken. Wer ein Modell programmiert, einen Fehler findet oder gemeinsam eine technische Lösung entwickelt, erhält einen direkteren Zugang zu MINT-Themen als durch reine Theorie.
Damit ergänzt das Projekt den Schulunterricht um Erfahrungen, für die im normalen Stundenplan häufig nur wenig Zeit bleibt.
„Mission Exoplanet“ verwandelte die Sommerferien in Görlitz in eine wissenschaftliche Forschungsreise. Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren konnten programmieren, künstliche Intelligenz anwenden, technische Aufgaben lösen und sich sportlich betätigen.
Das Projekt zeigt, wie moderne Nachwuchsförderung funktionieren kann: durch praktische Aufgaben, regionale Partner und ein Thema, das Neugier weckt. Für Görlitz ist die Ferienwoche zugleich ein Beispiel dafür, wie der Aufbau des Deutschen Zentrums für Astrophysik schon heute konkrete Bildungsangebote für junge Menschen in der Oberlausitz ermöglicht.
Quellen
ENERGY Business & Event Space: Veranstaltungskalender mit Termin und Veranstaltungsort der Projektwoche „Mission Exoplanet“.
Deutsches Zentrum für Astrophysik: Informationen zur schulischen Exoplanetenforschung, zur Transitmethode und zu den Arbeitsfeldern des DZA.
Deutsches Zentrum für Astrophysik: Rückblick auf die erste Ferienprojektwoche „Mission Exoplanet“ im Juli 2025.
Hi!Lusatia: Ankündigung der zweiten Projektwoche mit Angaben zu Alter, Programmierung, künstlicher Intelligenz, Sport und Projektpartnern.
ZEISS Digital Innovation: Angaben zum Einsatz des Calliope-Bausatzes sowie zu ersten Einblicken in JavaScript, HTML und CSS.