Eine der bekanntesten Figuren auf dem Spielplatz an der Görlitzer Parkeisenbahn hat nach fast fünf Jahrzehnten nicht nur neue Technik, sondern auch einen eigenen Namen bekommen. Die 1978 gestaltete Weinbergschnecke wurde im Zuge der umfassenden Spielplatzsanierung sicherheitstechnisch modernisiert. Bei einer Abstimmung entschieden Kinder anschließend, dass das markante Spielgerät künftig „Flitzi“ heißen soll.
Historisches Erscheinungsbild ließ sich nicht vollständig erhalten
Die Weinbergschnecke stammt aus dem Jahr 1978 und wurde von Franz Gruß gestaltet. Er ist auch als Vater des Saurierparks Kleinwelka bekannt und prägte mit seinen plastischen Figuren mehrere Freizeitangebote in der Region.
Über Jahrzehnte gehörte die Schnecke zum festen Erscheinungsbild des Görlitzer Spielplatzes. Im Laufe der Zeit musste sie immer wieder an veränderte Sicherheitsvorschriften angepasst werden.
Bei der aktuellen Sanierung prüfte die Stadt zunächst, ob sich die ursprüngliche Gestaltung vollständig wiederherstellen lässt. Dieser Ansatz ließ sich jedoch nicht umsetzen. Die historische Rutschfläche war nach heutigen Maßstäben zu steil. Ein sogenannter Bestandsschutz konnte deshalb nicht angewendet werden.
Damit stand die Stadt vor der Aufgabe, den Charakter des alten Spielgeräts zu erhalten und gleichzeitig aktuelle Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.
Neue Tunnelrutsche ersetzt frühere Konstruktion
Die Weinbergschnecke erhielt schließlich eine neue Rutschen-Aufstiegskombination.
Dafür wurde eine moderne Tunnelrutsche gefertigt und montiert. Ergänzt wurde sie durch einen neuen Aufstieg, sodass Kinder die Figur weiterhin als aktives Spielgerät nutzen können.
Die Tunnelrutsche wurde von der Linsmeier OHG aus Schönberg geliefert. Für den Aufstieg sowie die Montage war die P&V Metalltechnik GmbH aus Markersdorf verantwortlich.
Durch diese Lösung konnte die Schnecke auf dem Spielplatz bleiben, obwohl die ursprüngliche Rutschenkonstruktion nicht mehr den aktuellen Sicherheitsanforderungen entsprach.
Für die Stadt war der Erhalt offenbar von besonderer Bedeutung. Die Figur ist seit Jahrzehnten eng mit dem Standort verbunden und gehört zu den wiedererkennbaren Elementen des Spielplatzes.
50 Kinder stimmen über neuen Namen ab
Mit der technischen Modernisierung kam eine weitere Neuerung hinzu. Die Schnecke sollte erstmals einen eigenen Namen bekommen.
Gemeinsam mit dem Familienbüro entwickelte die Stadt die Idee, die Entscheidung nicht allein in der Verwaltung zu treffen. Stattdessen durften die Kinder selbst abstimmen.
Bei der Eröffnung des sanierten Spielplatzes wurden zwischen 10.15 und 12 Uhr insgesamt 50 Stimmzettel ausgegeben. Sämtliche Zettel wurden ausgefüllt.
Vier Namen standen zur Auswahl: „Walli“, „Flitzi“, „Franz“ und „Schneck“.
Hinter den Vorschlägen steckten unterschiedliche Bezüge. „Walli“ leitete sich von Waldtraud ab und sollte an die Lage im Park erinnern. „Franz“ war als Würdigung des Gestalters Franz Gruß gedacht. Dazu kamen die Vorschläge „Flitzi“ und „Schneck“.
Am Ende setzte sich „Flitzi“ mit deutlichem Vorsprung durch. Dahinter folgten Walli, Franz und Schneck.
Kinder sollen auch künftig bei Spielplätzen mitreden
Die Abstimmung über den Namen ist nach Angaben der Stadt Teil eines größeren Beteiligungsansatzes.
Kinder werden bei der Planung und Gestaltung von Spiel- und Freizeitanlagen regelmäßig einbezogen. Sie können Wünsche für neue Anlagen äußern, Gestaltungsvorschläge bewerten oder in Kinderjurys Empfehlungen abgeben.
Teilweise dürfen junge Nutzer auch über konkrete Ausstattungsdetails entscheiden.
Die nächste Beteiligungsmöglichkeit ist bereits vorgesehen. Im September 2026 soll im Zusammenhang mit der geplanten Neugestaltung des Spielplatzes an der Blockhauswiese eine Kinderwerkstatt stattfinden.
Dort können Kinder ihre Ideen und Wünsche für die künftige Gestaltung einbringen.
Damit wird die Beteiligung nicht nur symbolisch eingesetzt. Die Stadt will die Erfahrungen derjenigen nutzen, die die Anlagen später tatsächlich regelmäßig besuchen.
Spielplatz wurde für rund 457.000 Euro erneuert
Die Modernisierung der Weinbergschnecke war Teil einer größeren Neugestaltung des gesamten Spielplatzes an der Parkeisenbahn.
Die Arbeiten liefen von Mitte Februar bis Anfang Juni 2026. Das Konzept stand unter dem Motto „Abenteuer im Waldpark – auf Schneckenpfaden“.
Entstanden ist eine Spiellandschaft für unterschiedliche Altersgruppen und unterschiedliche körperliche Voraussetzungen.
Zu den neuen Angeboten gehören Kletter-, Balancier- und Rutschmöglichkeiten. Gleichzeitig wurden inklusive Spielangebote und barrierefrei erreichbare Elemente geschaffen.
Auch mehrere ältere und prägende Spielgeräte konnten erhalten werden. Neben der Weinbergschnecke gehören dazu das Baumhaus und die Doppelseilbahn.
Ergänzt wurde die Anlage durch neue Wege und Platzflächen, zusätzliche Sitzmöglichkeiten, Fahrradbügel und eine neue Einfriedung entlang der Gleisanlage der Parkeisenbahn.
Auch neue Bäume wurden gepflanzt.
Die Gesamtkosten für die Neugestaltung beliefen sich nach Angaben der Stadt auf rund 457.000 Euro.
Aus alter Schnecke wird neues Wahrzeichen des Spielplatzes
Seit einigen Wochen ist der Spielplatz wieder geöffnet. Nach Angaben der Stadt wird die Anlage gut angenommen.
Für die Weinbergschnecke beginnt damit ein neues Kapitel. Sie bleibt als historische Figur erhalten, wurde technisch an heutige Anforderungen angepasst und trägt nun einen Namen, den die Kinder selbst bestimmt haben.
„Flitzi“ verbindet damit mehrere Generationen: Erwachsene, die die Schnecke noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen, treffen auf Kinder, die das Spielgerät heute mit einer neuen Rutsche nutzen können.
Gerade dieser Mix aus Erhalt und Modernisierung prägt die jüngste Umgestaltung des Spielplatzes. Statt sämtliche älteren Elemente zu ersetzen, wurden charakteristische Spielgeräte in das neue Gesamtkonzept integriert.
Quellen
Stadt Görlitz – Pressemitteilung „Weinbergschnecke heißt jetzt ‚Flitzi‘ – beliebtes Spielgerät auf Görlitzer Spielplatz wurde modernisiert“