Thüringens Bauhauptgewerbe verzeichnet im ersten Halbjahr 2026 einen kräftigen Zuwachs bei den Bestellungen. Die Auftragseingänge steigen um 20,8 Prozent, obwohl sich diese Entwicklung noch nicht vollständig in den Umsätzen zeigt.

Die größeren Betriebe des Thüringer Bauhauptgewerbes erhielten von Januar bis Juni Aufträge im Gesamtwert von rund 1,27 Milliarden Euro. Das waren 217,7 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der baugewerbliche Umsatz erhöhte sich dagegen nur um 1,2 Prozent auf rund 1,07 Milliarden Euro. Die unterschiedlichen Entwicklungen zeigen, dass viele neue Aufträge erst in den kommenden Monaten abgearbeitet und abgerechnet werden.

Wohnungsbau erhält deutlich mehr Aufträge

Den größten relativen Anstieg verzeichnete der Wohnungsbau. Die Auftragseingänge wuchsen um 45,3 Prozent auf rund 93 Millionen Euro.

Das entspricht einem Plus von etwa 29 Millionen Euro. Dennoch blieb der tatsächliche Umsatz im Wohnungsbau hinter dem Vorjahr zurück.

Die Betriebe erwirtschafteten in diesem Bereich rund 72,3 Millionen Euro. Das waren 5,6 Prozent weniger als in der ersten Hälfte des Jahres 2025.

Neue Bestellungen bedeuten daher noch keinen unmittelbaren Aufschwung. Genehmigungen, Planung, Materialbeschaffung und der tatsächliche Baubeginn benötigen Zeit. Erst danach fließen die Aufträge vollständig in die Umsatzstatistik ein.

Öffentlicher Bau bleibt stärkster Bereich

Der öffentliche Bau und der Straßenbau erzielten das größte absolute Auftragsplus. Der Wert der neuen Bestellungen stieg um 131,4 Millionen Euro beziehungsweise 22,7 Prozent.

Insgesamt erreichten die Auftragseingänge in diesem Bereich rund 710,6 Millionen Euro. Damit entfiel mehr als die Hälfte des gesamten Auftragsvolumens auf öffentliche Hoch- und Tiefbauten sowie den Straßenbau.

Der Umsatz stieg hier lediglich um 1,1 Prozent auf rund 600,6 Millionen Euro. Auch dieser Abstand deutet auf gut gefüllte Auftragsbücher für die kommenden Monate hin.

Im gewerblichen Bau nahmen die Aufträge um 14,1 Prozent auf etwa 463,1 Millionen Euro zu. Der Umsatz stieg um 2,6 Prozent und erreichte rund 398,5 Millionen Euro.

Große Unterschiede zwischen den Regionen

Die Entwicklung verlief innerhalb Thüringens sehr unterschiedlich. Elf Landkreise und kreisfreie Städte meldeten höhere Umsätze. In neun Regionen gingen die Einnahmen dagegen zurück.

Besonders stark legte der Landkreis Greiz zu. Dort stieg der Umsatz des Bauhauptgewerbes um 33,7 Prozent. Jena erreichte ein Plus von 25,3 Prozent.

Auch der Unstrut-Hainich-Kreis entwickelte sich mit einem Zuwachs von 20,7 Prozent deutlich besser als der Landesdurchschnitt. Nordhausen meldete ein Plus von 12,1 Prozent.

Gera verzeichnete dagegen einen Umsatzrückgang um 45,4 Prozent. Im Landkreis Gotha sank der Wert um 20,3 Prozent.

Erfurt blieb gemessen am absoluten Umsatz die stärkste Thüringer Region. Es folgten Nordhausen, das Weimarer Land, der Wartburgkreis und der Landkreis Eichsfeld.

Beschäftigung bleibt nahezu unverändert

In die Statistik flossen die Angaben von durchschnittlich 279 Betrieben ein. Erfasst werden in der Regel Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten.

In diesen Betrieben arbeiteten insgesamt 13.738 Menschen. Die Beschäftigtenzahl lag damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahres.

Die geleisteten Arbeitsstunden stiegen um 0,5 Prozent. Die Entgelte erhöhten sich insgesamt um 2,3 Prozent. Je Beschäftigten ergab sich ein Zuwachs um 2,4 Prozent.

Die aktuellen Zahlen liefern damit ein gemischtes Bild. Die Auftragseingänge geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Besonders Wohnungsbau, öffentlicher Bau und Straßenbau verfügen über deutlich mehr neue Bestellungen.

Noch bleibt jedoch offen, wie schnell die Betriebe diese Aufträge umsetzen können. Hohe Baukosten, fehlende Fachkräfte und lange Planungsverfahren können Projekte verzögern.

Entscheidend wird die weitere Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte. Werden die neuen Aufträge tatsächlich ausgeführt, könnte sich der bisher geringe Umsatzzuwachs deutlich verstärken.

Quelle: [Thüringer Landesamt für Statistik](https://statistik.thueringen.de/presse/2026/pr_205_26.pdf?utm_source=chatgpt.com)