LEPPERSDORF/ROGÄTZ. Die Unternehmensgruppe Theo Müller plant tiefgreifende Einschnitte an zwei ostdeutschen Standorten. Betroffen sind die Schnittkäserei von Sachsenmilch in Leppersdorf im Landkreis Bautzen sowie das Homann-Saucenwerk in Rogätz im Landkreis Börde.

Nach Unternehmensangaben sind insgesamt rund 320 Arbeitsplätze betroffen – jeweils etwa 160 an beiden Standorten.

Schnittkäserei in Leppersdorf schließt zum Jahresende

Am Sachsenmilch-Standort Leppersdorf soll die Schnittkäserei einschließlich der zugehörigen Produktions-, Verpackungs- und Verwaltungsbereiche zum 31. Dezember 2026 geschlossen werden.

Der Konzern begründet den Schritt mit fehlender Wirtschaftlichkeit. Trotz intensiver Anstrengungen und der Prüfung verschiedener Handlungsoptionen sei es nicht gelungen, den Bereich dauerhaft wirtschaftlich zu betreiben.

Nicht betroffen sind nach Unternehmensangaben andere Produktionsbereiche am Standort. Die Sauermilchkäserei und die Mozzarella-Produktion sollen weiterlaufen.

Leppersdorf gehört zu den großen Produktionsstandorten der Unternehmensgruppe Theo Müller in Deutschland. Insgesamt arbeiten dort mehrere Tausend Menschen.

Rogätz soll bis Herbst 2027 schließen

Auch für das Homann-Werk in Rogätz sieht der Konzern keine langfristige wirtschaftliche Perspektive mehr.

Die Produktion dort soll bis Ende September 2027 eingestellt werden. Rund 160 Beschäftigte sind betroffen.

Als Gründe nennt das Unternehmen unter anderem eine ungünstige Kostenstruktur, hohen Investitionsbedarf und Veränderungen im Konsumverhalten.

Besonders die Nachfrage nach Saucen im Glas sei zurückgegangen. Verbraucher griffen zunehmend zu anderen Verpackungsformen. Dadurch sinke die Auslastung des Werkes und verschärfe die wirtschaftlichen Probleme zusätzlich.

Konzern spricht von sozialverträglichen Lösungen

Mit den Betriebsräten sollen nun Lösungen für die Beschäftigten ausgearbeitet werden.

Im Mittelpunkt stehen nach Unternehmensangaben Möglichkeiten zur Weiterbeschäftigung innerhalb der Unternehmensgruppe, einvernehmliche Vertragsänderungen sowie Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote.

Wie viele Beschäftigte tatsächlich entlassen werden müssen, ist deshalb noch offen.

Schließungen treffen zwei ostdeutsche Industriestandorte

Die Entscheidung ist für Sachsen und Sachsen-Anhalt wirtschaftlich relevant.

In Leppersdorf betrifft sie einen Teilbereich eines der größten Lebensmittelstandorte in Sachsen. Rogätz verliert dagegen perspektivisch einen kompletten Produktionsstandort.

Gerade in ländlichen Regionen sind Industriearbeitsplätze dieser Größenordnung von besonderer Bedeutung. Neben den unmittelbar Beschäftigten hängen häufig auch Zulieferer, Logistikunternehmen und Dienstleister an solchen Betrieben.

Müller wächst andernorts weiter

Die Schließungspläne stehen zugleich im Kontrast zu anderen aktuellen Entscheidungen des Konzerns.

Die Unternehmensgruppe Theo Müller hat in den vergangenen Jahren mehrere Unternehmen und Marken übernommen. 2026 kamen unter anderem Berief Food sowie die Marken Elinas und Lünebest hinzu.

Der Konzern verfolgt damit weiter eine Wachstumsstrategie, konzentriert sich aber offenbar zunehmend auf Standorte und Produktbereiche, die langfristig profitabel betrieben werden können.

Für die Beschäftigten in Leppersdorf und Rogätz beginnt nun eine Phase der Unsicherheit.