Der Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew entwickelt sich auch zu einem milliardenschweren Wirtschaftstreffen. Deutsche Unternehmen und ukrainische Partner haben insgesamt 14 Vereinbarungen mit einem Volumen von rund 6,6 Milliarden Euro geschlossen.

Die Geschäfte betreffen vor allem die Verteidigungsindustrie, Luftabwehr, Radartechnik, Drohnenabwehr und die Energieversorgung.

Gleichzeitig kündigte Deutschland eine weitere Milliarde Euro Militärhilfe für die Ukraine an.

Milliardenaufträge für deutsche Unternehmen

Zu den neuen Vereinbarungen gehören unter anderem Geschäfte mit deutschen Rüstungsunternehmen.

Die Ukraine vereinbarte eine Zusammenarbeit mit Diehl Defence zur Lieferung weiterer IRIS-T-Luftverteidigungssysteme beziehungsweise dazugehöriger Ausrüstung.

Auch der deutsche Radarspezialist Hensoldt gehört zu den beteiligten Unternehmen.

Mit Quantum Systems soll zudem die Zusammenarbeit bei modernen Abfangdrohnen ausgebaut werden.

Damit werden deutsche Unternehmen zunehmend direkt in den Ausbau der ukrainischen Verteidigungsindustrie eingebunden.

Selenskyj spricht von Arbeitsplätzen für Deutschland

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hob hervor, dass die Zusammenarbeit inzwischen in beide Richtungen funktioniere.

Deutschland unterstütze nicht nur die Ukraine. Ukrainische Erfahrungen aus dem Krieg, neue Technologien und umfangreiche Bestellungen könnten gleichzeitig deutschen Unternehmen zugutekommen.

Damit entstehen auch Arbeitsplätze in Deutschland.

Berlin und Kiew arbeiten darüber hinaus an einer umfassenderen Vereinbarung über die gemeinsame Produktion von Drohnen, Raketen und entsprechender Software.

Weitere Milliarde für Militärhilfe

Bundeskanzler Merz kündigte während seines Aufenthalts zusätzliche deutsche Militärhilfe im Umfang von einer Milliarde Euro an.

Weitere 350 Millionen Euro sollen für die Reparatur und Stabilisierung der ukrainischen Energieversorgung bereitgestellt werden.

Russland greift seit Wochen verstärkt ukrainische Kraftwerke, Stromnetze, Verkehrswege und andere Infrastruktur an.

Merz machte deutlich, dass Deutschland seine Unterstützung trotz russischer Drohungen und hybrider Angriffe fortsetzen werde.

Verteidigung wird zum Wirtschaftsfaktor

Die Vereinbarungen zeigen zugleich, wie stark sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Ukraine verändern.

Während zu Beginn des Krieges vor allem staatliche Waffenlieferungen dominierten, entstehen inzwischen zunehmend langfristige industrielle Kooperationen.

Für deutsche Rüstungs- und Technologieunternehmen entwickelt sich die Ukraine damit zu einem bedeutenden Markt.

Gleichzeitig versucht Kiew, westliche Unternehmen stärker in die eigene Verteidigungsproduktion einzubinden.

Die Grenze zwischen militärischer Unterstützung und klassischer wirtschaftlicher Zusammenarbeit wird dadurch zunehmend fließend.