Die Schließungswelle bei den Thüringer Kindertagesstätten setzt sich fort. Bis Ende 2026 könnten weitere 786 genehmigte Betreuungsplätze von Schließungen betroffen sein, nachdem seit Anfang 2025 bereits 26 Einrichtungen aufgegeben wurden.
Seit 2025 schließen 26 Kindertagesstätten
Die Zahl der Kindergärten im Freistaat ist innerhalb von knapp anderthalb Jahren deutlich gesunken. Am 1. März 2025 bestanden nach Angaben des Bildungsministeriums noch 1.340 Einrichtungen. Mitte August 2026 waren es nur noch 1.314.
Auf die bislang geschlossenen Einrichtungen entfielen zum Zeitpunkt ihres jeweiligen Endes insgesamt 1.175 genehmigte Betreuungsplätze. Weitere kommunale Schließungsbeschlüsse liegen bereits vor.
Zu den jüngsten Fällen gehören der Kindergarten „Rasselbande“ im Sondershäuser Ortsteil Oberspier und die Kindertagesstätte „Regenbogen“ in Arnstadt. Beide Einrichtungen hatten am Montag ihren letzten regulären Betreuungstag.
Weitere 786 Kita-Plätze betroffen
Bis zum Ende dieses Jahres könnten Einrichtungen mit insgesamt 786 genehmigten Plätzen schließen. Bis September 2027 liegen nach Angaben des Ministeriums zwölf weitere kommunale Schließungsbeschlüsse vor.
Betroffen sind unterschiedliche Regionen des Landes. Einrichtungen wurden unter anderem in Nordhausen, Erfurt, Weimar und Jena sowie im Wartburgkreis, im Ilm-Kreis und im Saale-Holzland-Kreis aufgegeben.
Wie viele Betreuungsplätze tatsächlich vollständig verschwinden, lässt sich aus den Schließungszahlen allein jedoch nicht ableiten. In mehreren Kommunen werden Einrichtungen zusammengelegt oder als Außenstellen weitergeführt.
Geburtenzahl sinkt deutlich
Hauptursache der Entwicklung ist der anhaltende Geburtenrückgang. Im Jahr 2014 kamen in Thüringen noch mehr als 17.000 Kinder zur Welt. Zehn Jahre später wurden nur noch rund 11.800 Geburten registriert.
Dieser Rückgang erreicht inzwischen die Kindertagesstätten. Besonders in kleineren Orten sinkt die Auslastung, während Personal-, Gebäude- und Betriebskosten weitgehend bestehen bleiben.
Kommunen und Träger müssen deshalb entscheiden, ob sie wenig ausgelastete Einrichtungen erhalten, zusammenlegen oder vollständig schließen. Für Eltern und Beschäftigte bedeutet dies häufig längere Wege und erhebliche Unsicherheit.
Schließung bedeutet nicht immer Platzverlust
Das Bildungsministerium weist darauf hin, dass geschlossene Einrichtungen nicht automatisch einen gleich großen Verlust an Betreuungskapazitäten verursachen. Im Unstrut-Hainich-Kreis wurden beispielsweise zwei Einrichtungen in einem Neubau zusammengeführt.
Eine weitere Kindertagesstätte wird dort als Außenstelle fortgeführt. Im Altenburger Land verteilen Träger und Gemeinden die betroffenen Kinder auf andere Einrichtungen.
Die Kommunen bleiben gesetzlich verpflichtet, ausreichend Betreuungsplätze bereitzustellen. Ob dieses Angebot wohnortnah bestehen bleibt, ist damit allerdings nicht garantiert.
Ländliche Regionen stehen unter Druck
Die Entwicklung der Kindertagesstätten macht den demografischen Wandel unmittelbar sichtbar. Weniger Geburten führen zunächst zu freien Kita-Plätzen und später zu kleineren Schuljahrgängen.
Für ländliche Gemeinden kann die Schließung einer Kita weitreichende Folgen haben. Eine wohnortnahe Betreuung ist für junge Familien ein wichtiges Kriterium bei der Wahl ihres Wohnortes. Fällt sie weg, verliert eine Gemeinde zusätzlich an Attraktivität.
Thüringen steht deshalb vor einer schwierigen Aufgabe. Das Land muss die Betreuungsstrukturen an sinkende Kinderzahlen anpassen, ohne Familien in kleineren Städten und Dörfern von wichtigen Angeboten abzuschneiden.
Quelle: Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur