Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke hat BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht aufgefordert, sich zur Ministerpräsidentin des Freistaats wählen zu lassen. Höcke verbindet seinen Vorstoß mit dem Ziel, die Regierung von CDU-Ministerpräsident Mario Voigt abzulösen. Wagenknecht wies das Angebot am Donnerstag zurück und bezeichnete es als weder ehrlich noch seriös.
Höcke reicht Wagenknecht öffentlich die Hand
In einem auf der Plattform X veröffentlichten Video fordert Höcke Wagenknecht direkt auf, Ministerpräsidentin zu werden. Er will damit noch vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September ein politisches Signal setzen und wirbt für eine Verständigung von AfD und BSW im Thüringer Landtag.
Höcke argumentiert, Wagenknecht müsse zeigen, dass das BSW bereit sei, bestehende politische Bündnisse aufzubrechen. Sein Angebot steht zugleich im Zusammenhang mit der Krise um Ministerpräsident Mario Voigt, nachdem die TU Chemnitz dessen Widerspruch gegen die Aberkennung seines Doktortitels zurückgewiesen hatte.
AfD und BSW hätten rechnerisch eine Mehrheit
Der Thüringer Landtag verfügt über 88 Sitze. Davon hält die AfD 32, das BSW 15, die CDU 23, Die Linke zwölf und die SPD sechs Mandate. AfD und BSW kämen zusammen damit auf 47 Stimmen und lägen über der notwendigen absoluten Mehrheit von 45.
Ein konstruktives Misstrauensvotum gegen einen amtierenden Ministerpräsidenten ist erfolgreich, wenn mindestens 45 Abgeordnete gleichzeitig einen neuen Regierungschef wählen. Genau dieses Verfahren erläutert der Thüringer Landtag für die laufende Wahlperiode.
Wagenknecht weist Höckes Vorstoß zurück
Wagenknecht machte noch am Donnerstag deutlich, dass sie selbst nicht als Regierungschefin nach Erfurt wechseln will. Sie erklärte, das Amt des Ministerpräsidenten sei kein „Wanderpokal“, den Höcke nach Belieben vergeben könne.
Gleichzeitig verschonte sie Mario Voigt nicht mit Kritik. Wagenknecht erklärte, der CDU-Politiker habe als Ministerpräsident Vertrauen verloren und das Thüringer BSW müsse ihm die Unterstützung entziehen. Höckes Angebot bezeichnete sie dennoch als taktisch motiviert.
Als weiteres Argument verwies Wagenknecht auf die innerparteilichen Konflikte im Thüringer BSW. Nach ihrer Darstellung steht ein großer Teil der BSW-Landtagsabgeordneten im Streit mit dem Bundesvorstand und würde sie selbst nicht zur Ministerpräsidentin wählen.
Auch BSW-Politiker Klaus Ernst spricht von PR-Gag
Unterstützung erhält Wagenknecht aus der eigenen Parteispitze. BSW-Vorstandsmitglied Klaus Ernst bezeichnete Höckes Vorschlag als „absoluten Quatsch“ und als „billigen PR-Gag“. Eine gemeinsame Regierung mit der AfD sei seit Gründung des BSW ausgeschlossen.
Damit dürfte eine Regierungsbildung aus AfD und BSW trotz der rechnerischen Mehrheit derzeit politisch kaum realistisch sein.
Thüringens Regierung bleibt unter Druck
Aktuell regiert in Thüringen die sogenannte Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD unter Ministerpräsident Mario Voigt. Offizielle Landesquellen führen Voigt weiterhin als Regierungschef und Katja Wolf als Finanzministerin sowie stellvertretende Ministerpräsidentin.
Die AfD hatte bereits im Februar 2026 ein konstruktives Misstrauensvotum gegen Voigt angestrengt. Nach Angaben des Thüringer Landtags war für einen erfolgreichen Wechsel auch damals eine absolute Mehrheit von mindestens 45 Stimmen erforderlich.
Höckes neuer Vorstoß verschiebt die politische Debatte nun erneut auf die Frage, ob das BSW seine Regierungsbeteiligung mit CDU und SPD fortsetzt oder den Konflikt um Voigt zum Anlass für einen grundlegenden Kurswechsel nimmt.
Quelle:
Thüringer Landtag; Deutsche Presse-Agentur; öffentliche Stellungnahmen von Björn Höcke und Sahra Wagenknecht vom 13. August 2026.