Noch während Millionen Menschen ermordet wurden, begannen jüdische Wissenschaftler, Historiker und Zeitzeugen damit, Spuren der nationalsozialistischen Verbrechen zu sichern. Eine Ausstellung im Erinnerungsort Topf & Söhne in Erfurt erzählt von zwanzig Menschen, die damit die Grundlagen unserer heutigen Holocaustforschung schufen.

Die Schau trägt den Titel „Verfolgen und Aufklären. Die erste Generation der Holocaustforschung“ und ist am Sonntag von 10 bis 18 Uhr kostenfrei zugänglich.

Dokumentation begann bereits während des Holocaust

Die frühen Forscher standen vor einer kaum vorstellbaren Aufgabe.

Sie wollten dokumentieren, was geschah, während die Vernichtung noch im Gang war.

Dabei sammelten sie Berichte, Briefe, amtliche Dokumente und Zeugenaussagen.

Ziel war nicht nur historische Forschung.

Beweise sollten erhalten bleiben, Täter später strafrechtlich verfolgt und die Erinnerung an die Ermordeten bewahrt werden.

Nazis wollten nicht nur Menschen vernichten

Der Holocaust zielte nicht allein auf die physische Vernichtung der europäischen Juden.

Auch Kultur, Sprache, Archive, Gemeinden und religiöses Leben sollten ausgelöscht werden.

Die Dokumentationsarbeit war deshalb zugleich ein Akt des Widerstands.

Indem Zeugnisse gesammelt wurden, konnte zumindest ein Teil der zerstörten Lebenswelten bewahrt werden.

Forschung beeinflusste internationale Politik

Die Arbeit der frühen Holocaustforscher hatte langfristige Folgen.

Aus ihren Dokumentationen entstanden Forschungsinstitute, Publikationen, Gedenkstätten und Grundlagen für Gerichtsprozesse.

Auch internationale Bemühungen zur Verhinderung weiterer Genozide wurden von der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Massenverbrechen geprägt.

Zwanzig Biografien stehen im Mittelpunkt

Die Ausstellung konzentriert sich nicht nur auf abstrakte historische Prozesse.

Sie stellt zwanzig Pionierinnen und Pioniere mit ihren Lebenswegen und ihrer Arbeit vor.

Damit wird sichtbar, dass moderne Holocaustforschung nicht erst Jahrzehnte nach 1945 begann.

Ein großer Teil des Wissens basiert auf Menschen, die unmittelbar von Verfolgung betroffen waren.

Topf & Söhne ist besonderer Ausstellungsort

Der Erinnerungsort befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Firma J. A. Topf & Söhne.

Das Unternehmen lieferte Verbrennungsöfen für Konzentrations- und Vernichtungslager.

Gerade deshalb besitzt der Standort eine besondere Bedeutung für die Auseinandersetzung mit Verantwortung von Technikern, Ingenieuren und Unternehmen im Nationalsozialismus.

Ausstellung ist zweisprachig

Die Schau wird in deutscher und englischer Sprache präsentiert.

Sie entstand als Ausstellung der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz und der Touro University Berlin in Kooperation mit der Wiener Library.

Damit richtet sie sich auch an internationale Besucher.

Quellen

Erinnerungsort Topf & Söhne: Ausstellung „Verfolgen und Aufklären“

Erfurt Tourismus: Veranstaltungsinformationen für den 9. August 2026

Haus der Wannsee-Konferenz und Touro University Berlin: Ausstellungskonzept