Erfurt – Behördengänge online erledigen, Anträge digital stellen und sich mit dem Smartphone ausweisen: Die digitale Verwaltung gewinnt auch in Thüringen weiter an Bedeutung.

Der aktuelle eGovernment MONITOR 2026 zeigt, dass die Mehrheit der Menschen, die digitale Verwaltungsangebote tatsächlich nutzt, damit zufrieden ist. Bundesweit bewerten 81 Prozent der Befragten ihre Erfahrungen positiv.

In Thüringen fällt die Bilanz besonders günstig aus. Jeder zweite Befragte bewertet digitale Verwaltungsangebote besser als zuvor erwartet.

Online-Ausweis wird in Thüringen häufiger genutzt

Auch die Nutzung des Online-Ausweises nimmt im Freistaat deutlich zu.

Thüringen verzeichnet einen Zuwachs von acht Prozent. Nur Hamburg erreicht einen noch höheren Anstieg.

Damit wächst die Zahl der Menschen, die Behördendienstleistungen vollständig digital und mit elektronischer Identifikation nutzen können.

Nur 15 Prozent sehen Erwartungen vollständig erfüllt

Trotz der guten Erfahrungen bleibt der Abstand zwischen Anspruch und Wirklichkeit groß.

Nur 15 Prozent der Befragten sehen ihre Erwartungen an eine moderne digitale Verwaltung bereits erfüllt.

Ein Grund dafür ist, dass viele digitale Angebote schwer zu finden sind. Bürger wissen teilweise nicht, dass bestimmte Leistungen bereits online verfügbar sind.

Hinzu kommen sogenannte Medienbrüche. Dabei beginnt ein Verwaltungsprozess zwar digital, muss später aber dennoch auf Papier, telefonisch oder persönlich fortgesetzt werden.

Wer digitale Angebote nutzt, bleibt meist dabei

Auffällig ist die hohe Wiederholungsbereitschaft.

94 Prozent der Menschen, die bereits eine digitale Verwaltungsleistung genutzt haben, würden diesen Weg erneut wählen.

Das zeigt nach Einschätzung des Thüringer Digitalministeriums, dass nicht die Akzeptanz das Hauptproblem ist, sondern vielmehr die Sichtbarkeit und einfache Nutzbarkeit der vorhandenen Angebote.

Smartphone wird immer wichtiger

Der Zugang über das Smartphone gewinnt dabei weiter an Bedeutung.

Viele Bürger erwarten inzwischen, Verwaltungsleistungen ähnlich einfach mobil erledigen zu können wie Bankgeschäfte, Einkäufe oder andere digitale Alltagsaufgaben.

Thüringen arbeitet deshalb an der Entwicklung einer eigenen ThüringenApp.

Sie soll Verwaltungsleistungen künftig einfacher bündeln und direkt auf dem Smartphone verfügbar machen.

Informationen und Unterstützung bleiben wichtig

Digitale Angebote funktionieren allerdings nur dann gut, wenn die Nutzer schnell verstehen, wie sie eingesetzt werden können.

Deshalb setzt der Freistaat zusätzlich auf Informations- und Beteiligungsangebote.

Mit Formaten wie dem „Digital Dialog“ sollen Kommunen und Bürger besser über digitale Möglichkeiten informiert und Berührungsängste abgebaut werden.

Digitalisierung soll Vertrauen in Verwaltung stärken

Neben Zeitersparnis und Komfort spielt auch Vertrauen eine Rolle.

Positive Erfahrungen mit digitalen Behördenangeboten können dazu beitragen, das Vertrauen in staatliche Institutionen zu stärken.

Wenn Anträge einfacher gestellt werden können, Wege entfallen und Bearbeitungsprozesse verständlicher werden, profitieren nach Einschätzung des Digitalministeriums sowohl Bürger als auch Verwaltung.

Thüringen will Medienbrüche abbauen

Die Ergebnisse der Studie bestätigen nach Angaben des Landes zentrale Ziele der Thüringer Digitalstrategie „Smart State“.

Dazu gehören vor allem eine bessere Sichtbarkeit digitaler Angebote, weniger Medienbrüche, einfachere Verwaltungsleistungen und nutzerfreundlichere digitale Identitäten.

Damit bleibt die zentrale Aufgabe klar: Nicht nur mehr Leistungen müssen online verfügbar werden – sie müssen für Bürger auch schnell zu finden und unkompliziert nutzbar sein.