Bahnhof, schwarze Pufferjacke, ein paar Tanzschritte und die goldene Winkekatze in der Hand: Mehr braucht Fydoz oft nicht für ein Video.
Dann läuft die Musik, Jugendliche stellen sich dazu und am Ende steht die Frage: „Bin ich jetzt tuff?“
Was locker und ein bisschen verrückt aussieht, hat dem jungen Thüringer eine riesige Reichweite gebracht. Vor allem aber hat es eine Botschaft: Der Osten ist nicht rückständig, langweilig oder abgehängt. Er hat Menschen, Orte und Geschichten, die sich sehen lassen können.
Fydoz heißt eigentlich Fjodor Busik. Er wuchs in Eisenach auf, arbeitet als Erzieher und macht unter seinem Künstlernamen außerdem Musik. Mit seinen Videos erreicht er auf TikTok und Instagram regelmäßig ein Millionenpublikum.
Einer, der einfach losfährt
Fydoz wartet nicht darauf, dass die großen Medien irgendwann in einem kleinen Ort vorbeikommen. Er steigt selbst in den Zug und fährt hin.
Greiz, Weimar, Ilmenau, Bad Frankenhausen, Gera und viele weitere Orte standen bereits auf seiner Liste. Häufig beginnt das Video am Bahnhof. Dann kommen Jugendliche dazu, es wird getanzt und für ein paar Sekunden steht genau dieser Ort im Mittelpunkt.
Mal warten nur wenige Menschen. Mal hat sich schon eine größere Gruppe versammelt, bevor Fydoz überhaupt aus dem Zug steigt. In Ilmenau wurde er von Jugendlichen erkannt, angesprochen und um gemeinsame Videos gebeten. In Greiz kamen junge Leute zum Bahnhof, um bei seinem Tanz mitzumachen.
Große Kulisse braucht er nicht. Ein Bahnhofsvorplatz, eine Straßenkreuzung oder ein Platz in der Innenstadt reichen.
Fydoz zeigt damit genau die Orte, die sonst häufig nur dann in den Nachrichten auftauchen, wenn irgendwo eine Fabrik schließt, ein Zug ausfällt oder junge Menschen wegziehen.
Bei ihm sieht es anders aus: Da ist Bewegung, da sind Leute, da ist Energie.
Was bedeutet eigentlich „tuff“?
„Tuff“ kommt vom englischen Wort „tough“. In der Jugendsprache wird es ungefähr im Sinn von „cool“, „stark“ oder „krass“ verwendet.
Der Trend „Tuff im Osten“ begann mit kurzen, häufig selbstironischen Videos. Jugendliche filmten sich vor Plattenbauten, auf Dorfstraßen, neben Simsons oder in Treppenhäusern.
Doch aus dem eigenen Humor wurde teilweise Spott von außen. In Kommentaren und nachgemachten Videos wurde Ostdeutschland wieder einmal auf graue Häuser, Armut und Rückständigkeit reduziert.
Genau das wollte Fydoz nicht stehen lassen. Er begann im Frühjahr 2025, durch ostdeutsche Orte zu fahren und den Trend auf seine Weise zurückzuholen. Sein Ziel sei es, Ostdeutschland wieder stärker sichtbar zu machen und die Menschen, die Stimmung und die Energie vor Ort zu zeigen.
Das ist keine komplizierte politische Kampagne. Fydoz tanzt, lacht, redet mit den Leuten und fährt weiter zur nächsten Stadt.
Aber die Botschaft kommt trotzdem an.
Nicht über den Osten lachen, sondern mit ihm
Fydoz nimmt sich selbst nicht übermäßig ernst. Seine Videos haben Humor, feste Abläufe und einen gewissen Wiedererkennungswert.
Trotzdem macht er sich nicht über die Orte lustig, die er besucht. Das ist der entscheidende Unterschied.
Viele junge Ostdeutsche kennen das Gefühl, dass ihre Heimat von außen belächelt wird. Die immer gleichen Bilder tauchen auf: Plattenbau, Dialekt, Arbeitslosigkeit, alte Autos und schlechte Zugverbindungen.
Fydoz dreht das um. Bei ihm wird aus dem Bahnhofsvorplatz eine Bühne. Aus einem kleinen Ort wird für einen Moment der Mittelpunkt seines Kanals. Und aus den Jugendlichen, über die sonst häufig nur gesprochen wird, werden die Leute vor der Kamera.
Er sagt selbst, dass er Ostdeutschland „pushen“ möchte. Dabei tritt er nach eigener Aussage nicht für eine bestimmte Partei auf. Ihm gehe es um Zugehörigkeit, Respekt und ein positives Bild seiner Heimat.
Die goldene Winkekatze gehört immer dazu
Zu seinem festen Erkennungszeichen gehört eine goldene Winkekatze.
Normalerweise steht eine solche Figur in Geschäften oder Restaurants und soll Glück und Wohlstand bringen. Bei Fydoz bekommt sie noch eine zweite Bedeutung.
Für ihn steht sie für den Osten als Schatz, den viele Menschen nicht mehr sehen wollen. Deshalb taucht die Katze immer wieder in seinen Videos auf. Jugendliche dürfen sie halten, mit ihr tanzen oder sie direkt in die Kamera zeigen.
Das wirkt im ersten Moment etwas schräg. Gerade deshalb bleibt es hängen.
Andere tragen ein auffälliges Logo oder fahren ein teures Auto vor. Fydoz kommt mit einer Winkekatze zum Bahnhof.
Und jeder weiß sofort, wer da steht.
Aufgewachsen in Eisenach
Fjodor Busik wuchs in Eisenach auf. Seine Familie hat Wurzeln in Kasachstan. Er hat selbst beschrieben, dass er sich als Kind mit unterschiedlichen Zuschreibungen auseinandersetzen musste: In Deutschland sei er für manche „der Ausländer“ gewesen, während er in Kasachstan wiederum als Deutscher wahrgenommen worden sei.
Vielleicht versteht er deshalb besonders gut, wie es sich anfühlt, ständig von anderen eingeordnet zu werden.
Auch Ostdeutschland wird häufig von außen erklärt. Fydoz möchte lieber selbst zeigen, wie er seine Heimat erlebt.
Er nennt sich auf Instagram einen Westthüringer. Seine Verbundenheit mit Eisenach und Thüringen zieht sich durch seine Videos und seine Musik.
Großstädte im Westen empfindet er nach eigenen Worten häufig als zu laut, zu voll und zu anonym. An Thüringen schätzt er dagegen die Nähe zwischen den Menschen, das familiäre Gefühl und die Natur.
Im Alltag arbeitet er als Erzieher
Hinter den Tanzvideos steckt kein hauptberuflicher Internetstar, der den ganzen Tag nur auf den nächsten Clip wartet.
Fydoz arbeitet als Erzieher. Berichten zufolge ist er in einem Kinderheim in Gera tätig. Damit trägt er auch abseits der Kamera Verantwortung für junge Menschen.
Das passt zu seinem Auftreten. Wenn Jugendliche bei seinen Drehs auftauchen, wirkt er nicht genervt oder abgehoben. Er hört zu, macht gemeinsame Aufnahmen, verteilt Autogramme und versucht, die Wünsche aus seinen Kommentaren ernst zu nehmen.
In Greiz unterschrieb er sogar auf Taschenrechnern, Schuhen und Handyhüllen, bevor er wieder in den Zug zur nächsten Station stieg.
Sein Anspruch ist, zuverlässig zu sein. Wenn er ankündigt, einen Ort zu besuchen, möchte er auch tatsächlich kommen.
Für junge Follower ist das wichtig. Sie wollen nicht nur irgendeinem bekannten Gesicht folgen. Sie wollen merken, dass jemand ihre Stadt und ihre Wünsche ernst nimmt.
Erst Thüringen, dann der ganze Osten
Anfangs konzentrierte sich Fydoz vor allem auf Thüringen. Sein Ziel war groß: möglichst viele Städte und Dörfer im Freistaat besuchen.
Inzwischen reicht sein Blick weiter. Auch Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und andere Regionen Ostdeutschlands gehören zu seinen Themen.
Auf Instagram veröffentlicht er Beiträge mit Aussagen wie „Osten is diamond“ oder „Ostdeutschland is diamond“. Das englische Wort für Diamant passt zu seiner Winkekatze und seiner Grundidee: Der Osten ist wertvoller, als viele glauben.
Dabei zeigt er nicht nur die bekannten Städte. Gerade kleinere Orte gehören zu seinem Konzept.
Denn mal ehrlich: Berlin, Leipzig und Dresden finden auch ohne Fydoz statt. Ein Bahnhof in einer kleinen thüringischen Stadt bekommt dagegen nicht jeden Tag ein eigenes Video mit Tausenden Aufrufen.
Sein Video aus Bad Frankenhausen ging richtig ab
Wie groß das Interesse an seinen Ortsvideos ist, zeigte unter anderem ein Beitrag aus Bad Frankenhausen.
Das Video erreichte bereits 2025 rund 260.000 Aufrufe. Damals folgten seinem TikTok-Kanal etwas mehr als 20.000 Menschen. Seitdem ist seine Bekanntheit weiter gewachsen.
Heute erreicht Fydoz nach Angaben regionaler Medien mit seinen Beiträgen monatlich mehrere Millionen Menschen. Sein Instagram-Profil zählt derzeit rund 30.000 Follower.
Die Zahlen sind stark. Wichtiger ist aber, was darunter passiert.
Unter den Videos fragen Jugendliche: Wann kommst du nach Gera? Wann bist du in Sachsen? Wann besuchst du unser Dorf?
Aus einem einfachen Tanzformat ist so eine kleine Bewegung geworden.
Politik lässt er weitgehend draußen
Wer über Ostdeutschland spricht, landet schnell bei Wahlen, Parteien und Streit.
Fydoz versucht, sich davon nicht vereinnahmen zu lassen. Er sagt, dass er nicht für eine bestimmte Partei auftreten möchte.
Seine Botschaft ist einfacher: höflich bleiben, cool sein, menschlich miteinander umgehen und den eigenen Ort nicht kleinreden.
Das bedeutet nicht, dass seine Videos völlig unpolitisch wären. Wer sich gegen pauschalen Spott und die Abwertung einer ganzen Region stellt, setzt automatisch ein Zeichen.
Fydoz macht daraus aber keine lange Rede. Er steigt aus dem Zug, tanzt mit den Leuten und zeigt, dass vor Ort mehr los ist, als viele denken.
Gerade dadurch erreicht er Menschen, die bei einem politischen Vortrag längst weitergeklickt hätten.
Auch Hass gehört leider dazu
Mit der Reichweite kamen nicht nur Fans.
Fydoz berichtet von Kommentaren, in denen sinngemäß der Wiederaufbau der Mauer gefordert oder Ostdeutschland herabgesetzt wird. Solche Sprüche seien für ihn einer der Gründe gewesen, überhaupt mit seiner eigenen Version des „Tuff“-Trends zu beginnen.
Er nimmt den Hass wahr, lässt sich davon aber nicht stoppen.
Seine Grundhaltung bleibt auffallend optimistisch. Er möchte nicht ständig darüber sprechen, was im Osten angeblich alles schlecht läuft. Lieber fährt er hin und zeigt, wer dort lebt.
Das ist wahrscheinlich seine größte Stärke: Er reagiert auf Häme nicht mit noch mehr Häme.
Er antwortet mit einer Pufferjacke, einer Winkekatze und einem Tanz.
Früher Judo, heute Tanz vor dem Bahnhof
Bevor Fydoz mit seinen Videos bekannt wurde, betrieb er intensiv Judo und kämpfte nach eigenen Angaben sogar in der Bundesliga. Die Nervosität vor seinen heutigen Auftritten kennt er daher bereits aus dem Sport.
Ein bisschen Wettkampf steckt vielleicht noch immer in ihm.
Nur tritt er heute nicht gegen einen Gegner auf der Matte an. Sein Gegner sind eher die alten Bilder vom Osten, die seit Jahren wiederholt werden.
Gegen die kommt er nicht mit langen Statistiken an. Er setzt auf Wiederholung, Humor und einen Stil, den Jugendliche sofort erkennen.
Fydoz macht auch Musik
Der Name Fydoz steht nicht nur über seinen Videos. Fjodor Busik veröffentlicht darunter auch Rapmusik.
Auf Spotify beschreibt er sich als Rapper aus Eisenach und Westthüringen. Seine Herkunft und das Leben im Osten tauchen auch dort immer wieder als Themen auf.
Zu seinen Veröffentlichungen gehört unter anderem der gemeinsame Titel „Diamond Aura“ mit 17Jojo. Als Sänger wird dabei Fjodor Busik genannt.
Seine Musik ist weniger bekannt als die Ortsvideos, gehört aber zu derselben Geschichte.
Fydoz will nicht nur tanzen. Er möchte als Künstler wahrgenommen werden und seine eigene Sprache für das Leben in Thüringen und Ostdeutschland finden.
Seine Schwester wurde Miss Germany
Auch in seiner Familie gibt es inzwischen ein bekanntes Gesicht.
Fjodors Schwester Valentina wurde 2025 zur Miss Germany gewählt. Fydoz begleitete Teile dieser Zeit mit eigenen Videos und Vlogs.
Trotzdem wirkt es nicht so, als wolle er sich an ihrem Erfolg festhalten. Sein eigener Weg ist klar erkennbar: ostdeutsche Orte, Musik, Tanz und seine Community.
Die Geschwister stehen für zwei sehr unterschiedliche Formen öffentlicher Aufmerksamkeit – beide stammen aus derselben Familie mit Wurzeln in Thüringen.
Warum Fydoz in unsere Rubrik „Ossi’s“ gehört
Fydoz gehört zu einer jungen Generation, die die DDR nur aus Erzählungen kennt und trotzdem merkt, dass die deutsche Teilung noch immer in vielen Köpfen steckt.
Er hält keine Vorträge über Strukturpolitik. Er diskutiert nicht jeden Tag über Ost und West.
Er macht etwas viel Einfacheres: Er fährt nach Greiz, Ilmenau, Weimar oder Bad Frankenhausen und zeigt die Leute, die dort leben.
Das kann lustig sein. Manchmal ist es ein bisschen schräg. Aber es ist immer nahbar.
Fydoz gibt jungen Menschen einen Grund, ihren Heimatort selbstbewusst in die Kommentare zu schreiben. Plötzlich will nicht mehr jeder nur wissen, wann er endlich nach Berlin oder Hamburg kommt.
Die Frage lautet: Wann kommst du zu uns?
Und genau deshalb passt Fydoz zu „Ossi’s“. Er macht den Osten nicht größer, indem er ihn schöner redet. Er macht ihn größer, indem er einfach hinfährt.
Hier findet ihr Fydoz
TikTok: @fydoz.tts
Dort erscheinen seine bekannten „Tuff im Osten“-Videos aus Städten und Dörfern.
Instagram: @fydoz.tts
Hier teilt er Ortsvideos, Musik, kurze Einblicke und aktuelle Termine. Das Profil hat derzeit rund 30.000 Follower.
Spotify: Fydoz
Auf Spotify veröffentlicht er seine Musik und beschreibt sich als Rapper aus Eisenach in Westthüringen.
YouTube: diamondtts
Dort finden sich Musik, Vlogs und ältere Videos, unter anderem aus Eisenach und rund um das Miss-Germany-Finale.
Fydoz kompakt
Bürgerlicher Name: Fjodor Busik
Künstlername: Fydoz
Alter: 23 Jahre laut Veröffentlichungen aus 2025
Heimat: Eisenach und Westthüringen
Beruf: Erzieher
Bekannt für: „Tuff im Osten“-Videos
Markenzeichen: Schwarze Pufferjacke und goldene Winkekatze
Weitere Tätigkeit: Rapper und Musiker
Botschaft: Ostdeutschland zeigen, Vorurteile abbauen und Gemeinschaft schaffen