OST-DNA: Erfindergeist, High-Tech & Wissenschaft aus Sachsen

Der König der Erfinder: Wie Manfred von Ardenne von Dresden aus die Welt von Fernsehen bis Medizin veränderte

Über 600 Patente, die Weltpremiere des voll-elektronischen Fernsehens 1931 und das einzige private Forschungsinstitut im gesamten Ostblock: Manfred von Ardenne war das Genie der deutschen Technikgeschichte. Auf dem Dresdner Hirschberg schuf der Universalgelehrte ein wissenschaftliches Imperium, das von der Elektronenmikroskopie über die Molekularphysik bis zur Krebs-Mehrschritt-Therapie reichte. Wie Ardenne die Grenzen zwischen Physik und Medizin auflöste, warum seine Forschung selbst in der DDR

Von Frank Deutschländer 2 Min. Lesezeit

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Porträt von Manfred von Ardenne als Symbol für seine Erfindungen und seine Forschungsarbeit in Dresden.
Porträt von Manfred von Ardenne als Symbol für seine Erfindungen und seine Forschungsarbeit in Dresden. Symbolbild · Foto: adobe.stock

Grenzsprenger der Wissenschaft: Manfred von Ardenne meldete über 600 Patente an und prägte den High-Tech-Standort Dresden nachhaltig. Foto: ODZ/Symbolbild

Wer auf den Elbhang-Höhen des Dresdner Stadtteils Weißer Hirsch vor der markanten Villa Ardenne steht, blickt auf den Ort, an dem jahrzehntelang technologische Weltgeschichte geschrieben wurde.

Manfred von Ardenne (1907–1997) war das Phänomen der deutschen Wissenschaftslandschaft: Autodidakt, Physiker, Erfinder und Visionär. Er verkörperte den ungebrochenen Forscherdrang und hinterließ ein Werk, das von der Unterhaltungselektronik bis zur Onkologie reicht.

Inhaltsübersicht

  1. Die Sensation von 1931: Das erste voll-elektronische Fernsehen der Welt

  2. Das Wunder vom Weißen Hirsch: Das einzige Privat-Institut der DDR

  3. Von der Physik zur Medizin: Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie und Krebsforschung

  4. Das Erbe: Von Ardenne als globaler Player der Oberflächentechnik

  5. Ortspunkt Dresden: Wo du den Geist Ardennes spürst

  6. Leser-Aufruf: Welcher Erfindergeist aus der Region fasziniert dich?

Die Sensation von 1931: Das erste voll-elektronische Fernsehen der Welt

Bereits in jungen Jahren eroberte Ardenne die Fachwelt. Im August 1931 präsentierte er auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin die erste betriebsfähige Versuchsanordnung für voll-elektronisches Fernsehen mit Kathodenstrahlröhre (Braunscher Röhre) an Sender und Empfänger.

Damit löste er die mechanischen Abtastscheiben ab und legte den Grundstein für das moderne TV-Zeitalter. Parallel erfand er das Rasterelektronenmikroskop und maßgebliche Bauteile für die HF-Verstärkertechnik.

Das Wunder vom Weißen Hirsch: Das einzige Privat-Institut der DDR

Nach seiner Tätigkeit im sowjetischen Nuklearprogramm nach 1945 kehrte Ardenne nach Deutschland zurück und wählte Dresden zu seiner Wirkungsstätte. 1955 gründete er auf dem Weißen Hirsch das Forschungsinstitut Manfred von Ardenne.

Das Erstaunliche: In einem Staat, der die Wirtschaft konsequent verstaatlichte, gelang es Ardenne, sein Institut als einziges privates Forschungsinstitut im gesamten Ostblock mit bis zu 500 Mitarbeitern eigenständig zu führen.

Von der Physik zur Medizin: Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie und Krebsforschung

In den 1960er-Jahren vollzog Ardenne einen kühnen Fachwechsel und wandte sich der Biophysik und Medizin zu.

Er entwickelte:

  • Die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (SMT): Eine Kombination aus Sauerstoffgabe, Vitaminen und Bewegung zur Verbesserung der Mikrozirkulation im Gewebe.

  • Die Systemische Krebs-Mehrschritt-Therapie: Die Nutzung von Ganzkörper-Hyperthermie (gezielter Überwärmung) in Kombination mit Glukose übersättigung zur Bekämpfung von Tumorzellen.

Das Erbe: Von Ardenne als globaler Player der Oberflächentechnik

Nach 1990 wandelten Ardennes Söhne und Enkel die technologischen Geschäftsbereiche erfolgreich um. Die heutige VON ARDENNE GmbH ist ein weltweit führender Hersteller von Anlagen für die industrielle Erzeugung von Dünnschichten auf Glas (z.B. für Solarmodule, Architekturglas und Touchscreens) mit Hauptsitz in Dresden.

Ortspunkt Dresden: Wo du den Geist Ardennes spürst

  • Sternwarte & Areal Weißer Hirsch (Dresden): Das historische Institutsgelände und die Privatsternwarte Ardennes hoch über dem Elbtal vermitteln die einzigartige Atmosphäre des Erfinder-Refugiums.

  • Technische Sammlungen Dresden (Junghansstraße): Zeigen Exponate zur Fernseh- und Kamerasammlungsgeschichte, in der Ardennes Arbeiten einen Ehrenplatz einnehmen.

Themen: SachsenDresdenWissenschaftHigh-TechManfred von ArdenneErfinderForschungsinstitut ArdenneFernsehenKrebsforschungElektronenmikroskop

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